Expedition Amazonas: Logbuch von Kapitän Hartmann

Mit der BREMEN auf dem wasserreichsten Flusssystem der Erde: 4000 Kilometer stromaufwärts – von der brasilianischen Hafenstadt Belem bis nach Iquitos in Peru, das quasi der Geburtsort des Amazonas ist. Lesen Sie das ausführliche und mitunter berührende Logbuch von Kapitän Olaf Hartmann zu dieser eindrücklichen Expeditionsreise

Datum: 30.07.2014
Tags: #expeditionen #peru #faultier #fluss #brasilien

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Im April hat sich die BREMEN auf eine besonderen Expedition begeben und den mächtigsten Strom der Erde befahren: von dessen Mündungsgebiet in Brasilien bis nah an jene Stelle, bei der sich mehrere Flüsse vereinen – zum Amazonas, jenem mythischen Fluss, der Wasserstraße ist und Lebensader gleichermaßen. Lesen Sie das Logbuch von Kapitän

Olaf Hartmann

2. TAG

Ort: Breveskanäle, Brasilien +++ Wetter: 29 Grad Celsius

Gestern, im brasilianischen Hafen von Belem, hat unsere BREMEN am frühen Nachmittag eine neue Gästeschar an Bord genommen. Pünktlich um 17 Uhr verließen wir die eindrucksvolle Provinzstadt und mit drei langen Tönen des Typhons, den „Three Cheers“, verabschiedeten wir uns, nachdem die Leinen von den Pollern losgeworfen waren. Das große Abenteuer einer Expedition auf dem Amazonas, vom Mündungsgebiet bis in den Oberlauf nach Peru, hatte begonnen. Über 4000 Kilometer Flussfahrt lagen vor uns, mit vielen Besuchen in Dörfern und kleinen Städten sowie Bootsfahrten in den Regenwald oder zu entlegenen Reservaten. Die Stimmung unserer 150 an Bord befindlichen Gäste ist erwartungsvoll und freudig gespannt, denn wir wollen den gewaltigsten Strom unserer Erde erkunden. Eine sehr motivierte Besatzung, versierte Lektoren und Expeditionsleiter freuen sich ebenso wie die Gäste auf diese außergewöhnliche Reise. Für die nautische Beratung haben wir natürlich Lotsen an Bord, die die BREMEN ortskundig und sicher geleiten sollen.

Kathedralen des Waldes

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Der heutige Tag auf der BREMEN versetzte uns gleich ins Schwärmen und war bereits ein erster Höhepunkt: es ging durch die Breveskanäle, die den Rio Pará mit dem Amazonas verbinden. Diese natürlichen Kanäle sind enge Flussläufe, die nur von kleineren Schiffen, wie dem unsrigen, befahren werden können. Viele Stunden war uns der Regenwald an den Ufern fast zum Greifen nah und präsentierte uns seine Vielfalt mit Buruti- und Acai-Palmen, Guaven- und Strandmandelbäumen, Laubschütten, der Sumpfcalla und den gewaltigen Paranussbäumen, die zu recht „Kathedralen des Waldes“ genannt werden. Von den großen Bäumen hängen zahlreiche Epiphyten, in denen bunte Vögel nisten; Schwalben sausen über das Wasser und über den Wäldern segeln mit Argusaugen die Rabengeier. Allerdings ist es nicht nur das undurchdringlich erscheinende Dickicht des Waldes, das unsere Blicke anzieht. Auch die kleinen reizenden Dörfer und vielen einzeln stehenden Behausungen entlang der Ufer strahlen eine idyllische Schönheit aus. Die kleine, aber sehr geschäftige Stadt Breves, nach der die Kanäle benannt sind, passieren wir mit besonders langsamer Fahrt.

Nicht nur hier werden wir Zeugen des Lebens der Menschen am Fluss, denn überall sind die vorwiegend indigenen Anrainer, die Coboclos, was übersetzt „Waldmenschen“ heißt, geschäftig und freundlich. Dutzende Boote, meistens von Frauen mit kleinen Kindern gerudert, nähern sich unserem Schiff und begrüßen uns lachend und winkend auf unserer Fahrt. Die jungen, halbstarken Männer wollen natürlich ihre Außenbordmotoren testen und surfen ein Stück weit auf unserer Heckwelle. Die meisten Häuser am Fluss sind einfache hölzerne Wohnhäuser. Deshalb sind die besonders herausgeputzten Kirchenhäuser oder Missionsgebäude besonders auffällig, die von unterschiedlichen Glaubensgemeinschaften und Sekten betrieben werden. Außer der Nahrung, die der Wald und die Tierzucht bieten, ist der Fischfang eine ergiebige Quelle. Viele Shrimp-Arten, Flusskrebse, aber auch Hering, Rochen oder Kugelfisch werden mit den kleinen Netzen gefangen, die an den Hütten zum Trocknen hängen. Den ganzen Tag fahren wir durch das hellbraune Weißwasser der Kanäle und erhaschen immer neue Blickwinkel und Details einer uns fremden, friedlichen Welt.

