Brush Up für die schönste Yacht: der Architekt der EUROPA

Brush Up für die schönste Yacht: der Architekt der EUROPA. Innenarchitekt Jochen Hagen verantwortet die Verschönerung des Fünf-Sterne-plus-Schiffes im Dock 11 von Blohm + Voss in Hamburg. Und er zeigt im PASSAGEN BLOG, worauf sich die Gäste freuen dürfen

Datum: 04.10.2015
Tags: #mseuropa
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Cubic3_EUROPA©SBaade-21
EUROPA_Hagen©SBaade-1
Cubic3_EUROPA©SBaade-11

Ein langer Flur, vielleicht 20 Meter, rechts eine Fensterreihe, links ein fast über die gesamte Länge reichendes Sideboard. Es ist vollgestopft mit Mustern und Lookbooks für Teppiche, Tapeten, Lampen, Schalter, Armaturen, Farben. Rollen mit Entwurfszeichnungen liegen darauf. Bilder von Schiffen hängen an der Wand. Und an all dem vorbei führt uns nun ein Mann in einem coolen, auberginefarbenen Pulli in den Besprechungsraum. Jochen Hagen, langes Haar, grau-melierter Bart, ruhiger Blick, ist einer der Partner von „Cubik3 Innenarchitektur“. Das 14-köpfige Team, das in einer großen Etage im Hamburger Stadtteil Altona residiert, ist auf den Ausbau von Schiffen spezialisiert. Cubik3 gilt als einer der besten Innenarchitekten in diesem Markt. Jochen Hagen ist der Architekt der EUROPA. Er zeigt uns seine Entwürfe für den, wie er sagt, „Brush Up.

Während auf der EUROPA bereits die Werftarbeiter die Beplankung einiger Decks aufnehmen und die ersten Bäder ausgebauen, während Kräne Baumaterial an Bord bringen und sich vor der Rezeption statt Trolleys die Werkzeugkoffer stauen, werfen wir mit Hagen einen Blick in die Zukunft. Was wird in zwei Wochen anders sein auf dem Luxus-Schiff? Welche Bereiche werden neu gestaltet? Jochen Hagen, der bereits für die Umbauten im Jahr 2013 verantwortlich war und auch für die erste Werftzeit der EUROPA 2 im Mai 2015, hat bereits vor anderthalb Jahren damit begonnen, sich mit dem Brush Up für die EUROPA zu befassen.


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Was sind eigentlich die größten Herausforderungen für so eine Werftzeit?

Der begrenzte Platz und der enge Zeitrahmen. Während man ein Hotel an Land im laufenden Betrieb renovieren kann, etwa indem man Etage für Etage vorgeht, bleibt für ein Schiff nur die Werftzeit. Im Fall der EUROPA: 14 Tage, in denen alles an Bord passieren muss. Das setzt eine enorm aufwändige Koordination voraus, alle Gewerke müssen sich abstimmen, jeder muss das ihm zugewiesene Zeitfenster genau einhalten. Verzögerungen an einer Stelle beeinträchtigen den gesamten Ablauf.

Das heißt: Zur Zeit schlafen Sie eher mäßig gut?

Wir haben zwar die Bauleitung für den gesamten Innenausbau inne. Aber wir haben auch viel Erfahrung. Wenn nicht wirklich völlig unvorhergesehene Dinge eintreten, sollte alles klappen.

Was wäre unvorhersehbar?

Wenn sich etwa eine Leckage zeigt und dann plötzlich Arbeiten erforderlich sein sollten, für die der ohnehin eingeplante Zeitpuffer nicht reicht.

Das wäre ein worst case-Szenario. Welche aber sind die „normalen“ Herausforderungen für den Innenarchitekten auf einem Schiff im Vergleich zum Hotel?

Nehmen wir die Rezeption. In einem Hotel ist die meist Teil einer großzügigen, repräsentativen Halle, oft gehört auch eine Bar dazu, ein Restaurant oder Café. Auf einem Kreuzfahrtschiff gibt es noch eine funktionale Ebene, die gesamte so genannte Embarkation, wenn sich die Gäste hier für die Landausflüge treffen, bzw. von den Landausflügen zurück kommen. Dadurch entsteht eine Betriebsamkeit, die bei der Gestaltung berücksichtigt werden. Zudem gibt es hohe Anforderungen an den Brandschutz und die Fluchtwege. Ständig müssen operative und produktbezogene Überlegungen abgewogen werden.

Welche Umbauten verantworten Sie?

Wir werden alle Bäder renovieren, es gibt in vielen Bereichen neue Teppiche, neue Böden, neue Tapeten, neue Möbel. Das „Europa“-Restaurant wird umgestaltet, wir überarbeiten den Buffet-Bereich im „Lido“, und wir erneuern die „Clipper-Lounge“, sie bekommt sogar ein neuen Namen. Es ist ein recht umfangreiches Programm und doch eine sorgsame Erneuerung des aktuellen Stils, wir nennen es ein „modern angehauchtes Jugendstil-Thema“.

Wo, bitte, kauft man Inneneinrichtung und Möbel für ein Kreuzfahrtschiff?

Wir arbeiten fast nur mit Unikaten, die Teppiche werden eigens gewebt, die Kronleuchter im Hauptrestaurant in Handarbeit gefertigt, viele Möbel extra für die EUROPA hergestellt. Stoffe, Hölzer, Oberflächen sind von hoher Qualität um dem Luxus-Anspruch gerecht zu werden.


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Jetzt holt Jochen Hagen, der Architekt der EUROPA, einige Kisten und daraus Schachteln und Zeichnungen hervor, Papiere und Muster. Er zeigt uns seine Pläne für die neue Clipper-Lounge, die wahrlich Lust machen auf eine Bar im Manhattan-Style der amerikanischen Moderne. Wir sehen die aufwändigen Präge-Tapeten mit ihrer feinen Zeichnung, den großflächig gewebten Teppich, und wir berühren die zarten Stoff-Blütenkelche, aus denen der neue Kronleuchter für das Europa-Restaurant besteht.

Wir entdecken in einer der Schachteln auch Schalter und Lampen. Moderne LED-Leuchten, in einem geschwungenen, leicht sandfarbenen Korpus. Jochen Hagen sagt, dass die Lampen sogar funktionieren würden. Er knipst eine an. Ein goldfarbener, warmer Ton breitet sich aus. Und mit einem Mal können wir verstehen, was der Innenarchitekt damit meint, wenn er sagt, dass er dem Schiff eine neue Eleganz geben wolle, dass die EUROPA aber auch ihre Patina behalten solle. Denn die gehört zur Seele eines jeden Grand Hotels. Wir freuen uns schon jetzt darauf, das Grand Hotel auf See nach der Werftzeit zu sehen.

Doch vorab vereinbaren wir noch einen Termin für einen Besuch der MS EUROPA in der Werft.


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Text: Dirk Lehmann, Fotos: Susanne Baade

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