Neue Ziele in den chilenischen Fjorden: Kapitän Peter Rößler berichtet von einer Expedition mit unserer HANSEATIC inspiration
Erfahrung und Leidenschaft – Kapitän Peter Rößler liebt die chilenischen Fjorde. Seit Jahren navigiert er die HANSEATIC inspiration an besondere Orten in diesem Labyrinth aus Wasser und Fels. Seine Eindrücke hält er fest in handgezeichneten Skizzen und Karten. In unserem Blog berichtet er über die jüngste Expedition zu Gletschern, Wracks und Seeelefanten.


Unsere Reise beginnt nach dem Ablegen in Valparaíso mit Kurs nach Puerto Montt. Wir haben die Einladung erhalten zur Eröffnung des neuen Terminals. Es ist ein offizieller, aber auch emotionaler Termin: eine kurze Rede auf Spanisch, der Plakettenaustausch zwischen Schiff und Terminal, Handschläge. Wir kennen uns schon seit vielen Jahren. Ein Moment der Verbundenheit, des gegenseitigen Respekts, bevor die Expedition Fahrt aufnimmt.
Zwischen Fjord und Festland – Expedition pur
Für mich ist eine Reise in die chilenischen Fjorde mehr als eine Route, für mich ist es Fahrtgebiet und Herzenssache gleichermaßen. Zudem ergibt sich für mich als Kapitän viel Spielraum, neue Ziele zu erkunden. Im letzten Jahr waren wir damit schon erfolgreich und konnten Orte anlaufen, an denen wir mit unseren Schiffen noch nie waren. Für diese Reise hatte ich mir im Vorfeld bereits drei neue Ziele herausgesucht. Allein, solche Möglichkeiten zu haben, das ist für mich – Expedition pur!




Im Messier-Kanal liegt seit 1968 das Wrack der "Capitán Leonidas", das mit einer Ladung von Zucker in Säcken auf Grund gelaufen ist. Eigentlich hatte ich vor, dass wir das Wrack in Zodiacs umrunden. Doch starker Wind vereitelt die Idee. Und so bitte ich die Lotsen um Erlaubnis für Plan B: Langsam umrunden wir mit unserer HANSEATIC inspiration das Wrack in sicherem Abstand – während unsere Experten an Bord die Gäste mit viel Hintergrundwissen versorgen.
Geschichte und Gletscher – Zucker und Eis
Später geht für mich ein weiterer Wunsch in Erfüllung: Nachdem wir die Kirke Narrows bei Stauwasser früher passiert haben als geplant, bietet sich Gelegenheit für einen spontanen Besuch des Alsina-Gletschers. Den hatte ich im vergangenen Jahr in den Estero las Montanas entdeckt, ein System fantastischer Fjorde. Bisher war noch kein Schiff von uns hier. Wir feiern die Premiere bei bestem Wetter – mit einer Zodiacrundfahrt in gemessenem Abstand entlang der Abbruchkante.




Der südlichste Leuchtturm des südamerikanischen Kontinents steht am Cabo Isidro. Dieses neue Ziel habe ich im vergangenen Jahr ausgekundschaftet und wollte unseren Gästen einen Besuch ermöglichen. Die Bedingungen sind nicht ohne: Weil das Wasser vor dem San Isidro Lighthouse so tief ist, können wir nicht ankern. Zudem sind die Seekarten nicht sehr zuverlässig, wir können einige Untiefen erkennen. Also lassen wir das Schiff kontrolliert auf Position treiben. Nachdem wir die Landestelle am Leuchtturm erkundet haben, beginnen wir mit der Ausbootung. Wir wandern bis zum San Isidro Lighthouse, das auf einer kleinen Anhöhe steht – mit einem fantastischen Weitblick.
Leuchtturm, lebendige Wildnis – und ein Versprechen
In der Fortescue Bay wird Geschichte lebendig: Hier ging vor mehr als 500 Jahren Magellan an Land, hier fand die erste christliche Messe statt, und hier versorgte er sein Schiff mit einer lokalen Spezialität – Hering, eingelegt in wildem Sellerie. Das Wetter ist uns gewogen. Wir können bis zum neun Meter hohen Gedenk-Kreuz wandern. Ich halte eine kurze Rede auf Magellan, auf die Zeiten der Entdecker. Für mich ein sehr emotionaler Moment.
Zum Abschluss dieser eindrücklichen Expedition durch die Chilenischen Fjorde erfüllt sich für mich eine lange Suche. Seit Jahren halte ich Ausschau nach Seeelefanten. Bisher ergebnislos. Doch nun finden wir welche in der Jackson Bay. Die Bucht befindet sich in Privatbesitz, und wir können dort nicht anlanden. Aber wir dürfen in angemessener Entfernung in Zodiacs an den eindrucksvollen Tieren vorbeifahren. Die dösen am Strand und lassen sich von uns nicht stören. Es soll hier auch eine große Albatroskolonie geben und sogar vereinzelte Königspinguine. Doch obwohl ich die Bucht bis zu einer kleinen Flussmündung erkunde, kann ich keine weiteren Tiere entdecken.
Kein Problem. So bleiben noch Ziele für kommende Reisen. Und das ist ja der schönste Abschluss für eine ereignisreiche Expedition – dass man wiederkommen möchte. Für weitere unvergessliche Momente in den Chilenischen Fjorden. Ich freue mich drauf.
Kapitän Peter Rößler
Zwei Herzen schlagen in seiner Brust: Kapitän Peter Rößler steht sowohl auf der Brücke großer Container-Frachtschiffe im Linienverkehr zwischen Europa und Südamerika, und er erkundet mit unseren Expeditionsschiffen entlegene Ziele der Welt – in der Arktis und in der Antarktis, im Atlantik und in den Chilenischen Fjorden. In unserem Blog berichtet er immer wieder über diese Reisen, zu denen er handgezeichnete Skizzen anfertigt.


Text und Fotos: Kapitän Peter Rößler, Archiv