Unsere Augen sind heute mit wunderbaren Bildern einer Landschaft und Kultur beschenkt worden, die uns beglückt hat und vielleicht ein bisschen zufriedener macht.

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3. TAG

Ort: Amazonas/Brasilien +++ Position: 01° 45‘ S   050° 13‘ W +++ Wetter: wolkig mit Aufheiterungen, 1013 hpa; 29° Wasser und Luft; varibler Wind bft. 1

Nach dem Verlassen der Breves-Kanäle erreichten wir mit unserer BREMEN den großen Strom, den Amazonas. Wegen der schnell einbrechenden Dunkelheit bekamen wir zunächst nur einen kurzen ersten Eindruck von dem gewaltigen Fluss, der mehr Wasser führt, als die sieben nächst kleineren Flüsse zusammen, aber in der Länge einige Kilometer kürzer misst, als der Nil… Angeblich streiten die Vermesser aber noch.

Unsere Gäste an Bord genossen nach den vielen Eindrücken des Tages den Willkommensabend mit dem exquisiten Abendessen und traditionell stellten sich die Abteilungsleiter auf der BREMEN unseren Gästen vor: „Sinus“, der Leitende Ingenieur, unsere Küchenchefin Yvonne, der Zahlmeister Tobias, unsere Kreuzfahrtdirektorin Gordana, der Maitre Sebastian, der Schiffsarzt Doc Ortwin, unsere Hausdame Layla, unsere Hoteldirektorin Tiziana und unser Leitender Offizier Petra. Ehrlich gesagt, darf man gerne stolz auf dieses Team sein.

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Pünktlich um 6 Uhr des heutigen Morgens fiel unser Anker vor der Flussmündung von Guajara. Während der Nacht waren wir rund 130 Meilen den Amazonas flussaufwärts gefahren. Schnell gingen neun unserer Zodiac-Boote zu Wasser, und bei Sonnenaufgang um 6:24 Uhr fuhren die ersten Gäste bereits in den kleinen Flussarm. Hinter den Galeriewäldern am Ufer des Amazonas breiteten sich überflutete Felder und schwimmende Gasteppiche aus, deren sattes Grün gleichzeitig schön und beruhigend ist und durch verstreute Flächen tiefgelber Blumen einen noch intensiveren Ausdruck bekommt. Auch vereinzelte Wasserhyazinthen haben wir auf unserem Ausflug gesehen sowie Wasserbüffel und Wasserschweine, die zu ihren Weiden schwammen. Vögel in stattlicher Zahl boten ein reichhaltiges Beobachtungfeld und gerne möchte ich einige Arten hier nennen: verschiedene Reiher, Fischbussard, Anis, Gelbbürzel, Kaziken und vereinzelt auch Aras, Kolibris oder Tukane. Von einigen Booten aus konnten unsere Gäste auch Brüllaffen beobachten, die rosafarbenen Amazonas-Delphine haben sicher alle beim Luftholen ganz aus der Nähe vorbei schwimmen sehen.

Baumstämme und schwimmende “Rasenflächen”

Am späten Vormittag waren auch die letzten Ausflügler wieder an Bord der BREMEN und weiter ging die Reise zu unserem nächsten Ziel. Oftmals fuhren wir mit unserem Schiff sehr dicht an den Ufern des breiten Stromes entlang, da sich dort die größten Wassertiefen befanden, so dass wir wunderschöne Blicke in das weite grüne Schwemmland genießen durften. Auffallend sind immer wieder die Pflanzenteppiche, die wie schwimmende „Rasenflächen“ aussehend sowie die teilweise großen Baumstämme, die von der starken Strömung des Flusses mitgerissen werden. Jedes Jahr bewegt der Amazonas mehr als eine Milliarde Tonnen an Sedimenten, wobei der Großteil in den Atlantik gespült wird; eine unglaubliche Menge. Bedanken möchte ich mich bei unserer Photographin Laura, die die Bilder des Tages liebenswerterweise zur Verfügung stellte.

