Mythos Transatlantik: Die große Fahrt. Hello New York!

Datum: 12.12.2014
Tags: #bermudas

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Mythos Transatlantik. Mit der EUROPA 2 nach New York. Wir berichten von Bord – über die Abfahrt aus dem Hafen von Funchal und die Vorfreude auf New York, über die Angebote an Bord und über das Glück der Seetage…

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Der goldene Westen: Für die Passage über den Atlantik gibt es nur eine Richtung – geradeaus

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von Dirk Lehmann (Text) und Susanne Baade (Fotos)

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IM RHYTHMUS DES NORDATLANTIKS. Schien gestern noch die Sonne, und wir Gäste der EUROPA 2 ließen uns bei mehr als 20 Grad auf den Sonnendecks die Gesichter röten, weckt uns heute ein seltsames Zischen: Es ist der Regen, der auf das Wasser seiht. Selbst schlechtes Wetter hat auf dem Meer eine eigene Poesie.

Und das Wetter schenkt einem Zeit für sich: Mentaltrainerin Gisela Leinberger hält einen Vortrag mit dem Thema „Die anderen und ich“, im Auditorium ist kein Platz mehr frei. Sterne-Koch Alexandro Pape lädt zum „Kochkurs Pasta“, weil so viele mit ihm Tortellini machen wollen, werden Zusatztermine angeboten. Und beim Essen im Restaurant „Elements“ grübeln zwei Frauen: Machen wir den Kunstspaziergang oder doch besser „Bauch, Beine, Po“?

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Von Steuer- nach Backbord: Nach dem Guss kommt die Sonne raus – und ein Regenbogen nur für EUROPA 2

Noch 967 Seemeilen bis zur Inselgruppe der Bermudas. Der nächst gelegene Punkt auf dem Festland ist sogar 1150 Seemeilen entfernt. Am Nachmittag wird das Wetter wieder besser. Die Sonne kommt raus. Kapitän Ulf Wolter sagt in seiner Bordansprache, dass die EUROPA 2 in das Hochdruckgebiet „Vincent“ hinein führe. Und er schließt mit den Worten: „We are sailing in the rhythm of the Northern Atlantic Ocean.“

WIR SIND NICHT MEHR ALLEIN. Sechster und (leider) letzter Seetag. Und beim Blick über den Atlantik eine Premiere: Zum ersten Mal seit unserer Abfahrt in Funchal sehen wir am Horizont ein anderes Schiff – ein Frachter kreuzt im Heck den Kurs der EUROPA 2. Ein ungewohntes Bild auf dieser Reise.

Heute wurde erneut eine Sicherheitsübung durchgeführt, „Feuer auf Deck 5“. Crewmitglieder in Rettungswesten befolgen die Anweisungen der Lautsprecherdurchsagen. Manche der Künstler an Bord spielen Passagiere und werden „gerettet“. Die „echten“ Passagiere relaxen an Deck. Die Übung gehört zu den Vorbereitungen für die Einfahrt in amerikanische Hoheitsgewässer. Die US-Behörden haben strenge Auflagen. Die Crew wirkt konzentriert. An der Rezeption hingegen sorgt man für gute Laune – mit Weihnachtsdeko im Haar.

Von Weihnachtswetter keine Spur. 23 Grad warm ist die Luft, 26 Grad das Wasser. Kapitän Ulf Wolter sagt, es bleibt so. Ein leichter Wind schiebt die EUROPA 2 lässig auf die Bermudas zu. Von den vier Maschinen, die die Energie für den Antrieb erzeugen, sind zwei abgeschaltet. Mit knapp 13 Knoten geht es nach Hamilton, wo wir morgen um 6 Uhr den Lotsen an Bord nehmen. Der Kapitän sagt: „We are still looking for whales.“ Wer einen Blas sieht, möge das der Brücke melden… Noch 248 Seemeilen.

