Erneute Premiere in der Antarktis mit der MS BREMEN: Besuch auf Snow Hill Island

Seit 12 Jahren träumt Geologe und Lektor Hajo Lauenstein davon, einmal den Fuß auf Snow Hill Island zu setzen. Jetzt wird dieser Traum auf einer Reise mit der BREMEN wahr.

Datum: 24.01.2019
Tags: #msbremen

von Text und Fotos Dr. Hajo Lauenstein

Bereits auf der Weihnachtsreise der BREMEN hatten wir das unglaubliche Glück, dass es die Eissituation im Wedellmeer zuließ, Snow Hill Island zu umrunden. Bei strahlendem Sonnenschein konnten wir die Kaiserpinguin-Kolonie sehen. Als Experte für Geologie und Geschichte der Antarktis hoffe ich seit 12 Jahren darauf, einmal auf Snow Hill Island an Land gehen zu können. Einmal der Hütte der schwedischen Expedition von Otto Nordenskjöld einen Besuch abzustatten – um die dort gesammelten Fossilien einmal „live“ zu sehen. Seit 12 Jahren hat die Weddellsee immer wieder das Eis so weit nach Norden vorgeschoben, dass eine Anlandung nie möglich war. Doch nun wird für mich ein Traum wahr.

Die Eislage ist perfekt, am Morgen aber schlägt das Wetter um

 

Die Eissituation erlaubt es, zum zweiten Mal hintereinander Snow Hill Island anzusteuern. Doch in den frühen Morgenstunden kommt der Wetter-Umschwung. Ein Sturm mit Böen von bis zu sieben Windstärken, waagerechter Schneefall und heftiger Seegang lassen eine Anlandung aussichtslos erscheinen. Dann bessert sich die Lage, zumindest ein wenig. Ein Scout-Boot wird ausgesandt, um die Bedingungen zu sondieren. Der erste Offizier meldet: „Raue See, schwierige Bedingungen am Side Gate, ebenso an der Anlandestelle. Nur für sportliche Gäste geeignet. Meerwasserdusche bei der Anfahrt garantiert. Dafür entschädigt eine großartige Landschaft, tolles Panorama.“ Und da die BREMEN ein Expeditionsschiff allererster Güte ist, entscheidet der Kapitän, dass es einen Versuch wert sei. Und er sollte Recht behalten.


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Eine kleine Schar abenteuerlustiger Gäste hat sich angemeldet. Und schon bald stehen die ersten mit klitschnassen Parkas aber glückseligem Lächeln an der kleinen Nordenskjöld-Hütte. In Gruppen von nur vier Personen geht es hinein. Einst haben hier die sechs Wissenschaftler der schwedischen, von Otto Nordenskjöld geleiteten Expedition zwei Winter lang geforscht und auf ihre Rettung gewartet. Doch Kapitän Carl Anton Larsen, der sie mit der „Antarctic“ abholen sollte, scheiterte beim Versuch, die Gruppe zu erreichen. Nahe Snow Hill Island wurde das Schiff von Eisschollen zerdrückt und sank. Die Rettung der beiden Teams durch die argentinische Corvette „Uruguay“ ist eine der unglaublichsten Geschichten, die die Antarktis jemals geschrieben hat (sehr gut nachzulesen auf der Website South Pole). Und es ist ein erhebendes Gefühl, nun an diesem historischen Platz zu stehen – für mich nach 12 Jahren des Wartens.

Fossilien aus der Zeit der Dinosaurier in mystischer Landschaft

 

Vor der Hütte dann ein zweites Highlight. Nordenskjöld, selbst Geologe, ist ja nach Snow Hill Island gefahren, um die dort massenhaft vorkommenden Fossilien aus der Kreidezeit zu untersuchen. Direkt vor der Hütte liegen sie nun: Ammoniten, Brachiopoden, Schnecken, versteinertes Holz, eine versteinerte Languste und Muscheln. Fundstücke aus der Zeit der Dinosaurier und ein Outdoor-Fossilien-Museum allererster Güte. Hinter der Hütte zeigt sich die fantastische, geradezu mystisch-monochromatische Landschaft. Steil aufragende, mit Neuschnee überzogene Berge aus beigefarbenen Sedimenten, durchzogen von Basaltgängen, die durch die Verwitterung des weichen Steins zu steilen Türmen und Mauern herausmodelliert sind. Dazu ein grauer Himmel aus dem mal mehr, mal weniger Schneeflocken rieseln – und ein mit Eisblöcken übersäter Strand. 

Diese Anlandung wird uns allen sicherlich für immer im Gedächtnis bleiben. Und für mich ist ein lang gehegter Traum in Erfüllung gegangen, schöner als ich ihn mir jemals ausgemalt hatte.


Dr. Hans-Joachim Lauenstein wurde in Bremen geboren, doch schon während seines Studiums der Mineralogie und Geologie zog es ihn hinaus in die Welt. Fasziniert von fremdartigen Landschaften durchwanderte er Wüsten und Dschungel, Vulkan- und Hochgebirge. Seit 2007 arbeitet er als Lektor für Hapag-Lloyd Cruises.

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