Weltreise mit Stil: EUROPA vor Robinson-Crusoe-Island

Mit MS EUROPA von Miami nach Dubai – in 141 Tagen von der Neuen in die Alte Welt: Panamakanal, Südsee, Osterinsel, Great Barrier Reef, Philippinen, Indien, Dubai. In den 20 Wochen berichten wir von Bord, führen Interviews, publizieren Nachrichten von unterwegs. Statusmeldungen einer sehnsüchtig machenden Reise. Die EUROPA hat Robinson Crusoe Island erreicht. Im Gespräch mit dem PASSAGEN BLOG berichtet Kapitän Olaf Hartmann über sein Verhältnis zu dem Roman und darüber, warum er nicht zum Robinson taugt

Datum: 26.11.2014
Tags: #interview #mseuropa #danieldefoe #kapitänolafhartmann #alexanderselkirk

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 Miami • La Guaira • Valparaiso • Papeete • Auckland • Sydney • Manila • Ho-Chi-Minh-Stadt • Rangun • Colombo • Dubai.

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Phantasie und Wirklichkeit: Die EUROPA vor Robinsón Crusoe Island, die einst Isla Más a Tierra hieß, und auf der im Jahre 1704 der Matrose Alexander Selkirk ausgesetzt wurde. Daniel Defoe machte die Insel zum Schauplatz seines berühmten Romans – ließ seinen Helden gegen Kannibalen kämpfen und einen “Wilden” bekehren. Ein besonderer Ort

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Es ist noch dunkle Nacht als wir uns am Freitagmorgen der Robinson Crusoe Insel nähern. Nur die gelben Lichter aus den Häusern an der Cumberland Bucht sind untrüglicher Beweis für Zivilisation. In der kurzen Dämmerungsphase manövriert die EUROPA auf ihren Ankerplatz, das Morgenlicht erhellt das bergige Panorama der Insel. Das Rasseln unserer Ankerkette unterbricht die friedliche Stille; man möchte sich beinahe entschuldigen, dass man so laut und früh an die Haustür klopft.

Allerdings betreiben viele der Insulaner Fischfang in dem kalten Wasser des Humboldtstroms, das die Felsen umgibt. Und Fischer sind immer früh unterwegs, wie wir an den kleinen, seewärts strebenden Booten mit ihren tuckernden Motoren ausmachen können. Schon vor Tagen haben wir die Langusten bestellt, für die die Insel berühmt, hoffentlich gingen den Fischern genügend der Krustentiere in die Netze. Schnell haben die Behörden unser Schiff einklariert, und schon bald beginnen wir mit dem Ausbooten unserer Gäste.

Auf dem ruhiger werdenden Schiff hat Kapitän Hartmann nun Zeit für ein kurzes Interview.

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PASSAGEN BLOG: Haben Sie die Geschichte von Robinson Crusoe gelesen – und hat sie was mit Ihnen gemacht?

Kapitän Olaf Hartmann: Wie die meisten Jungs, die am Wasser aufgewachsen sind, habe ich das Buch von Daniel Defoe seinerzeit nicht aus der Hand legen können. Robinson Crusoe ist der Held, der genau das macht, wovon Halbwüchsige manchmal träumen: irgendwo in der weiten Welt das eigene Glück finden. Er ist ein sympathischer Abenteurer, der sich selbst bestimmen und ausprobieren möchte, und dem dies, dank vieler glücklicher Umstände und der Hilfe seines Freundes Freitag, erfolgreich gelingt.

Erinnern Sie sich an Ihre ersten Besuch auf Robinson Crusoe Island?

Im Frühjahr 1988 bin ich erstmalig auf der Insel gelandet, die etwa 300 Seemeilen vor der chilenischen Küste und in etwa auf der geographischen Breite von Valparaiso liegt. Im damaligen Fahrplan des Schiffes wurde der Name Juan Fernandez als Inselname angegeben, und ich lernte, dass es sich um einen kleinen Archipel mit drei Inseln handelt, der diesen Namen 1574 von seinem gleichlautenden spanischen Entdecker erhielt.

Am frühen Beginn des 18. Jahrhunderts lebte der schottische Seemann Alexander Selkirk mehr als vier Jahre allein auf der Hauptinsel Isla Más a Tierra, nachdem er sich mit seinem Kapitän zerstritten hatte. Selkirks Geschichte lieferte Daniel Defoe die Grundlage für seinen Roman. Selkirks Insel wurde dann 1970 in Isla Robinsón Crusoe umbenannt, eine andere Insel der Gruppe, fast 90 Meilen weiter westlich, erhielt den Namen Alexander Selkirk. Bei meiner ersten Anlandung auf der Robinson-Insel waren auch einige ältere Herren an Bord, die sich nach dem Wrack des dort 1915 versenkten Hilfskreuzers „Dresden“ erkundigten. Die Geschichte der Irrfahrt des kleinen Kriegsschiffes, das seinen Verfolgern schließlich nicht entkommen konnte, wird noch heute durch einen jüngst erneuerten Gedenkstein auf dem Inselfriedhof belegt. In der Cumberland Bucht, in der alle, die Insel besuchenden Schiffe normalerweise ankern, liegen auch die Überreste des Wracks der „Dresden“.