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Short-Visit im Land der Shorts: Die EUROPA 2 macht einen Zwischenstopp auf den Bermudas

FESTGEMACHT. Um 6 Uhr kamen sie an Bord. Zwei Lotsen stehen auf der Brücke und führen die EUROPA 2 zum Dockyard Terminal von Hamilton. In langsamer Fahrt geht es entlang der noch ruhig da liegenden Insel mit ihren bunten Häusern. Die Lotsen sind gut gelaunt erzählen vom nicht ganz günstigen Leben auf den Bermudas, und dass sie doch nie (!) woanders würden leben wollen. Dann nimmt Kapitän Ulf Wolter das Steuer selbst in die Hand. Von der Nock aus, so heißt der Balkon der Brücke, legt er das Schiff ganz sacht an die Kaimauer. Sein lachender Kommentar auf die Frage, warum er das macht: „Die Beulen fahre ich lieber selbst.“ Gibt natürlich gar keine Beule. Nach einem kleinen Frühstück gehen wir an Land und fahren mit dem Bus Nummer 7 über die Insel. Bermuda! Wow. Fühlt sich fremd an, festen Boden unter den Füßen zu haben.

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Badespaß im Spätherbst: Die Luft ist warm, das Wasser auch. Und zufällig schwimmt ein Fisch vor die Kamera

SAND UND SEIDE. Der Horseshoe Bay auf den Bermudas gilt als einer der schönsten Strände des Archipels. Und nach so vielen Tagen auf dem Meer ist es für viele Gäste eine Wohltat, an dieser champagnerfarbenen Sandbucht ins Meer zu steigen. Das Wasser ist 26 Grad warm, die Luft sogar noch ein wenig wärmer. Wir probieren unser neues Unterwasser-Gehäuse für die Kamera aus. Doch das Meer ist recht trübe. Ein paar Papageienfische schwimmen träge durch die Bucht (und immer weg, sobald wir die Kamera auf sie richten), Papageienvögel krächzen in den Bäumen. Ein Tag wie Samt und Seide.

Mit der Buslinie 7 rumpeln wir über die schmale Inselstraße nach Hamilton, schlendern durch die kleine Hauptstadt mit ihren grünen Parks, den bunten Häusern und der kitschigen Weihnachtsdeko. Wir sitzen im T-Shirt im Park, trinken einen Eistee und sehen auf einen farbenfroh geschmückten Weihnachtsbaum. Crazy, man weiß, dass es hier wärmer ist als in Deutschland. Dennoch überrascht so eine „sommerliche“ Weihnachtstanne. Später bringt uns die Fähre zurück zum Schiff. Weiß und strahlend liegt die EUROPA 2 im tiefblauen Wasser – eine elegante Erscheinung.

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Weihnachtsbaum im Sonnenschein, die Crew in kurzärmeligen Hemden mit Winkehand für Bermuda

Am Nachmittag lässt Kapitän Ulf Wolter die Leinen lösen und per Typhon den Abschiedsgruß erklingen, drei lange Töne. Frank Neumann, der gut gelaunte Hotelmanager, nimmt die Winkehand, und auf der Brücke lächeln Kapitän und Chief Officer Alesksandar Sokacic kurz in die Kameras. Dann zeigen sie sich wieder ganz konzentriert. Es ist der Auftakt zur letzten Etappe dieser wundervollen Transatlantik-Reise. Und das Meer hat den matten Glanz von Seide. New York, wir kommen.

GOOD MORNING AMERICA. Gestern Abend steuerte die EUROPA 2 auf eine dunkle Unwetterfront zu. Der Wind frischte auf, es begann zu regnen, die Temperatur fiel um mehr als zehn Grad. Und manche Gäste sorgten sich schon, dass die letzten Seemeilen der Transatlantik-Reise noch zur Tortur werden würden. Es regnete zwar, das Schiff tauchte auch ein wenig ein in die Wellen. Doch es baute sich keine See auf, schnell beruhigte sich das Wetter wieder. Es wurde eine ruhige Nacht.

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Temperatursturz: Am Abend fahren wir in eine dunkle Wolke – und am nächsten Morgen ist es 20 Grad kälter

Heute Morgen ist der Himmel blau, die Sonne steht noch tief hinter uns über dem Wasser. Und in langsamer Fahrt (12 Knoten) geht es auf New York zu. Gleich kommt der Lotse an Bord. Und dann fährt die EUROPA 2 zum ersten Mal in die Stadt ein. Wenn man ganz genau hinsieht, erkennt man am Horizont die Skyline von Manhattan. Gleich werden alle dick eingepackt auf den Decks stehen – und die Speicherkarten zum Glühen bringen.