 

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4. TAG

Ort: Amazonas, Brasilien +++ Position: Alter do Chao/Rio Tapajos +++ Wetter: wolkig mit Aufheiterungen, 1013 hpa; 29° Wasser und Luft; varibler Wind bft. 1

Am frühen Nachmittag ankerten wir mit unserer BREMEN vor einer seichten Nebenflussmündung, an der die kleine Siedlung Virassaia liegt. Hier haben sich Bootbauer niedergelassen, deren Arbeit offenbar sehr geschätzt wird, denn Boote sind in weiten Teilen des Amazonasbeckens das einzige Verkehrsmittel. Die Menschen machen bei unserem Besuch einen sehr freundlichen und zufriedenen Eindruck und haben einen guten Lebensstandard, ähnlich wie wir dies bereits am Morgen auf der Wasserbüffelfarm, einer Fazendas, beobachten durften. Die schöne kleine Dorfkirche wurde uns bereitwillig von den Bewohnern Virassaias zur Besichtigung freigegeben.

Auf unserer Fahrt mit den Zodiacs beeindruckte uns einmal mehr die vom Wasser überflutete Landschaft mit ihrem unglaublich intensiven Grün, gespickt mit vielerlei bunten Blumen. Delphine tummelten sich im Wasser und Leguane sonnten sich auf Ästen und Baumstämmen am Flussufer. Eine große Vogelspinne wurde in ihrem Habitat aus respektvoller Nähe in Augenschein genommen und eine weitere Spinne hatte es im Jagdfieber auf ein Termitennest abgesehen. Am Abend habe ich viele gute Kommentare unserer Gäste gehört; zweifellos hat dieser Tag uns sehr bereichert und erfreut.

Badestrand und Piranhas

Amazonas2_01Noch früh während der Dunkelheit bogen wir vom Amazonas in einen der großen Nebenflüsse, dem Rio Tapajos ab und ankerten nach etwa 20 Meilen vor dem Fischerdorf Alter do Chao. Nach Sonnenaufgang wird deutlich, dass die Farbe des Wassers anders ist, denn der Tapajos ist ein „Klarwasserfluss“ mit wenigem Sedimentanteil. Nach der Freigabe des Schiffes durch die örtlichen Behörden brechen viele unserer Gäste zu einer etwa 3-stündigen Wanderung auf, die durch eine Wald- und Buschlandschaft auf einen gut 100 Meter hohen Hügel führt, einer Art Geestrücken, von dem aus wir einen prächtigen Überblick über die Bucht, den Fluss und den Lago Verde, den „Grünen See“ haben. Eine andere Gruppe hat sich für einen ebenfalls von unseren Lektoren geführten naturkundlichen Spaziergang am bewaldeten Ufer entschieden, an dem es Blumen und Pflanzen in reicher Zahl gibt.

Diejenigen Gäste, die den Tag mit einem späten Frühstück außen auf dem Lidodeck beginnen möchten, können den kontinuierlichen Zodiac-Pendelverkehr in das Dorf Alter do Chao nutzen. Während der Trockenzeit erstreckt sich hier ein großer Strand mit wunderbar weichem Sand, von dem wir allerdings nur ein kleines Bisschen zu sehen bekommen, denn der Wasserstand im Fluss ist während dieser Regensaison besonders hoch. Dennoch haben Gäste und Besatzung die Möglichkeit zu einem Bad im besonders weichen und warmen Wasser des Rio Tapajos genutzt, das für die Haut sehr angenehm oder sogar heilsam sein soll. Zum Mittagessen wurde uns frischer Fisch aus dem Amazonas auf dem Grill serviert, der zwar ein wenig grätig, aber sehr schmackhaft war. Die kleinen Piranhas, die unser Amazonasexperte Mo geangelt hatte, haben uns nicht zum Verspeisen angeregt.

