Klarheit, Weite, Stille. Grönland mit unseren Expeditionsschiffen

Es ist die größte Insel der Erde, die am geringsten besiedelte Landfläche und einer der magischsten Orte der Welt. Wenn der Ethnologe und langjährige Experte an Bord unserer Expeditionsschiffe, Dietmar Neitzke, sein Grönland beschreibt, dann spürt man, dass „Kalaallit Nunaat“ was mit einem macht. Eine Hommage an das Land der Inuit.

Datum: 01.09.2022
Tags: #hanseaticinspiration #hanseaticnature #hanseaticspirit

Grönland ist die mit Abstand größte Insel der Welt – etwa sechs mal so groß wie Deutschland. Vom südlichsten Punkt, dem Kap Farvel, das etwa auf der Höhe von Stockholm liegt, erstreckt es sich über 2.570 Kilometer bis zu den nördlichsten Landmarken der Erde, gut 700 Kilometer vor dem Nordpol. Mehr als 80 Prozent dieser Fläche sind mit einer bis zu 3.200 Meter dicken Eiskappe bedeckt. Die restlichen 20 Prozent ergeben eine theoretisch besiedelbare Fläche von der Größe Schwedens. Hier leben allerdings nur 56.000 Menschen – Grönland ist damit auch das mit Abstand dünnst besiedelte Land außerhalb der Antarktis. 52.000 Einwohner sind Inuit, sie nennen sich hier Kalaallit. Seit der Autonomie von Dänemark im Jahr 1979 heißt ihre Heimat dementsprechend Kalaallit Nunaat – „Land der Grönland-Inuit“. Die Landessprache ist ein Dialekt des Inuktitut, „Worte des Inuit“. 

Eine Küste, geprägt von Schären, Fjorden und Gletschern

 

Grönland eignet sich perfekt für eine Reise mit dem Schiff, denn es gibt bis heute keine einzige Straße, die zwei Ortschaften miteinander verbindet. Und eine solche wird es vielleicht auch nie geben, denn die Küstenregionen sind extrem unwegsam. Geprägt werden diese durch vorgelagerte Schären, steile Felsküsten und gewaltige Auslassgletscher, in die die größten Eisberge der Nordhalbkugel „kalben“. Alle Transportwege führen also über das im Sommer offene und im Winter im Norden und Osten zugefrorene Meer. Dazu werden auch heute noch regional Hundeschlitten eingesetzt. Fischfang und die Jagd auf Rentiere, Moschusochsen, Robben, Wale und auch Eisbären sind bis heute ein selbstverständlicher Teil des Lebens der Menschen auf Grönland. Auch die Trachten und das wunderbare Kunsthandwerk gehören dazu. Die meisten Menschen leben bis heute in Dörfchen aus bunten Holzhäusern, meist malerisch gelegen an Fjordmündungen oder auf vorgelagerten Schären.

Die gesamte Küstenlinie erstreckt sich über etwa 39.000 Kilometer, da Grönland auch die größten Fjordsysteme der Erde besitzt. Auf unserer Expeditionsreise mit dem Schiff entdecken wir eine atemberaubende, urgewaltige Landschaft aus zerklüfteten Gletscherfronten, engen steilwandigen Fjorden mit wild gezackten Bergformationen und zu skurrilen Formen geschliffenen Eisbergen. Dazu eine Tundra, die im Frühsommer wunderschön blüht, und im Herbst in den prächtigsten Herbstfarben erglüht: Die roten Blätter der leckeren Polarheidelbeere, das Gelb und Orange der Polarweide, dazu das Dunkelgrün der Krähenbeere und das Silber der Rentierflechte bilden dann einen geradezu surrealen Kontrast zum blauen Himmel und den weißen Eisbergen. Dazu kommen oft noch die hier bereits im Herbst sichtbaren Polarlichter.

Der Himmel ist hoch – der Horizont unendlich

 

Die Landschaft ist karg, reduziert, und strahlend schön, ihre Formen teils weich geschwungen und mystisch ineinander verschwimmend, teils auch mit harten Kontrasten und bizarren Konturen. Der Himmel ist hoch und der Horizont unendlich. Stimmen verstummen, Gefühle fliegen. Vielleicht kommt diese Wahrnehmung dem nahe, was in der alten Inuit-Religion „sila“ genannt wurde, ein schillernder Begriff, der sich mit „draußen“, „Diesseits“ oder „Bewusstsein“ übersetzen ließe, aber weit mehr bedeutet. Sila ist die Gemeinschaft aller Seelen, eine die Welt durchfließende, magische Lebensenergie: die Kraft hinter allen Eigenschaften und Wandlungen, machtvoll, geheimnisvoll, gestaltlos – und nur erfahrbar im Rauschen, im Plätschern, in Stille und Einsamkeit.


Expedition West- und Ostgrönland – Nordisches Erbe aus Eis und Fels

Datum: 12.09.2024 bis 01.10.2024 | 19 Tage
Schiff : HANSEATIC spirit
Reisenummer: SPI2414
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Expedition Südwestgrönland - Abenteuer zwischen Eis und Historie

Datum: 10.09.2024 bis 24.09.2024 | 14 Tage
Schiff : HANSEATIC nature
Reisenummer: NAT2420
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„Grönland ist für mich das schönste Land der Erde.“

 

Klarheit, Weite und Stille – für mich macht gerade dies die einzigartige Faszination der Arktis aus. Ein unfassbar intensives Licht umfängt uns, und eine seltsam weiche, klare Luft. Alles ist viel weiter weg als gedacht (auch die Problemchen zu Hause!), so als ob die Luft bei uns daheim im Vergleich eine dicke, trübe Masse wäre. Man atmet frei auf und fragt sich unwillkürlich, ob man sein bisheriges Leben eigentlich wie unter Milchglas verbracht hat? Norweger behaupten gerne selbstbewusst, wenn die USA „God’s own country“ ist, dann sei die norwegische Landschaft mindestens vom Heiligen Geist erschaffen. Grönländer lieben ihr Land auch, sind aber recht zurückhaltende und bescheidene Menschen. Und deshalb antworte ich jetzt einfach mal für sie: „Und Grönland löst alles ein, was die anderen versprechen!“


Dietmar Neitzke ist Ethnologe und spezialisiert auf die indianischen Kulturen Nord- und Südamerikas. Bereits während seines Studiums lebte er in Mexiko, um sein Wissen zu vertiefen. Seit vielen Jahren bereits begleitet er die Expeditionsreisen von Hapag-Lloyd Cruises in viele Gebiete, unter anderen an den Amazonas und in eine Region, die klimatisch im Gegensatz zu den Tropen steht, der aber seit einigen Jahren die Leidenschaft des Wissenschaftlers gehört (wie der Beitrag belegt): in die Arktis.

Fotos: Archiv

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