„137 Länder auf allen Kontinenten.“ Die Experten unserer Expeditionsreisen: Christian Rommel, Abenteurer

Erst das besondere Wissen um ein Reiseziel macht eine Destination erlebbar. Experten und Wissenschaftler an Bord unserer Expeditionsschiffe sorgen für tiefe Einblicke, überraschende Begegnungen und unvergessliche Momente. Wir stellen einige dieser Menschen vor – zum Beispiel: Christian Rommel.

Datum: 07.06.2020
Tags: #msbremen #hanseaticinspiration #hanseaticnature #hanseaticspirit

Hapag-Lloyd Cruises: Für welchen Bereich der Wissenschaft stehen Sie?

Christian Rommel: Ich bin einer der wenigen Nicht-Wissenschaftler unter den Experten und besetze das Fachgebiet Abenteuerreisen. Ich habe 137 Länder auf allen Kontinenten besucht, zudem zehn Jahre in Ostasien gelebt. Auf meinen Reisen habe ich mich auf Pionier-Touren mit Expeditions-Charakter zu Fuß, mit Kanu oder Jeep spezialisiert, diese führten mich zu ethnischen Minderheiten in Südamerika, Zentralafrika, Asien und Ozeanien. Mein Umgang mit Menschen unterschiedlicher Hautfarbe, Bildung und Religion, mit fremden Sitten und Gebräuchen, haben mich geprägt. Diese Erfahrungen, kombiniert mit interkultureller Kompetenz, der Liebe zur Natur, der Vielfalt und der Schönheit der Erde, bilden die Basis meiner Tätigkeit als Lektor.

Gibt es ein Schlüsselerlebnis, das Sie mit Ihrer Disziplin in Verbindung gebracht hat?

Meine Leidenschaft gilt West-Neuguinea. Im Rahmen von fünf Dschungeltrekking-Expeditionen habe ich die „Wilde Insel“ komplett auf dem Landweg durchquert und dabei mehr als 1.300 Kilometer zu Fuß zurückgelegt. Das ist vorher weltweit noch nie bewältigt worden. Ein Schulfreund, der selbst als Lektor tätig ist und einen meiner Vorträge ansah, meinte, dass ich mit der Schilderung solcher Erlebnisse eine eigenständige Vortragsdisziplin besetze. Genauso ist es auch. Und inzwischen ist die frühere Unsicherheit, ob es für einen ausgewiesenen Nicht-Wissenschaftler überhaupt einen Platz im Vortrags-Team der Expeditionsschiffe von Hapag-Lloyd Cruises geben könne, verflogen.


Christian Rommel, Jahrgang 1965, stammt aus Bielefeld. Er studierte Verpackungsdesign in Stuttgart, Tokyo und Xian (West-China), in Hong Kong gründete er eine Unternehmensberatung. Inzwischen ist er Mitglied der Royal Geographic Society, hält regelmäßig Vorträge über den Klimawandel, schreibt Reisereportagen und hat diverse Sach- und Fachbücher publiziert. Seit ein paar Jahren dreht er mit seinem Team Dokumentarfilme und baut eine private ethnografische Sammlung für ein Erlebnismuseum auf. www.reisen-bis-ans-ende-der-welt.com

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Nennen Sie uns den Titel eines Ihrer beliebtesten Vorträge…

Das wichtigste Vortragsthema zuletzt hatte die Überschrift „Zeitenwende, Klimawandel und Weltreisen – die globale Relevanz der Verpackung in Zeiten der Nachhaltigkeit“. Am Beispiel einer Borneo-Durchquerung im Jahr 1991 und eines Besuchs der indonesischen Insel mit der HANSEATIC, verdeutliche ich die Folgen der Abholzung des Regenwaldes. Erfahrungen meiner mehr als zwanzigjährigen Berufstätigkeit in China dienen als Vorlage, um das Thema Luftverschmutzung anschaulich zu erläutern. Und das dem Untergang geweihte, pazifische Inselreich Tuvalu eignet sich als Metapher für die Erhöhung des Meeresspiegels durch den Klimawandel. Tuvalu besuchte ich 2018 mit der BREMEN. Letztlich zeige ich weltweite Negativ-Beispiele von Kunststoff-Verpackungen unserer Konsumgesellschaft, um ein Umdenken in Bezug auf Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung und reduzierte Müllproduktion zu provozieren. 

Wie kam es zum ersten Einsatz auf einem unserer Schiffe?

Ich bin dazu gestoßen, als das Expeditions-Team relativ kurzfristig einen vielseitig einsetzbaren Lektor suchte, der sich sowohl in der Andenregion Südamerikas, in der Karibik und im Amazonasbecken gut auskennt. Ich wiederum bevorzugte für meine erste Reise eine Region, die mich landschaftlich und kulturell interessiert – und da kam mir eine Reise mit Passage durch den Panama-Kanal genau recht.