5. TAG

Ort: Amazonas, Brasilien +++ Position: 02° 26’ S  056° 27’ W +++ Wetter: wolkig mit Aufheiterungen, 1012 hpa; 29° Luft; 30° Wasser, 78% Luftfeuchte; Wind bft. 1

Zunächst möchte ich mit einem Nachtrag für den gestrigen Tag beginnen, denn dort, wo sich das grüne Wasser des Rio Tapajos mit dem braunen Wasser des Amazonas mischt, liegt Santarem, nur wenige Kilometer von Alter do Chao entfernt. Mit langsamer Geschwindigkeit und dicht am Ufer fahrend, passieren wir diese, in den vergangenen Jahren enorm durch den Straßenbau, Bodenschätze wie Bauxit und Gold, Holz- und Kautschukexporte, Rinderzucht und die Sojabohnenindustrie gewachsene Stadt. Leider trägt der Anbau von Soja zusätzlich in großem Maße zur Entwaldungsdynamik in der Region bei.

Als die Lichter in der Stadt angehen, ist unsere BREMEN auf ihrem weiteren Weg nach Westen unterwegs. An diesem warmen Abend hat unsere fleißige Hotelcrew zu einem „Abendessen unter Sternen“ eingeladen, dass zunächst mit einem fruchtigen Sundowner und einer musikalischen Einlage von „Alt-Amazoniker“ John Harwood beginnt. Dabei steigt uns bereits der Duft von Gedünstetem, Gebratenem und Gegrilltem in die Nase. Unsere Küchenchefin gibt alsbald den Startschuss für das BBQ und das lukullische Mahl kann beginnen. Wein, Bier und andere Getränke übernimmt am heutigen Abend unsere Chefin Isolde von Hapag-Lloyd in Hamburg – vielen Dank! Unser Entertainer Tom hat natürlich sein Keyboard in Position gebracht und bringt sehr schnell die Gesellschaft in Schwung. Gegen Mitternacht haben die meisten Gäste das mit Palmwedeln, Flaggen und Lichtern liebevoll dekorierte Pooldeck verlassen, denn es lag ein langer und ereignisreicher Tag hinter uns. Unserer geographischen Länge entsprechend, wurden die Uhren in der Nacht um eine Stunde zurückgestellt, so dass wir eine längere Nachtruhe haben, bevor es in den Morgenstunden auf die nächste Exkursion geht.

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Heute früh steuerten wir mit unseren Zodiacs in einen Seitenarm des Rio Balaio. Überflutete, sattgrüne Savanne mit herrlichen Galeriewäldern erwartete uns; eine Landschaft, die uns immer wieder staunend inne halten lässt. Auch die berühmte Riesenseerose, die Victoria Amazonica, fanden wir in kleiner Zahl sowie immer wieder neue Vogelarten und Tiere.

Am Nachmittag steht der Besuch von Parintins auf dem Plan, eine der wichtigsten Städte im Oberlauf des Amazonas. Landwirtschaft und Handel bilden die Basis der etwa 70.000 Einwohner zählenden Stadt, die 420 km flussabwärts von Manaus liegt. Das beherrschende und fast monumentale Gebäude der Stadt ist die Kathedrale „Nossa Senhora do Carmo“, die Platz für 1.500 Personen bietet.

Wir haben die BREMEN vor Parintins in der Mitte des breiten Stromes, fast eine Meile vom Ufer entfernt, verankert. Hier ist die Strömung nicht ganz so stark, wie in Ufernähe, wo es zudem deutlich tiefer ist, so dass wir unser Schiff nun an einem sicherem Ort wissen. Diesmal benutzen wir nicht unsere eigenen Boote um an Land zu gelangen, sondern richtig schöne alte Flussschiffe, die auf zwei Decks bestuhlt sind. Das ist sehr angenehm und ermöglicht beste Perspektiven für die vielen Photographen unter uns. Morgen hoffe ich noch ein paar Bilder nachreichen zu können, denn Laura und Fritzi (unser „Alleskönner“) hatten Probleme mit dem Computer. Selbst in der tiefsten Wildnis scheint nichts ohne die vernetzte Welt zu klappen…

6. TAG

Ort: Amazonas, Brasilien +++ Position: 02° 49’ S   058° 02’ W +++ Wetter: Sonne am Morgen, dann wolkig, 1010 hpa; 28° Luft; 30° Wasser, 81% Luftfeuchte; ESE bft. 1

