Expedition Zukunft: Der Verwirklicher. Henning BrauerProjektleiter Neubauten Hapag-Lloyd Cruises

HANSEATIC nature und HANSEATIC inspiration heißen die neuen Expeditionsschiffe für Hapag-Lloyd Cruises. Im PASSAGEN BLOG werden wir die Entstehung der Schiffe begleiten – einzelne Bauphasen, Einrichtungs-Details, Überführung, erste Tests und die Menschen hinter dem Projekt. Henning Brauer, Projektleiter Neubauten Hapag-Lloyd Cruises

Datum: 05.07.2017
Tags: #expeditionsschiffe #hapaglloydcruises #neubau #neueexpeditionsschiffe
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Sein Schreibtisch steht im 1. OG, in einem lichtdurchfluteten Büro. Es ist ein Ort zwischen Vision und Wirklichkeit. Denn nach der Entscheidung, mit einem neuen Kreuzfahrtschiff an den Markt zu gehen, muss man ständig prüfen, welche der ursprünglichen Ideen wie umgesetzt werden können, bzw. ob überhaupt. Ein Schiff ist ein Prototyp. Deshalb wird sehr gründlich geprüft. Karl J. Pojer, Vorsitzender der Geschäftsführung von Hapag-Lloyd Cruises, hatte gesagt: „Mit Träumen beginnt Realität.“ Und die Reise von der einen in die andere Welt führt durch die Büros des Neubau-Teams in der ersten Etage und über den Schreibtisch von Dr. Henning Brauer. Er ist der Gruppenleiter Neubauten von Hapag-Lloyd Cruises.


Während wir über Kissenbezüge diskutieren,
beginnt man in der Werft bereits mit dem Bau der Kabinen.


Als im Sommer 2016 – an einem sehr heißen Tag – in Hamburg die ca. 1.000-seitigen Vertragsgrundlagen zum Bau der neuen Expeditionsschiffe unterzeichnet wurden, waren darin bereits viele Fakten definiert, etwa die Außenmaße, die Anzahl der Decks, die Qualität des Stahls, die Farben, die Isolation. Doch mindestens genau so viele Details waren noch offen. Die Kapazitäten der Restaurants, die Spezifikation der Maschine, die Ausstattung der Suiten. Als der Vertrag unterzeichnet wurde, steckten bereits 15 Monate Planung im Projekt HANSEATIC nature und HANSEATIC inspiration. Und so sehr sich die Schiffe auf dem Papier schon weiter entwickelt hatten, so sehr war im Moment der Unterschrift allen Beteiligten klar – noch wissen wir im Detail nicht, wie genau die Schiffe aussehen werden.

Seit im Mai mit dem Beginn des Stahlschnitts der Bau der HANSEATIC nature gestartet wurde, manifestieren sich immer mehr Entscheidungen. Inzwischen sind alle Maße definiert. Alle Maße? Henning Brauer lächelt und korrigiert sich. „Nahezu alle Maße.“ Ein gutes Beispiel, diese zeitliche Verschränkung aller Prozesse zu erklären, seien die Suiten. Natürlich stehen die Eckdaten fest. Größe, Grundrisse der Räume, Fenstermaße, sogar der Standort des Bettes. Gleichzeitig befinden sich wesentliche Punkte noch in der Abstimmung. Teppichböden, Wandfarbe, Lampen… Die Wirklichkeit drängt. „Während wir hier noch über die Kissenbezüge diskutieren, wird in der Werft begonnen, die Kabinen zu bauen.“


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In diesen Monaten gleichen viele Büros von Hapag-Lloyd Cruises einem Bienenstock. Ständig kommen Einrichter, Gestalter und andere Dienstleister um Muster zu präsentieren. Immer sitzen irgendwo Gruppen und Teams zusammen, um Abnahmen vorzubereiten. Das Neubau-Team um Henning Brauer agiert dabei wie ein interner Dienstleister, holt Feedbacks ein, prüft, gibt Empfehlungen. Dank modernster Computer-Technik ist es möglich, 3D-Animationen zu erstellen, damit sich alle ein Bild machen können. Dabei geht es nicht nur um das Aussehen, auch um Praktikabilität, eine Suite sollte sich gut reinigen lassen. „Dennoch wird es passieren, dass wenn wir zum ersten Mal in der Mock Up-Kabine stehen, einem Muster im Maßstab 1 zu 1, so mancher sagen wird: `Das habe ich mir aber anders vorgestellt…´“

