Die Geschichte beginnt hier: Expeditions-Seereisen für Weltentdecker

Die Geschichte beginnt hier. Als im Jahr 1894 die AUGUSTA VICTORIA zur ersten Nordlandreise zum Nordkapp aufbricht, bereitet der Erfinder der Kreuzfahrt einer weiteren Innovation den Weg – der Expeditions-Seereise. Zum 125-jährigen Jubiläum der Kreuzfahrt berichtet der PASSAGEN BLOG von Hapag-Lloyd Cruises über Meilensteine in der Entwicklung der Kreuzfahrthistorie

Datum: 15.07.2016
Tags: #125jahrekreuzfahrten #hapaglloydcruises #1891diegeschichtebeginnthier
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von Lisa Schönemann


Die Geschichte beginnt hier: Expeditions-Seereisen für Weltentdecker. Bedrohliches Packeis, undurchdringliche Nebel und eine Abgeschiedenheit wie nicht von dieser Welt – das sind Bedingungen, die jede Seereise zu einem echten Abenteuer werden lassen. Viele Menschen haben die Sehnsucht, mit dem Schiff genau jene Welten zu bereisen, wohin sich einst nur die Entdecker wagten, etwa die Ufer des nördlichen Polarmeeres. Wo frische Eisbärenspuren darauf hinweisen, dass er vor kurzer Zeit dagewesen ist – Nanuq (Inuit für Eisbär), der König der Arktis.

Im Sommer 2014, genauer gesagt vom 15. August bis 7. September, durchfuhr das Expeditionskreuzfahrtschiff HANSEATIC von Hapag-Lloyd Cruises als erstes nicht-russisches Passagierschiff die Nordostpassage von Osten nach Westen. Auf der Fahrt von Nome nach Murmansk steuerte Kapitän Thilo Natke das Schiff am 27. August 2014 an den nördlichsten Breitengrad, den bis dahin ein Nicht-Eisbrecher erreicht hatte: 85°40,7818‘ N, 135°38,8735 O – 480 Kilometer vom Nordpol entfernt. 2015 folgte die MS BREMEN unter Kapitän Jörn Gottschalk. Und im Sommer 2016 begibt sich erneut die HANSEATIC auf die lange Reise, die auch im 21. Jahrhundert noch ein besonderes Kreuzfahrt-Abenteuer ist.


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Seit dem 16. Jahrhundert träumen Seefahrer davon, die Nordostpassage zu entdecken, den mythischen Seeweg von Ost nach West. Englische und niederländische Kapitäne nahmen erste Erkundungen vor, scheiterten jedoch mit ihren Seglern im Packeis – wie Willem Barents. Die erste erfolgreiche Durchfahrung der Nordostpassage entlang der sibirischen Nordküste gelang dem schwedisch-finnischen Polarforscher Adolf Erik Nordenskiöld im Winter 1878/79. Sein Schiff, die VEGA, ebenfalls ein Segler, war für die Reise zusätzlich mit einer 60 PS starken Dampfmaschine ausgestattet worden. Und als Nordenskiöld nach Stockholm zurückkehrte von seiner fast zweijährigen Expedition, da säumten Zehntausende den Hafen. Der Entdecker – ein Held.

So nimmt es nicht Wunder, dass sich um die Jahrhundertwende viele Gäste begeistern ließen für die angebotenen „Excursionen“ bis hoch nach Spitzbergen. Entdeckergeist und die Euphorie für die Caspar David Friedrich’sche Naturwelt im Lichte des Nordens werden sie begleitet haben. Zum Beispiel 1890 auf der ersten „Nordlandfahrt“ des Norddeutschen Lloyd oder 1894 auf ähnlicher Reise mit der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Actien-Gesellschaft, der HAPAG.

„Wir strebten dem hohen Norden zu, kamen aus Island, passierten die ständig in Nebel gehüllte Insel Jan Mayen, legten in Hammerfest an und überquerten den Meridian, die Grenze, die den nördlichsten Teil der Erdkugel bezeichnet. Das Nordkap kam in Sicht und die Bäreninsel. Bald empfing uns das ewige Eis, die Packeisgrenze“, berichtet der Bordfotograf Richard Fleischhut später in seinen Erinnerungen von einer ähnlichen Reise. Der Bordfotograf lichtete die Gäste auf unbelebten Inseln vor kargem Fels ab – was die stolzen Kreuzfahrer wie Entdecker eines fremden Gestades aussehen ließ.