Interessant war die Reaktion auf die von mir eingereichten Vortragsthemen. Eines meiner Lieblingsthemen, die ich in Equador an Bord präsentierte, sorgte anfangs doch für etwas Skepsis. Hinterher entwickelte sich genau dieser Vortrag zum Hit. Es war die Vorstellung einer Urwald-Expedition mit dem Titel: „Auf der Suche nach dem letzten Schrumpfkopf“.

Welche Reise war es?

Mein erster Einsatz als Bordlektor war 2016. Ich fuhr mit der BREMEN von Lima in Peru durch den Panama-Kanal bis zur brasilianischen Großstadt Belém an der Amazonas-Mündung. Ein atemberaubendes Erlebnis, das unberührte Natur und quirlige Küstenstädte mit exotischem Wildlife und paradiesischen Strandbesuchen in der Karibik kombinierte. Eine Tagesdurchfahrt des Panama-Kanals bei besten Wetterverhältnissen ist ein absolutes Highlight. Für mich hielt diese Reise noch eine weitere Besonderheit parat: ein Besuch der Teufelsinseln von Französisch-Guayana. Dort begann meine Laufbahn als Abenteurer, im Alter von 22 Jahren fuhr ich als einziger Weißer auf einem Frachtkanu ins Indianerreservat. Drei Jahrzehnte später konnte ich direkte Vergleiche ziehen, und das war dann auch für die Gäste an Bord spannend.

Auf welchen Schiffen waren Sie mit uns bereits unterwegs?

Wiederholt auf HANSEATIC und BREMEN, einmal auch auf der EUROPA, die aufgrund ihrer überschaubaren Größe auch abgelegene Regionen besuchen kann. Ich schätze die kleinen Schiffe, die Individualität. „Expedition“ bezeichnet schließlich auch eine besondere Reiseplanung oder einen Routenverlauf, der kaum bis ins Einzelne vorhersehbar ist. Dieser Abenteuercharakter kommt mir sehr entgegen.

In welchen Destinationen waren Sie mit uns bereits unterwegs?

Meine Reisen auf den Expeditionskreuzfahrtschiffen haben mich in die Karibik, rund um Südamerika, in den Indischen Ozean, nach Australien, durch den gesamten Pazifikraum und in die Antarktis geführt. Obwohl die Eiswelten spektakulär sind, fühle ich mich in den Warmwasser-Regionen, speziell in abgelegenen Pazifik-Regionen, am wohlsten. Ende des Jahres steht für mich eine Pionier-Tour zur Osterinsel, einer der unglaublichsten Plätze der Welt, auf dem Programm. Einmal selbst die kolossalen Moai-Steinstatuen zu sehen, davon träume ich seit Jahrzehnten. Das ist die perfekte Kombination aus Kultur und Geschichte tausende von Kilometern von unserer Zivilisation entfernt. 

Was ist das Besondere an einer Schiffsreise in diese Regionen?

Der größte Vorteil besteht darin, ganz besondere Plätze auf der Welt zu bereisen, die man mit regulären Verkehrsmitteln kaum erreichen kann: Inseln, Buchten oder Flussmündungen. Dass die Schiffe über Zodiacs verfügen, ermöglicht eine hohe Flexibilität und eine große Unabhängigkeit. Zudem gefällt mir das Motto: „Die Welt befahren, die Natur bewahren!“ Daraus erwächst auch eine Verantwortung gegenüber der fantastischen Einsamkeit vieler unberührter Naturlandschaften. Solche Destinationen kennen zu lernen ist ein grandioses Privileg und erfordert den sensiblen Umgang mit Mensch und Natur.


Expedition Süd- und Mittelamerika mit Panamakanal – Zu Naturwundern und Hochkulturen

Datum: 25.03.2021 bis 13.04.2021 | 19 Tage
Schiff : HANSEATIC nature
Reisenummer: NAT2106
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Expedition Süd- und Mittelamerika mit Panamakanal – Acht Länder, unzählige Naturjuwele

Datum: 18.03.2022 bis 06.04.2022 | 19 Tage
Schiff : HANSEATIC spirit
Reisenummer: SPI2205
JETZT REISE ANSEHEN

Wann beginnt für gewöhnlich der Arbeitstag während einer Expedition?

Nach dem frühen Frühstück in der Offiziersmesse gibt es letzte Instruktionen auf der Brücke. Danach geht es mit Rettungsweste und Funkgerät zum Ausbooten. Als Experte sitze ich im ersten Zodiac, um den Anlandungsplatz auszukundschaften. Ich gehe mit den lokalen Reiseveranstaltungspartnern oder Nationalpark-Rangern das Programm durch. Manchmal gibt es eine Begrüßungszeremonie, immer aber eine Vorabbesichtigung aller Sehenswürdigkeiten. Danach erteilen wir per Funk das „Go“ für die Anlandung der Gäste und geleiten sie weiter. Am Ende des Ausflugs räumen wir gründlich auf. Es ist wichtig, nirgends Müll zurück zu lassen, um unserem Anspruch an umweltgerechtes Reisen zu entsprechen.

