Weltreise mit Stil: Symposium auf der EUROPA – global, liberal, digital

Mit MS EUROPA von Miami nach Dubai – in 141 Tagen von der Neuen in die Alte Welt: Panamakanal, Südsee, Osterinsel, Great Barrier Reef, Philippinen, Indien, Dubai. In den 20 Wochen berichten wir von Bord, führen Interviews, publizieren Nachrichten von unterwegs – Statusmeldungen einer sehnsüchtig machenden Reise. Die 3. Etappe der Weltreise führt von Valparaíso nach Tahiti. Im Interview: Günther von Lojewski, er wird ein Symposium an Bord leiten. "Global, liberal, digital. Die Informationsgesellschaft im 21. Jahrhundert"

Datum: 21.11.2014
Tags: #mseuropa #interview #symposiumaufsee #günthervonlojewski

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 Miami • La Guaira • Valparaiso • Papeete • Auckland • Sydney • Manila • Ho-Chi-Minh-Stadt • Rangun • Colombo • Dubai.

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Global, liberal, digital. Die Informationsgesellschaft im 21. Jahrhundert.” Das ist das Thema eines Symposiums auf der EUROPA während das Schiff die dritte Etappe seiner 141-tägigen Weltreise bestreitet – von Valparaíso nach Tahiti. Geleitet wird das Symposium von Günther von Lojewski. Der Journalist begann seine Karriere 1960 bei der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, war rund 12 Jahre Moderator des Politikmagazins “Report” und wurde 1989 Intendant beim Sender Freies Berlin. Der mediale Wandel ist sein Thema. Darüber diskutiert er an Bord mit dem Kommunikationswissenschaftler Professor Dr. Markus Behmer, mit Dr. Jan-Hinrik Schmidt, dem wissenschaftlichen Referenten für digitale Medien am Hans-Bredow-Institut, mit dem CSU-Politiker Dr. Otto Wiesheu und mit dem Online-Journalisten Kai Lange (ohne Foto). Im Interview mit dem PASSAGEN BLOG spricht von Lojewski über die Medien und das Internet, über das Programm an Bord und die Unterstützung durch seine zehn Enkel.

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Symposium_mit_Teilnehmern_EUR1424_02_e353dc1b33PASSAGEN BLOG: Herr von Lojewski, Sie sind ein erfahrener Journalist. Und doch dürfte auch Sie die Entwicklung der jüngsten Zeit überrascht haben. Wie skizzieren Sie die Lage der Medien?

Günther von Lojewski: Die großen Probleme im Journalismus sind vor allem Folgen der technischen Entwicklungen. Erst hat die Einführung der elektronischen Medien viel geändert und einen starken Konkurrenzkampf befördert zwischen Hörfunk- und Printmedien, privatem und öffentlich-rechtlichem Rundfunk. Dieser Konkurrenzkampf hatte unter anderem eine zunehmende Zuspitzung der Schlagzeilen zur Folge, mit denen hohe Auflagen, bzw. Einschaltquoten erreicht werden sollten. Dann haben die Online-Medien die Entwicklung noch einmal beschleunigt. Dies alles hat den Journalismus Nachhaltigkeit gekostet.

Der mediale Wandel scheint viele Traditionen auszuhebeln, die Zeitung verschwindet vom Frühstückstisch, das investigative Magazin verliert an Bedeutung, die abendliche Nachrichtensendung ebenfalls. Warum aber überrascht uns die Digitalisierung so nachhaltig?

Man hat das ja kommen sehen können. Man hätte von den Sozialwissenschaften erwarten dürfen, dass sie sich beizeiten gründlich mit den Folgen auseinander setzen. Aber das ist nicht geschehen. Die Geisteswissenschaften insgesamt haben sich diesem Thema zu lange verweigert.

Woran können Sie ablesen, dass das aber nötig gewesen wäre?