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Nach dem Ersten Weltkrieg bot der Norddeutsche Lloyd 1925 wieder Polarfahrten in Richtung Island, Spitzbergen und zum Nordkap an. Auf den Dampfern LÜTZOW und MÜNCHEN reisten jeweils 500 Passagiere, die ihre Begeisterung in Dankschreiben formulierten: „Nur ein Maler, nicht der Dichter kann diese Pracht und Wonne festhalten, diese opalisierenden Töne des Himmels, diese irisierenden Schattierungen des Meeres, auf dem in der Ferne ein feiner lichter Strahl blinkt – das Eis, der eherne Gurt des Pols“, schrieb ein Gast nach Ende der „Gesellschaftsreise“ an den Norddeutschen Lloyd in Bremen. Höhepunkte waren die Landgänge, zu denen man in miteinander vertäuten Beibooten ausgeschifft wurde. Bei ruhiger See und dem violettem Licht der Mitternachtssonne ging bei der Hapag sogar die Bordkapelle an Land, um auf dem Plateau des Nordkaps aufzuspielen.

Ab 1926 führte die Hapag Expeditions-Reisen mit ihren Schiffen RELIANCE und RESOLUTE durch. Beide waren mit Wintergärten und Hallenschwimmbad ausgestattete „Luxusdampfer“. Eine 23-tägige Polarfahrt kostete in der teuersten Klasse 5.000 Reichsmark pro Person, in der einfachsten 800. Der Monatslohn eines Reichsbahnarbeiters lag zu jener Zeit bei etwa 180 Reichsmark. Unter den Reisenden befanden sich Richter, Direktoren, höhere Beamte, Kirchenleute. Den weitaus größten Anteil aber stellte eine Gruppe von 70 Lehrern.


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Das Passieren des Polarkreises war etwas Besonderes. So erhielten die Gäste der RESOLUTE einen „Polartaufschein“, auf dem der Marine-Maler Hans Bohrdt die arktische Natur mit Eisbär und Walross auf einer Eisscholle vereint hatte. Die Urkunde bescheinigt, den nördlichen Wendekreis überschritten und die „Polartaufe geziemend empfangen“ zu haben. Es war der harmlose Entdeckergeist der 1930er Jahre. Der Zweite Weltkrieg sorgte für eine nachhaltige Zäsur.

Erst in den 1990er Jahren ließ Hapag-Lloyd – ein Zusammenschluss der Hapag und des Norddeutschen Lloyds – die Tradition der Expeditionsreisen wieder aufleben: Seit 1993 kreuzt MS BREMEN, ausgezeichnet mit der „höchsten Eisklasse“ für Passagierschiffe, die Gewässer von Arktis und Antarktis, 1996 umrundete sie als erstes Passagierschiff die Inseln und Schären von Spitzbergen. Auch das zweite Expeditionsschiff, MS HANSEATIC, ist mit höchster Eisklasse ausgestattet. Zudem erhielt es die besten Bewertungen für ein Schiff dieser Art (5 Sterne, laut Berlitz Cruise Guide). BREMEN und HANSEATIC steuern aber nicht nur Arktis und Antarktis an. Beide bringen ihre Gäste in entlegene Regionen, die manchmal verblüffend nahe liegen, etwa in europäischen Inselwelten, manchmal aber tief in Dschungeln verborgen, wenn die Schiffe von Hapag-Lloyd Cruises dem Lauf des Amazonas folgen.

Expeditions-Seereisen faszinieren nach wie vor. Als 2010 die HANSEATIC als erstes Kreuzfahrtschiff die 4.000 Seemeilen lange Nordwestpassage durchfuhr, war dies vielen Medien eine Meldung wert: 26 Tage dauerte die Fahrt vom grönländischen Kangerlussuaq nach Nome, Alaska. Der Hafen wird auch das Ziel des Schiffes sein, wenn es Mitte August diesen Jahres erneut aufbricht, die Nordostpassage zu meistern. Auf derselben Route, die Nordenskiöld vor 138 Jahren nahm. Der PASSAGEN BLOG wird das Schiff begleiten. Denn diese Reise ist ein großes Abenteuer.


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Fotos: Archiv, Hapag-Lloyd AG


 

Die Geschichte beginnt hier. Diese Themen-Seite anlässlich des Jubiläums 125 Jahre Kreuzfahrten sammelt Berichte über die Innovationen von Hapag-Lloyd Cruises. Hier finden Sie Angebote für Ihre eigene Expedition – mit MS BREMEN und MS HANSEATIC.

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