Expedition Marokko und Kapverden mit MS BREMEN: ein vulkanischer Tag auf Fogo

Expedition Marokko und Kapverden mit MS BREMEN: ein vulkanischer Tag auf Fogo. Selbst für den Geologen an Bord war diese Exkursion ein besonderes Erlebnis. Dr. Hajo Lauenstein über die Fahrt in einen aktiven Vulkan…

Datum: 08.11.2017
Tags: #expeditionen #msbremen #fogo
Pico de Fogo, Aschekegel und Aa Lava von 1995


von Dr. Hajo Lauenstein (Text und Bild)


Expedition Marokko und Kapverden mit MS BREMEN: Nur sehr wenige Kreuzfahrtschiffe besuchen Fogo, eine der neun bewohnten Kapverdischen Inseln. Doch jetzt legen die Zodiacs der MS BREMEN an der Ponta de Vale de Cavaleiros an – am Ufer der Feuerinsel – und bieten den Gästen ein sicherlich unvergessliches Erlebnis. Denn ganz Fogo ist ein gewaltiger, noch immer aktiver Vulkan.

Langsam und gemütlich schlängeln sich unsere Busse vom Strand aus an den Hängen des Vulkans in die Höhe. Der untere Teil der Insel ist ein vor etwa fünf Millionen Jahren aus der Tiefe des Meeres emporgestiegener Schildvulkan. Nach etwa einer halben Stunde wird die Straße steiler. Als Geländestufe deutlich sichtbar wird aus dem flachen Schildvulkan nun ein steiler Stratovulkan.

Wir sehen von unten hinauf zum Rand des Kraters. Kaum vorstellbar, dass ein Weg bis dort oben, und dann in den Krater hineinführen soll. Aber kurze Zeit später haben wir es geschafft – und vor uns breitet sich ein geradezu unbeschreibliches Panorama aus.


Flaches Schildvulkanstadium von Fogo

Innerer Calderarand mit Lavastrom, Aschekegel und kleinem Gebaude
Pahoehoe Lava vom Ausbruch 2015

Wir stehen am Rande einer riesigen Caldera mit einem Durchmesser von etwa zehn Kilometern und blicken auf die senkrecht, fast 1.000 Meter hoch aufragenden Steilwände des Einsturzkraters, aus Schichten von roter, brauner und schwarzer Asche und grauschwarzer Lava, durchzogen von einer schier unendlichen Anzahl stahlfarbener Dykes. Und mittendrin in der Caldera steht er – der Pico de Fogo.

Mit seinen 2.829 Metern Höhe erhebt er sich noch einmal mehr als 1.000 Meter aus der Caldera heraus. Bedenkt man dazu, dass der gesamte Vulkan in einer Meerestiefe von etwa 4000 Metern auf dem Ozeanboden aufsetzt, dann erreicht die Spitze des Vulkans eine Höhe von rund 7.000 Metern.

Im Jahr 1680 baute sich innerhalb kürzester Zeit der Pico de Fogo in der Caldera mit solch gewaltigen Lava und Feuerausbrüchen aus, dass die Insel den Seefahrern viele Jahre lang als schon in weiter Ferne erkennbarer natürlicher Leuchtturm diente. Bis heute ist der Vulkan aktiv. Wir können den Weg der beiden jüngsten Ausbrüche aus den Jahren 1995 und 2015 perfekt verfolgen.

Die Lavaströme von 1995 sind gelblich beige, die von 2015 pechschwarz. Die Lava dieser Ausbrüche ergoss sich aus mehreren Seitenkratern des Pico de Fogo in die Caldera hinein, brannte sich ihren Weg durch Kaffee-, Wein- und Gemüseplantagen und begrub mehrere Ortschaften unter sich. Wie durch ein Wunder kam dabei kein Mensch zu Schaden.


Zerstörtes Haus vom Ausbruch 2015
Zerstörtes Dorf von 2015
Das Ende der zweiten Adega

Die Adega, dritter Versuch


Auf seinem zerstörerischen Weg durch die Caldera hinterließ der Vulkan rote und graue Aschekegel, zu dicken Stricken zusammengeschobene Pahoehoe Lava, sowie lang gestreckte Mauern aus zackiger und scharfer Aa Lava. Über den von der Lava begrabenen Häusern des Ausbruchs von 2015, werden heute mitten auf dem vegetationslosen schwarzen Gestein bereits die ersten neuen Ansiedlungen erbaut.

Der Lavastrom aus dem Jahre 1995 zerstörte eine in der Caldera wunderschön angelegte Adega. Der Besitzer baute sein kleines Restaurant wieder auf, und zwar direkt auf dem Lavastrom von 1995, war er doch der Meinung, dass ein neuerer Lavastrom neben dem Alten und nicht auf dem Alten fließen würde. Leider falsch!

Der Lavastrom aus dem Jahre 2015 durchbrach die Hinterwand der gerade erbauten Restaurants, floss durch die gesamten Räume um an der Vorderwand wieder auszutreten. Aber die Menschen auf den Kapverden sind hart im Nehmen und so wurde die Adega ein drittes Mal aufgebaut. Diesmal direkt am inneren Rand der Caldera.

Hier probieren wir bei einem wunderbaren Mittagessen auch den fantastischen Wein, der an einigen Stellen im Vulkankrater wieder wächst. Und so endet ein unvergesslicher Ausflug der innerhalb weniger Stunden so ziemlich alles zu bieten hatte, was ein Vulkan eben zu bieten vermag. Außer, und das ist gut so, einen neuerlichen Ausbruch.


Schwarze Lavaströme von 2015

Aschefeld und Pico de Fogo



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