Im Internet kann heute jeder jeden informieren oder desinformieren. In den Familien kommt es immer weniger zum Gespräch, jeder starrt nur in sein Smartphone. Und im Netz dekouvrieren sich die Menschen einerseits bis zur totalen Entblößung selbst, verlangen andererseits aber, dass der Datenschutz ihnen Privatsphäre zusichert.

Die digitale Elite profitiert, die Generation Katzenvideo – so der Vorwurf – verblödet. Sehen Sie darin mehr als die typischen Klagen über die ungebildete Jugend?

Jede Generation vergoldet die eigene Vergangenheit, das stimmt. Doch wir haben nicht nur die Folgen der Digitalisierung unterschätzt, wir sind derzeit auch nicht in der Lage, sie zu steuern. In meinen Augen handelt es sich nicht nur um eine technologische Revolution, sondern auch um eine Reformation des Denkens. Soziale Netzwerker ebenso wie radikale Glaubenskrieger kämpfen um die Gehirne der Menschen. Wie weit das geht, zeigen spektakuläre Fälle wie der des Wetterfroschs Jörg Kachelmann oder der des früheren Bundespräsidenten Christian Wulff. Durch falsche Behauptungen und üble Nachrede wurde ein Mensch beinahe zerstört – er hat seinen Beruf verloren, Ehre und Ansehen, seine Ehefrau und einen nicht unerheblichen Teil seines Vermögens. Und nirgendwo einer, der dafür die Verantwortung übernommen, nirgendwo einer, der sich entschuldigt hätte.

Reformation bedeutet auch Erneuerung. Beobachten Sie bereits einen Wertewandel?

Ich meine, ja. Aber ich war mir nicht sicher und habe deshalb mit gescheiten Menschen gesprochen und sie gefragt: Erinnern Sie sich, ob es vor 20 Jahren auch üblich war, dass sich Frauen auszogen, fotografierten und diese Nacktbilder ins Internet gestellt haben? Die Antworten waren einhellig: nein. Das ist nur ein Beispiel von vielen. Die Werte unserer Gesellschaft haben sich nachhaltig verändert, das Netz hat das befördert. Und die Politik, das sehe ich als eines der wesentlichen Probleme, reagiert nur, kann nur reagieren. Wer aber nur reagiert, wird irgendwann zum Reaktionär.

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Wie werden Sie dieses spannende aber komplexe Thema auf das Schiff übertragen?

Ich will das so abbilden: Am Anfang gibt der Moderator eine Art Einführung, die übergeht in einen nostalgischen Rückblick auf seine Jahre bei der FAZ. Dagegen stellt dann – sehr konträr – ein einflussreicher Online-Journalist seinen Arbeitsalltag  heute dar. Beim nächsten Termin geht ein Kommunikationswissenschaftler der Frage nach, ob die Wissenschaft in der Lage ist, aus dieser Entwicklung Lehren für die Zukunft zu ziehen. Danach redet ein Politiker und Volljurist über mögliche Konsequenzen. Am vorletzten Tag stehen die ethisch-moralischen Fragen im Mittelpunkt. Und zum Schluss gibt es eine Plenumsdiskussion.

Klingt sehr spannend. Und wir wären gern dabei. Wie aber, so die letzte Frage, halten Sie bei der Entwicklung Schritt, sind Sie doch seit einigen Jahren bereits im Ruhestand?

Was die Technik betrifft, beherrsche ich zum einen die „Grundrechenarten“. Zum zweiten haben wir Kinder, die mir helfen. Und sollte das nicht genügen, informiere ich mich bei einem unserer zehn Enkel.

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Ein mythischer Ort, der einen ebenfalls Bedeutungswandel hinter sich hat: Auf der Robinson-Crusoe-Insel strandete Alexander Selkirk, der historische Robinson. Er empfand seine Jahre hier als Horror. Heute sehnen sich viele danach, nachhaltig auszusteigen

Weitere Informationen zu diesem Abschnitt der Weltreise mit der EUROPA finden Sie hier.

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