Philosophen der See: Kapitän Mark Behrend zum Thema "GELASSENHEIT"

Philosophen der See. Die "Kapitänsgespräche" sind eine neue Rubrik. In loser Folge wollen wir mit den Kapitänen von Hapag-Lloyd Kreuzfahrten über große Themen sprechen: Autorität, Verantwortung, Umwelt. Im zweiten Interview treffen wir auf Mark Behrend, den Kapitän der EUROPA. Vor einiger Zeit hat er turnusgemäß das Kommando wieder übernommen. Sein Thema: Gelassenheit

Datum: 15.03.2015
Tags: #mseuropa #kapitänsgespräche #philosophendersee #markbehrend

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Philosophen der See: Ihre Heimat ist das Meer, ihr Arbeitsplatz die Welt. Wir bitten Kapitäne zum Gespräch. Der zweite in unserer Serie ist Mark Behrend. Kurz nachdem er das Kommando der EUROPA übernommen hat, findet er Zeit für ein Interview


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PASSAGEN BLOG: Kapitän Behrend, seit Ende Januar haben Sie wieder das Kommando über die EUROPA. Welche der zuletzt angelaufenen Städte hat Sie besonders beeindruckt?

Mark Behrend: Ein Ziel, das mich sehr positiv überrascht hat, war Saigon. Den unverkennbaren Aufschwung, den das Land im historischen Mühlrad nicht immer friedlicher multinationaler Interessen erreicht hat, beeindruckte mich bei unserem Anlauf sehr. Der facettenreiche Aufschwung war nicht nur für Vietnam-Kenner mehr als ersichtlich. Das bedeutet aber auch, dass Fahrräder immer mehr von Motorrollern und Autos abgelöst werden. Die Pflanze eines bescheidenen Wohlstandes gedeiht langsam, aber kontinuierlich. Die Entwicklung des Hafens und des damit einhergehenden Schiffsverkehres überraschte mich persönlich.

Ganz so weit ist Yangon in Myanmar noch nicht. Der Besuch und die Ausführungen des Botschafters der Bundesrepublik Deutschland, Herrn Christian Weber-Lortsch, im Rahmen einer auch für die EUROPA-Gäste offenen Informationsveranstaltung, war mein persönlicher Höhepunkt.

Bald endet in Dubai die Weltreise der EUROPA, einige Passagiere waren die ganze Zeit über an Bord. Inwiefern unterscheiden sich die Gäste, die so lange mit gefahren sind, von anderen?

Es ist wie im „wahren Leben“: Es gibt keine hundertprozentigen Regeln und Zuordnungen. Die Motivation, sich auf solch eine Reise um die Welt zu begeben, ist so facettenreich wie die Menschen selber. Überraschend finde ich, dass es unter der Gruppe der Weltreisenden immer auch ein paar wenige „Un-Erfahrene“ gibt, die sich noch niemals überhaupt auf Kreuzfahrt begeben haben. Ich denke, ihr „Mut“ wurde auf dieser langen Reise nicht enttäuscht.


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Im Interview spricht ein Weltreise-Gast von der besonderen Ruhe während einer Langzeit-Reise. Was beobachten Sie den Teilnehmern?

Wenn es etwas Auffälliges unter diesen Weitgereisten gibt, dann ist es ihre Gelassenheit, die sie im Schiff ausstrahlen. Jeder hat sein eigenes Zeitmanagement gefunden. Es muss nicht mehr alles und jeder Ausflug mitgemacht werden, sie wirken sehr entspannt und genießen gezielt die Vielfalt der Destinationen, die Atmosphäre freier Zeit auf dem Schiff.

Werden die Gäste der Weltreise auf eine besondere Weise verabschiedet?

Ja! Anlässlich unseres Aufenthaltes in Cochin, Indien, werden die Weltreisenden zu einem Essen in einem Luxus-Restaurant an Land durch unsere Leiterin Produktmanagement Frau Gabi Haupt eingeladen. Begleitet wird die Gruppe an diesem gemeinsamen Abend in persönlicher Atmosphäre von der Führungsmannschaft der EUROPA.

Welche Tipps können Sie geben für die Wiedereingliederung in das normale Leben nach so einer langen Zeit EUROPA?

Ich bin mir sicher, dass die Eingliederung wieder schnell gelingen wird. Im ersten Moment wird man die noch großen klimatischen Unterschiede wahrnehmen. Aber spätestens am ersten Morgen im eigenen Bett, wird man spüren, dass der liebgewonnene tägliche Rhythmus ein anderer ist. Man wird sich um vieles einfach ein Stück mehr selber kümmern müssen – wie auch zuvor. Aber spätestens Freunde und Familie werden aus erster Quelle und unmittelbar wissen wollen, „ wie es denn so war“. Und schon ist man in Gedanken wieder auf Zeitreise auf den Schiffsplanken der EUROPA. Ich denke, der beste Tip zur Wiedereingliederung ist, die Gedanken und Träume gar nicht aus den Koffern auszupacken, sondern mit dem Katalog unterm Arm einfach auf eine nächste Reise zu schicken.


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Bis wann werden Sie an Bord sein?

Ich werde noch eine Weile über die Weltreise hinaus im Einsatz als Kapitän an Bord sein. Nach Reisen durch das östliche Mittelmeer, Ägais, Schwarze Meer und die Adria, wird mein Einsatz am 10. Mai in Venedig enden.

Wie verbringen Sie Ihren Urlaub nach einer langen, anstrengenden Zeit auf See – eher ruhig und ausruhend oder reisen Sie viel?

Sicherlich werde ich nach meinem Einsatz an Bord auch selber etwas Ruhe genießen. Aber viele Dinge, die ich aus dem Besuch unterschiedlichster Reiseziele und Begegnung mit Menschen erfahren habe, möchte ich gerne auch privat aufnehmen und fortführen. Die anregende Kraft aus diesen Momenten möchte ich nicht ungenutzt lassen, sondern in die Zeit und das Leben an Land mit herübernehmen. Für Reisen im klassischen Sinne wird dafür kaum Gelegenheit bleiben. Dennoch werde ich auch in der Zeit bis zum nächsten Bordeinsatz viel unterwegs sein.


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Mann mit Weitsicht und gutem Blick: Mark Behrend ist auch ein leidenschaftlicher Fotograf – die Aufnahme der beiden Delfine, die das Schiff begleiten, hat er in der Südsee gemacht

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