Birdwatching auf Island. Mit MS BREMEN zu Sturmvögeln, Kragenenten und Papageitauchern

Eine Reise zu den schönsten Vogelnistpläzen der größten Vulkaninsel der Welt. Diplom Biologe Martin Gottschling berichtet über ein einzigartiges Naturerlebnis.

Datum: 18.06.2019
Tags: #msbremen

von Martin Gottschling (Text und Bild)

Auf unserem Weg von der schottischen Küste nach Island steuern wir den ersten isländischen Hafen an, Seydisfjördur. Dieser kleine Ort ist für seine bunten Häuser bekannt, für seine blau angemalte Kirche und den von ihr wegführenden Regenbogenweg mit bunt angemalten Pflastersteinen in allen Farben des Regenbogens. Wir verlassen unsere BREMEN und gehen an Land. Auf einer kleinen Wanderung durch den Ort sehen und hören wir viel über das Leben und die Kultur. Auch schweift der Blick in die Natur, denn die Küste bietet Lebensraum für viele verschiedene Vogelarten.

Island ist ein Hotspot für Vogelbeobachtungen in Europa, da hier viele verschiedene Seevogelarten in großen Kolonien brüten. Dazu gibt es drei in Europa nur hier brütende Arten, die ihre Hauptverbreitung sonst in Nordamerika haben. Und bereits auf der ersten Lagune, ganz nah am Hafen, können wir eine sehen – die Kragenente. Die Männchen dieser zu den Meeresenten gehörenden Tauchente sind wunderschön gefärbt. Die Grundfarbe ist blaugrau mit einer fuchsroten Flanke, dazu zieren mehrere weiße Linien das Gefieder. Das Weibchen ist unscheinbar graubraun gefärbt mit einem runden Fleck an der Schnabelbasis.

Außerhalb Islands sind diese Vogelarten in Europa selten zu beobachten

 

Wir beobachten drei Männchen und zwei Weibchen, die teils als Paar zusammen schwimmen. Immer wieder tauchen die Vögel unter, auf der Suche nach Nahrung, die überwiegend aus Wirbellosen besteht. Kragenenten besiedeln vor allem den Norden und Osten von Island, sie bewohnen die Küstenbereiche und halten sich auf dem Meer oder auf Gewässern in Küstennähe auf. Zur Brutzeit verlassen sie diese Bereiche und fliegen ins Inland, wo sie in der Nähe von schnell fließenden Flüssen brüten. 

Außerhalb Islands sind sie in Europa extrem selten zu beobachten, nur gelegentlich verfliegt sich der eine oder andere Vogel in etwas südlich oder östlich von Island liegende Regionen. Das Hauptverbreitungsgebiet liegt in Nordamerika. Nach ausgiebiger Beobachtung und dem einen und anderen Foto setzen wir unseren Rundgang durch den Ort fort. Wir sehen noch einige weitere typische isländische Brutvögel wie den Sandregenpfeifer, den Rotschenkel, die Eiderente und die Rotdrossel. Etwas später heißt es: „Alle zurück an Bord“, Leinen los, und die BREMEN nimmt Kurs auf Hafnarholmi, unseren nächsten Hafen. Bei der Einfahrt in den Fjord sehen wir in der Ferne zwei Buckelwale.


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Der kleine Hafen hat keine ausreichend große Pier, so dass die Zodiacs zum Einsatz kommen, um uns sicher und schnell an Land zu bringen. Wie so oft sind es solche, etwas abseits liegenden Ziele, die das Besondere bieten. In Hafnarholmi interessieren wir uns für eine Papageitaucherkolonie. Die kleinen wohlbekannten Vertreter aus der nur auf der Nordhalbkugel verbreiteten Familie der Alken sind eine Ikone der nordischen Vogelfelsen. Neben Schottland und Norwegen findet man auf Island die besten Bedingungen, die immer geschäftigen Tiere zu beobachten.

Die Brutkolonie liegt auf einem grasig bewachsenen Hügel und ist über einen gut ausgebauten Bohlenweg zugänglich. Zusätzlich steht uns eine Beobachtungshütte zur Verfügung, aus der wir die lustig aussehenden Vögel mit ihren großen bunten Schnäbeln in den Fokus unserer Ferngläser und Objektive nehmen können. Wir sind begeistert, die besondere Gelegenheit zu haben, diesen Vögeln so nah sein zu können. Die Brutzeit ist in vollem Gange, das sehen wir an dem regen Flugverkehr der Papageitaucher, zahlreiche Vögel kommen mit prall gefüllten Schnäbeln zurück.

Island ist ein idealer Ort für die Entstehung von Vogelfelsen

 

Die Vögel erbeuten ihr Futter auf Tauchgängen, die sie bis in eine Tiefe von ca. 40 Meter führen. Sie transportieren oft fünf bis acht Sandaale, etwa 10-15 cm lange dünne Fische, im Schnabel und verschwinden damit in ihren Bruthöhlen. Die werden möglichst direkt angeflogen. Wenn der Anflugswinkel beim ersten Versuch nicht passt, dann wird ein weiteres Mal das Ziel anvisiert, manchmal fliegen die Vögel fünf bis sechs Runden, bis es mit der Punktlandung genau in der Höhle klappt. Hier wartet der Nachwuchs auf die Fütterung durch beide Elternteile.

Papageitaucher sind Seevögel, die ihr Leben auf dem offenen Meer verbringen, und nur zum Brüten das Land aufsuchen. Island ist mit der langen Küstenlinie und den vielen Steilklippen ein idealer Ort für die Entstehung von Vogelfelsen. So sehen wir neben den Papageitauchern noch Dreizehenmöwen und Eissturmvögel, die alle in den Klippen brüten. Jede dieser Arten nutzt einen ganz bestimmten Teil des Vogelfelsens, der nur für die jeweilige Art geeignet ist. So dass jede Nische, jeder Felsvorsprung und jedes breite Felsband von ganz bestimmten Arten bewohnt werden.

Jetzt im Juni sind die Vogelfelsen voll besetzt und so können wir die ganze Vielfalt der Arten mit ihren jeweiligen Verhaltensweisen ausgiebig beobachten. Ab Mitte August leeren sich die Vogelfelsen, da die meisten Jungvögel flügge sind. Während der Wintermonate sind die Felsen verwaist. Und nur die weißen Hinterlassenschaften zeugen von dem großen Trubel in der Kolonie während der Sommermonate.

Fotos: ©Martin Gottschling (3), Archiv

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