Wie verläuft ein typischer Tag an Bord?

Die Tätigkeit eines Bordlektors ist ein hochqualifizierter Multitasking-Job. Im Pazifik beispielsweise muss ich mich am Tag bis zu fünf Mal im Schweinsgalopp umziehen, meine verschwitzten Sachen verstauen, duschen, eine Kleinigkeit essen. Während für die Gäste ein Strandtag ein Highlight ist, gibt es für uns vieles zu erledigen. Ich nehme die Rettungswesten im Empfang, gebe Tipps zum Schnorcheln oder zur Besteigung eines Aussichtshügel. Manchmal habe ich Bay Watch-Einsatz und fahre zur Sicherheit mit dem Schlauchboot im seichten Gewässer auf und ab. Auch mir bleibt immer etwas Freizeit, um in das türkisblaue Wasser zu springen. 

Nach dem Abendessen gibt es oft noch einen Empfang, und ich unterhalte mich mit den Gästen. Nach elf Stunden vollem und anstrengenden Programm, wenngleich in traumhafter Umgebung, falle ich dann dankbar nur noch ins Bett. So viel zur ursprünglichen Vorstellung, als Lektor an Bord eines Luxusexpeditionsschiffes einfach mal ein paar Vorträge zu halten und sich ansonsten dem süßen Müßiggang hingeben zu können. 

Was war der vielleicht schönste Moment auf einer Expeditionsreise?

Es fällt schwer, ein einzelnes Erlebnis besonders hervorzuheben. Aber ich denke da an eine fantastische Karibik-Kreuzfahrt mit einem exklusiven Landausflug in das Hinterland Venezuelas. Wir flogen in das Hochland von Guayana, um die berühmten Tafelberge zu besuchen. Bei Canaima, mitten im Dschungel, gibt es beeindruckende Wasserfälle. Ich schlug unserem indianischen Führer vor, zusätzlich zur normalen Wanderung einen ganz besonderen Weg zu nehmen, den ich von einem früheren Besuch her kannte. Er willigte ein. Und so folgten wir nach kurzer Kletterpartie im Gänsemarsch langsam und vorsichtig einem kleinen Steinpfad, der direkt hinter dem tosenden Wasserfall verborgen lag. Es war feucht und rutschig, wir schauten durch die donnernden Wassermassen auf die friedliche Lagune, den grünen Urwald, die Silhouetten der Berge und fühlten uns wie Indiana Jones auf abenteuerlicher Jagd. Im Anschluss sagten einige Gäste zu mir, das wäre einer der besten Tage in ihrem Leben gewesen. Für genau diese Momente liebe ich meine Arbeit.

Werden Sie auch die Ocean Academy nutzen? 

Ich finde es spannend, wenn die Gäste selbst aktiv werden können. Auf meinen Exkursionen nehme ich immer – selbstverständlich im Rahmen des Erlaubten – immer auch das ein oder andere Fundstück mit. Da gibt es Vieles zu untersuchen, wofür sich die Mikroskope perfekt eignen. Vergrößert kann man die Ergebnisse auf der Multimedia-Wand gemeinsam ansehen. Es ist schon eine Herausforderung, diese digitalen Techniken auch richtig zu nutzen. Dafür müssen bestehende Vortragsinhalte aufbereitet werden. Trotzdem haben Live-Vorträge einen besonderen Charakter. 

Was darf im Gepäck nie fehlen?

Ich trage je nach Region immer einen breitkrempigen Lederhut oder einen Panama-Hut. Dazu ein rotes Halstuch, schwarze Sonnenbrille, Digitalkamera samt Stativ und Wasserflasche im Rucksack. Kleine Dollar-Noten in der Hosentasche sind auch stets dabei und immer ein Lächeln!

Beschreiben Sie einen perfekten Glücksmoment für den Experten an Bord…

Mit meiner ersten Antarktis-Reise ging ein lebenslanger Reisetraum in Erfüllung. Das letzte große Wildnisgebiet auf der Welt, nahezu unberührt, unzugänglich, unbewohnt. Irgendwo im Lemaire-Kanal an der antarktischen Halbinsel fuhren wir inmitten eines Treibeisfeldes durch Millionen silberner Lichtpunkte. Zwischen diesem dichten Teppich aus schneegepanzerten Eisschollen und transparenten Eisbrocken trieb ein kilometerlanger, ehrfurchterregender Tafeleisberg. Ein stoischer, kalter und abweisender Gigant mit senkrechten Wänden, gähnenden Spalten, Höhlen und Löchern. Im glühenden Licht der untergehenden Sonne wurden die Farben unwirklich. Ein überirdischer Moment.

Fotos: Privat, Archiv, Susanne Baade

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