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Annäherung: Vor uns die Welt-Metropole mit ihrer neuen Skyline und die Hamburg-Flagge am Bug der EUROPA 2

THE EAGLE HAS LANDED, sagt lachend Chief Mate Aleskandar Sokacic. Soeben hat Kapitän Ulf Wolter die EUROPA 2 eingeparkt. Ein spannendes Manöver: Rückwärts schiebt sich das Schiff Meter um Meter an den Pier 90. Drei Lotsen geben die Kommandos. Die Nautiker kommunizieren per Walkie-Talkie, lassen sich Abstände durchgeben, die Strömungsgeschwindigkeit, Richtungsanweisungen, Tempo. Und dann endet eine besondere Seereise mit dem Festmachen in New York.

Mit einem Schiff in eine Stadt zu kommen ist immer etwas besonderes – wenn sich erst die Skyline am Horizont abzeichnet, dann die Konturen immer schärfer werden, bis man diese Dichte spürt. Mit einem Schiff nach New York einzufahren, hat noch mehr von dieser Energie: Freiheitsstatue, Ellis Island, World Trade Center One, die im Sonnenlicht glitzernden Spitzen der Art-Deco-Hochhäuser, Helikopter, das Jaulen der Polizeiwagen. Gänsehaut-Momente zum Abschluss der Premierenfahrt der EUROPA 2.

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Drei Lotsen kommen an Bord: Zwei leiten das Schiff über den Hudson, einer dirigiert das Einpark-Manöver

Kalt ist es auch. Das Thermometer zeigt rund 20 Grad weniger als gestern auf den Bermudas. Aber die Sonne scheint. Und auch wenn einem der Wind die Kälte in die Glieder presst, stehen alle Passagiere an Deck, beobachten das Anlegen, und man spürt die Vorfreude auf die Metropole. Es mischt sich aber auch Wehmut in die Euphorie, das Ende der Reise naht. Noch zwei Tage liegt die EUROPA 2 im Hafen von Manhattan – ein temporäres Top-Luxus-Hotel in allerbester City-Lage. Von kaum einem anderen hat man so einen großartigen Blick auf den Big Apple.

START SPREADING THE NEWS, we are leaving today… Goodbye New York! Wir hatten eine großartige Zeit im Big Apple: Wir haben das Museum of Modern Art besucht, bevor es für die Allgemeinheit geöffnet wurde (inklusive der Sonderausstellung der Scherenschnitte von Henri Matisse), wir haben vom Top of the Rocks – der Aussichtsplattform des Rockefellercenters – auf die Stadt geschaut, wir waren zum Shopping in Soho und standen ergriffen am 9-11-Memorial.

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Euphorie und Mitgefühl: Erhebende Blicke und einer der ergreifenden Pools des 9-11-Memorials

Und wir kehrten müde zurück in unser Hotel am Hafen (das Bild mit der nächtlichen Skyline im Hintergrund entstand auf Deck 10), mitten in der Stadt, in der man zwar auch schläft, die aber immer laut ist, Krach macht, vibriert und wach zu sein scheint. Ein toller Abschluss der Transatlantik-Reise mit EUROPA 2. Wir checken aus, für uns geht es nach Hause. Das Schiff beginnt seine nächste Kreuzfahrt, aus der Kälte New Yorks geht es in die Wärme der Karibik und weiter nach Florida. Und da haben dann die Gäste nicht mehr Frank Sinatras Hymne auf Manhattan im Ohr, sondern den coolen Sound von Will Smith: „Welcome to Miami…“

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Sonnenreflexe und Leuchtreklamen: Der Times Square ist New Yorks Epizentrum der Betriebsamkeit und Hektik


 

Hier finden Sie weitere Reisen mit der EUROPA 2 nach New York. Hier finden Sie den Link zum Auftaktstück zur Atlantik-Überquerung der EUROPA 2. Und hier geht es zum ersten Teil der Reise-Reportage über die erste Transatlantik-Fahrt der EUROPA 2.

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