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Die Waffen der Vergangenheit: Ein Gedenkstein erinnert an den Hilfskreuzer “Dresden”, der vor der Robinsón-Crusoe-Insel versenkt wurde. Die Muskete mit der eingeschnitzten Jahreszahl 1705 im Kolben soll Alexander Selkirk gehört haben

Manche Orte stellt man sich anders vor, als sie in Wirklichkeit sind; erst recht literarische Orte. Wie hatten Sie sich die berühmte Insel vorgestellt?

Die Insel, die ich mit Robinson Crusoe verbunden habe, ist sicherlich auch durch die Filme bestimmt gewesen. Jedenfalls ist meine jugendliche Vorstellung eine romantisch-verklärte gewesen, in der viel mehr Sandstrand, Palmen und Südseeflair vorkamen. Dass es auf der Insel auch kalt und stürmisch, also wenig lieblich sein kann, passte nicht in mein Bild eines Paradieses. Die im Buch beschriebene heidnisch-kannibalische Kultur der Menschenopferung hat mir andererseits auch Angst gemacht und Zweifel an einer unbeschwerten Glückseligkeit auf der Insel aufkommen lassen.

Ist Robinson Crusoe Island eine seefahrerische Herausforderung?

Für ein gut ausgerüstetes Seeschiff ist die Inselgruppe Juan Fernandez leicht zu erreichen. Die EUROPA läuft dieses Ziel nur während der Sommermonate auf der Südhalbkugel an, in denen die Passatwinde moderat und die südliche Dünung allenfalls mäßig ist. Unser Ankerplatz in Cumberland Bay ist nach Norden hin offen und bietet optimalen Schutz gegen die vorherrschenden Wellen.

Was ist für die Gäste die Besonderheit an der Anlandung?

Es ist ein historischer Ort. Robinsón Crusoe ist nach wie vor ein Bestseller, das 1719 erschienene Buch hat Millionen Menschen ein Beispiel für Seefahrerromantik, Abenteuer und den Glauben an das eigene Glück vermittelt, das Leben in (selbstgewählter) Einsamkeit wird als „Robinsonade“ bezeichnet. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts hat der Bremer Patrizier Alfred von Rodt mit der Erschließung der Insel begonnen und war Mitbegründer der heutigen Siedlung San Juan Bautista. Die Geschichte des Kriegsschiffes „Dresden“ habe ich bereits angedeutet. Von herausragender Bedeutung sind die endemischen Pflanzen- und Tierspezies der Insel, die einen Vergleich mit den Galapagos Inseln nahe legen, es gibt hier mehr als 100 Orchideenarten und seltene Riesenfarne.

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Die EUROPA kreuzt auf Weltreise den Pazifik, dieses Boot kreuzt eine Blumenwiese auf Robinsón Crusoe Island 

Auf welcher der vielen Inseln, die Sie schon angelaufen sind, wären Sie gerne Robinson?

Für ein Leben als Eremit eigne ich mich vermutlich nicht; viel zu gerne bin ich mit Menschen zusammen, genieße das gute Gespräch und die Zweisamkeit. Zudem habe ich das Glück, dass mich mein Beruf ständig zu den schönsten Plätzen unserer Erde führt; das ist allemal ausreichend, um die Sehnsucht nach Freiheit und Abenteuer zu befriedigen. Demnach kann ich diese schwierige Frage nicht klar beantworten, obwohl ich sicherlich eine lange Liste traumhafter Inseln erstellen könnte. Müsste ich aber eine Wahl treffen, dann überwiegt am Ende vielleicht meine Heimatverbundenheit und meine Liebe zu den Friesischen Inseln – allen voran Helgoland. Dieses „Heilige Land“, wie es übersetzt heißt, ist allerdings schon sehr früh und vor der Zeit von Klaus Störtebecker besiedelt worden und möglicherweise waren ein paar meiner Vorfahren dabei…

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Ein mythischer Ort, der einen ebenfalls Bedeutungswandel hinter sich hat: Auf der Robinson-Crusoe-Insel strandete Alexander Selkirk, der historische Robinson. 


 

Weitere Informationen zur Weltreise mit der EUROPA finden Sie hier.

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