Expedition Antarktis mit MS HANSEATIC: die Königspinguine Südgeorgiens

Im Südatlantik – schon innerhalb der Antarktischen Konvergenz, die die eisigen von den gemäßigteren Meeren trennt – liegt Südgeorgien. Der Archipel zählt mit seinem Artentreichtum zu den Naturwundern der Erde. Expeditionsleiter Arne Kertelhein berichtet über eine Reise zu den Königspinguinen dieser schroff-schönen Insel

Datum: 23.02.2017
Tags: #mshanseatic
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von Arne Kertelhein (Text und Fotos)


Expedition Antarktis mit MS HANSEATIC: die Königspinguine Südgeorgiens. Nach zweitägiger Überfahrt von den Falklandinseln erreichen wir unser Ziel. Unterwegs war es windig und regnerisch – umso überwältigender der Anblick, der sich in den frühen Morgenstunden bietet: Die Wolken reißen auf und geben den Blick frei auf ein zerklüftetes Bergland, dessen schneebedeckte Gipfel sich direkt vor uns bis zu 3000 Meter aus dem Meer erheben. Die Morgensonne beleuchtet unzählige Gletscher, die von den Berghängen in die Buchten und Fjorde hinab kommen und teilweise mit imposanten Abbruchkanten direkt ins Meer münden.

Unsere erste Anlandung findet in einer geschützten Bucht statt. Der Strand ist übervoll mit Pelzrobben. Zu Hunderten oder gar Tausenden liegen hier die Robbenmütter auf dem Kies, während die dunklen Jungrobben entweder ungerührt weiterschlafen oder aufgeregt umhertollen und in kleinen Tümpeln ihre ersten Schwimmversuche unternehmen. Vorsichtig suchen wir uns einen Weg an den Tieren vorbei und stehen bald vor den ersten Königspinguinen.

Mit ihrem silbergrauen Rücken, dem gelben Kehlfleck und den markanten, orangefarbenen Wangen sind sie die farbenprächtigsten Pinguine unserer Reise. Majestätisch schreiten sie allein oder in kleinen Gruppen am Ufer umher und haben nicht die geringste Scheu vor uns Neuankömmlingen. Ab und an stürzen sich ganze Gruppen gemeinsam in die Fluten, putzen sich ein wenig und schwimmen dann zur Nahrungssuche davon. Gleichzeitig kommen andere Artgenossen mit wohlgefüllten und sichtlich gerundeten Bäuchen zurück an Land und machen sich auf den Weg zur nahegelegenen Kolonie, wo schon die Jungtiere auf sie warten.

Obwohl schon fast gleich groß, sind sie dennoch ganz deutlich von den Altvögeln zu unterscheiden: wie große, flauschige, braune Daunenkissen stehen sie zwischen ihren Eltern. Jung und alt sind sehr neugierig – wenn man einfach einmal ruhig stehenbleibt, kann es durchaus passieren, dass einen ein Pinguin mit derselben Neugier betrachtet, die man ihm entgegenbringt. Man kann sich am Tierreichtum hier kaum satt sehen, und alle versuchen wir die Eindrücke mit unseren Kameras festzuhalten. Dann müssen wir weiter, am Nachmittag ist eine weitere Anlandung geplant.


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Nach dem Mittagessen setzen wir zunächst eine Gruppe von 50 Wanderern an Land, welche auf den Spuren von Sir Ernest Shackleton von einem Fjord zum nächsten marschieren wollen. Dieser britische Polarfahrer war vor 100 Jahren über die Insel geklettert, nachdem sein Schiff in der Antarktis vom Eis zerdrückt worden war und er sich mit einem Rettungsboot nach Südgeorgien durchgeschlagen hatte. Leider landete er auf der anderen Seite der Insel, doch nur im Norden gab es Walfangstationen, in denen er auf Hilfe hoffen konnte. Während nun die Wanderer dem letzten Stück seines Weges folgen, queren sie ausgedehnte Hochgebirgsflächen und Schneefelder im Inneren der Insel, von wo aus sich ein großartiger Blick auf die benachbarten Gletscher und tiefliegenden Fjorde bietet.

Unterdessen fährt die HANSEATIC in die nächste Bucht, wo wir bei der alten Walfangstation Stromness an Land gehen. Mächtige Schiffsschrauben und Ankerketten zieren den Strand, die Gebäude selbst soll man wegen Einsturzgefahr nicht betreten. Doch vor allem sind es auch hier wieder die Tiere, welche das Interesse auf sich ziehen. Pelzrobben soweit das Auge reicht, die Mütter liegen auf dem grünen Rasen, während sich die Jugend im rauschenden Gletscherbach vergnügt – ganz ähnlich wie in einem heimischen Freibad zur Sommerzeit.

Am nächsten Tag sind wir dann in Grytviken, dem einzigen heute noch bewohnten Ort der Insel. Ein sehr abgeschiedener Posten für die Einreisebeamten, die ihre Aufgabe dennoch ernst nehmen und sorgfältig die Schiffspapiere prüfen, bevor wir hier heute unseren Fuß an Land setzen dürfen. Grytviken wurde 1904 als erste Walfangstation der Insel gegründet und war mehr als 50 Jahre in Betrieb.

Die alten Gebäude und gestrandeten Schiffe vermitteln noch immer einen guten Eindruck von der einstigen Betriebsamkeit dieses Ortes – als hunderte von norwegischen Arbeitern damit beschäftigt waren, die im Südatlantik erlegten Wale zu Öl und Düngemitteln zu verarbeiten. Neben Museum, Kirche, Souvenirladen und Postamt lohnt auch ein Besuch des Friedhofs, auf dem Shackleton seine letzte Ruhestätte gefunden hat, nachdem er 1922 kurz vor Beginn einer Expedition hier an Bord seines Schiffes verstorben ist.


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Vor allem aber ist Südgeorgien eine Insel gewaltiger, menschenleerer Landschaften und heute ein einzigartiges Naturschutzgebiet, welches Robben, Pinguinen und anderen Seevögeln eine Heimat bietet. Weitere Kolonien von Königspinguinen stehen auf unserem Programm: In der St. Andrews Bay befindet sich die größte von ihnen, aber in Gold Harbour ist die Umgebung wohl die reizvollste, denn im Hintergrund liegt der Bertrabgletscher über den markant gestreiften Felsen. An den flachen Sandstränden dieser beiden Buchten ruhen sich zu dieser Jahreszeit auch die großen Seeelefanten aus. Dicht an dicht stapeln sich ihre tonnenschweren Leiber, zufrieden schnauben und grunzen sie vor sich hin.

Doch plötzlich kommt Bewegung in die Gruppe, die Köpfe fahren hoch und schon bald beginnen zwei Bullen heftig zu kämpfen. Hochaufgerichtet schlagen sie immer wieder mit ihren massigen Köpfen an den Hals ihres Gegners und fügen sich dabei mit den Zähnen blutige Wunden zu. Die Zeit der Revierkämpfe ist längst vorbei, aber die jüngeren Tiere üben schon einmal für die kommende Saison…

Mit etwas Glück können wir am letzten Tag noch die kecken Goldschopfpinguine bei einer Zodiacausfahrt besuchen, denn sie brüten bevorzugt an besonders unzugänglichen Steilküsten. Dann macht sich die HANSEATIC auf den Weg nach Süden, wo die Antarktis mit dichtem Packeis, riesigen Tafeleisbergen und weiteren Pinguinen auf uns wartet. Doch diese Tage in Südgeorgien wird sicher niemand je vergessen.


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