Dr. Henning Brauer schreckt das nicht. Der 39-jährige Schiffsbau-Ingenieur war Berater bei McKinsey und gehörte zur Projektgruppe EUROPA 2. Der Bau einer völlig neuen Schiffsgattung, eines Luxus-Kreuzfahrtschiffes modernen Zuschnitts, war eine echte Herausforderung. Inzwischen leitet Brauer ein fünfköpfiges Team. Es ist ein interdisziplinärer Think-Tank. Auch ein Hotel- und Catering-Experte gehört dazu, der als Küchenchef in einem Haus auf Sylt gearbeitet hat. Ein Team, das viel unterwegs ist, ständig werden die Werft-Standorte in Rumänien und Norwegen besucht. Immer wieder reist man zu wichtigen Zulieferern. Während in Hamburg die Mock Up-Kabine ausgestattet wird, holen die Mitarbeiter von Henning Brauer Angebote zur Hauptmaschine ein, zu den Propellern. Die Entscheidung über jeden Auftrag liegt bei der Geschäftsführung von Hapag-Lloyd Cruises, die Empfehlungen kommen vom Neubau-Team.


Wir müssen auch sehr spezielle Details entscheiden:
Womit kühlen wir die Winden des Bordkrans? Mit Öl oder Wasser?


Ein kleines Schiff ist nicht weniger komplex als ein großes. Ein Expeditionsschiff aber deutlich anspruchsvoller als ein klassisches Kreuzfahrtschiff. Da geht es nicht nur um Aspekte wie besondere Wendigkeit oder höchste Eisklasse. Auch um kopfzerbrechende Details: Wenn man nur acht Stunden Liegezeit in Ushuaia hat, muss das Schiff in dieser Zeit die Ladung für drei Wochen aufnehmen können. Wie schnell fährt also der Bord-Kran? Wie kühle ich die Winden, damit die diese Belastung aushalten? Mit Öl oder mit Wasser? Bis zu welchen Minusgraden ist letzteres überhaupt möglich? Was man heute entscheidet, wird ab dem Winter 2019 bei den Expeditionsreisen in die Antarktis die Arbeit der Seeleute nachhaltig beeinflussen. All das gehört dazu – zu diesem Job zwischen den Zeiten.

HANSEATIC nature und HANSEATIC inspiration werden über besondere Features verfügen. Keine Gimmicks, sondern erlebnisorientierte Details. Dazu gehören der Umlauf am Bug, auf dem man stehen und in die Weite schauen kann, die ausfahrbaren gläsernen Restaurant-Decks, von denen ungehindert der Blick in die Tiefe gehen wird. Diese Features sorgen für Aufmerksamkeit. Andere, wie das großzügige Passagier-Raumverhältnis dienen dafür, dass sich 400 Menschen – Crew-Mitglieder und Gäste – an Bord wohl fühlen. Und wieder weitere sorgen für einen zeitgemäßen Betrieb, etwa die Abgasreinigung oder die Wasseranlage. Es ist die Summe aller Teile, die den Erfolg ausmachen sollen. „Am Ende einer Reise“, so Henning Brauer, „bewerten uns die Gäste nach ihren Erlebnissen.“


In einem der nächsten Beiträge werden wir Isolde Susset portraitieren, Leiterin Produktmanagement Expedition Cruises. Und in einem weiteren das Neubau-Team rund um Henning Brauer präsentieren.


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Foto: Susanne Baade, Adrian Bruce/Cruise Vision, Bogdan Vasilescu/VARD, Text: Dirk Lehmann


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