Expedition Nordostpassage: Ort des Schicksals – Nowaja Semlja

Mit der HANSEATIC eine Weltpremiere erleben: Als erstes nicht-russisches Passagierschiff wird sie die Nordostpassage befahren – den legendären Seeweg zwischen Beringmeer und Barentssee. Es ist eines der großen Abenteuer der Seefahrt. Im PASSAGEN BLOG begleiten wir die Reise mit Hintergrundinformationen und aktuellen Berichten von Bord. Über Nowaja Semlja, auf den Inseln starb der Entdecker Willem Barents

Datum: 02.09.2014
Tags: #mshanseatic #willembarents

Abenteuer Nordostpassage Grafik neu

Die Nordostpassage – der sagenumwobene Seeweg durch das Nordpolarmeer. Viele Entdecker haben danach gesucht, die erste Durchfahrung dauerte mehr als ein Jahr. Die HANSEATIC wird Neuland entdecken auf ihrer Expeditionsreise von Alaska nach Norwegen. Für den PASSAGEN BLOG berichtete ein Team von der Weltpremiere. Doch das Schiff fuhr Tage außerhalb der Reichweite der Kommunikationssatelliten. Wir publizieren die noch fehlenden und sehr schönen Stücke von Bord nachträglich

Landestelle_im_Zhuravlov_Golf BN SPITZENBERGER (Large)
BU (©Hajo Spitzenberger)

von Hajo Spitzenberger (Text und Bild)

 

Meldung von der Brücke +++ Datum: Montag, 01. September 2014, 1200 Uhr +++ Position: 76°59‘ Nord, 066°54‘ Ost +++ Ort: westlich der Insel Nowaja Semlja +++ Himmel: bedeckt, regnerisch +++ Lufttemperatur: 2 Grad +++ Wassertemperatur: 2 Grad +++ Wind: Nord 3 Beaufort +++ Wellenhöhe: 1 bis 1,5 Meter +++ Eis: kein Eis +++ Besonderheiten: .

 

Am Morgen des vierten Tages bei den Severnaja Semlja waren wir an der  Westküste der Komsomolets-Insel angekommen. Das erste Ziel war der Zhuravlov-Golf, ein tief in die Insel eingeschnittener Fjord, auf der einen Seite von der hocharktischen Wüste der Kosareva-Halbinsel, auf der anderen Seite vom Eis des Akademik-Gletschers eingerahmt. Anfang der 1990er Jahre hatte ich die Gelegenheit den Fjord mit einem Hubschrauber zu besuchen, erinnerte mich an die grandiose Landschaft und wollte nun einen weiteren Versuch starten mit der Hanseatic dorthin zu gelangen. Aber mit einem Hubschrauber zu landen oder mit einem Schiff in solche Gegenden vorzudringen sind zwei Paar Schuhe. Mit dem Schiff ist dort sicher noch nie jemand vor uns gewesen, so dass wir uns viel Zeit mit der Erkundung lassen mussten. Nach etwa einer Stunde hatten wir auf der Westseite des Fjordes eine geeignete Landestelle gefunden. Kurze Zeit später kamen unsere Gäste an Land und konnten bei strahlendem Sonnenschein von den Schnee bedeckten Hügeln der Halbinsel den atemberaubenden Anblick des Akademik-Gletschers auf der anderen Seite des Fjordes genießen, der den größten Teil der Komsomolets-Insel bedeckt.

Elfenbeinmöwe_2 BN SPITZENBERGER

Das nächste Etappenziel dieses Tages war die Schmidt-Insel, eine fast völlig von einem Schildgletscher bedeckte Insel westlich der Komsomolets-Insel. Nur ein winziger Teil im Norden der Insel ist eisfrei und lässt Anlandungen zu. Mit dem Scoutboot war auch schnell eine geeignete Stelle gefunden, doch in der Nähe schien ein Eisbär nur auf uns gewartet zu haben, denn er kam langsam aber stetig auf die Landestelle zu. Es war ein großes, etwa 4 – 5 Jahre altes Männchen, das offensichtlich den Absprung auf das Packeis verpasst hatte und nun auf der Insel gestrandet war. In aller gebotenen Eile wurde eine andere, weiter entfernt gelegene Landestelle gesucht und gefunden. Der Eisbär war zwar immer noch in Fernglas-Sichtweite, es trennten uns aber doch mindestens drei Kilometer von ihm. Trotzdem wurden Vorsichtsmaßnahmen getroffen, um nicht von dem mit Sicherheit sehr hungrigen Tier überrascht zu werden. Die Wachposten wurden verstärkt, der Aktionsradius der Gäste an Land begrenzt und alle Aktionen des Bären ständig beobachtet. Der näherte sich im Verlauf der Anlandung auch ständig der Landestelle, blieb aber doch so weit entfernt, dass die Gäste nicht mit den bereit stehenden Zodiacs evakuiert werden mussten. So blieb ausreichend Zeit, um die vielen Elfenbeinmöwen zu beobachten, die auf diesem kleinen eisfreien Flecken der Insel eine Brutkolonie haben und den Blick auf den etwa 400 Quadratkilometer großen Gletscher zu genießen.

Die Bilanz am Ende dieses Tages hieß: Wir waren als Erste mit dem Schiff im Zhuravlov-Golf und sicher auch das erste Expeditionskreuzfahrtschiff auf der Schmidt-Insel.

 

Hanseatic_mit_Akademik_Gletscher_im_Hintergrund BN SPITZENBERGER (Large)

BU (©Hajo Spitzenberger)

Sie interessieren sich für die ganze Geschichte? Alle Einzelberichte zur Premierenreise der HANSEATIC durch die Nordostpassage finden Sie gesammelt hier.


 

Dr. Christine Reinke-Kunze, ExpertinDr. Christine Reinke-Kunze. Die Journalistin, Autorin und promovierte Publizistikwissenschaftlerin hat für zahlreiche Rundfunksendungen alle Kontinente bereist. Dabei stellte sich ihre Vorliebe für die Polarregionen heraus. Ihre Erlebnisse hat sie in mehr als 20  Büchern verarbeitet. In den vergangenen Jahren wurden zudem Russland, China und die Mongolei weitere Schwerpunkte ihrer Arbeit. Sie begleitet MS HANSEATIC und MS BREMEN seit deren Indienststellung.

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