Boi_Bumba_c80e7be72eDas „Boi Bumba“ ist eine berühmte Tanzveranstaltung in Parintins, zu der alle Gäste eingeladen waren. Viele Tänzer und Musiker wirken bei diesen Shows mit, die mit farbenprächtigen Kostümen und heißen Rhythmen beeindrucken. Obwohl die Samba-Musik überwiegt, handelt es sich nicht um Aufführungen nach dem Schema der Samba-Schulen. Hauptfiguren sind ein der italienischen Oper entlehnter Harlekin und ein Ochse (Boi), dessen Tod und Auferstehung Thema des Geschehens ist. Die aufwendig inszenierte Vorstellung hat unseren Gästen, aber auch denjenigen Besatzungsmitgliedern Spaß gemacht, die abkömmlich waren. Mit den zweistöckigen Flussdampfern ging es unter dem nächtlichen Sternenhimmel und einer kühlenden Brise auf den Decks, zurück auf die BREMEN. Bei guten Gesprächen mit einem kleinen Getränk im Club, einer Berliner Bulette oder einem Frankfurter Würstchen ließen wir den Abend ausklingen und um Mitternacht war die BREMEN wieder flussaufwärts in Fahrt.

Schon früh waren am heutigen Morgen die Mitglieder der kleinen „Bremen-Familie“ auf den Decks, Balkonen oder der Brücke unterwegs. Die ersten wärmenden Sonnenstrahlen des Tages sowie der Blick in die uns umgebende Natur, sind eine erholsame Belohnung, denn wiederum strebt unser Schiff sehr dicht am Ufer des Amazonas entlang. Die immer wieder neue Formen annehmende Vegetation, sowie kleine verstreute Häuser und Gehöfte lassen keinerlei Langeweile aufkommen, sondern beeindrucken stets auf das Neue.

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Am frühen Nachmittag ankern wir an einer Stelle namens Canassari (auch Cana Cari), die wieder an einer Flussgabelung liegt und nur zwei oder drei Häuser zählt. Hier wollen wir mit den Booten in einen sehr reizvollen Seitenarm des Amazonas fahren, der in kilometerweit überschwemmte Landschaften mit schwimmenden Wiesen, unterbrochen von Uferlandstrichen die an Knicks erinnern, führt. Endlich sehen wir auch große, wunderschöne Felder mit der Victoria Amazonica, der Riesenseerose, die von ihrem Entdecker nach der damals regierenden Königin Victoria von England benannt wurde. Es ist ein einmaliges Erlebnis, diese enormen, unglaublich tragfähigen und dennoch filigranen Gewächse aus nächster Nähe betrachten zu können, die uns Ihre schönen Blüten sowohl im weißen, wie im roten Stadium zeigen. Diese Landschaft ist ein wahrhaft unermesslich reicher botanischer Naturgarten, der sich vor unserem Auge entfaltet.

In der Vegetation sehen wir viele Reiher, Jacanas, Hoatzins, Caracaras sowie Bussarde, und schließlich haben sich auch ein paar Eisvögel gezeigt. Zuweilen bekommen wir zudem Affen und die ersten Faultiere zu Gesicht und in der Flussmündung tummeln sich geschäftig einige Sotalia-Delphine. Bevor wir den Anker für die Weiterreise lichten, beschenkt uns der Tag mit einem faszinierenden Sonnenuntergang, eingerahmt von unterschiedlich farbigen Wolkenbildern. Pünktlich um 2100h wechselten wir unsere Flusslotsen bei Itacoatiara.

 

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7. TAG

Ort: Amazonas, Brasilien +++ Position: Manaus +++ Wetter: sonnig mit wolkigen Abschnitten, 1012 hpa; 30° Luft; 30° Wasser, 88% Luftfeuchte; unterschiedlich bft. 1

Der frühe Morgen hält heute eine Besonderheit für uns bereit: „Encontro das Aguas“, das Zusammentreffen der Wasser! Das braune Wasser des Amazonas (oder Rio Solimoes, wie er von den Einheimischen genannt wird) vereinigt sich mit dem schwarzen Wasser des Rio Negro. Es ist aber nicht nur die unterschiedliche Farbe des Wassers, sondern auch dessen chemische Zusammensetzung, die deutlich ins Auge fällt. Das chemisch neutrale, lehmig gelbe Wasser des Amazonas führt große Mengen organischer Stoffe und viel abgerissenes, schwimmendes Pflanzenmaterial mit sich, während das schwarze bis zuweilen rötliche Wasser des Rio Negro extrem sauer und arm an Sedimenten mit Humusstoffen und Treibgut ist. Mit langsamer Fahrt durchfahren wir in der Morgensonne ein einzigartiges Naturschauspiel, das uns einen gelungenen Einstieg in den Tag bietet.

Kreuz des Südens

Um 7:30 Uhr vertäuen wir unsere BREMEN gute zehn Meilen vom Gebiet des Aufeinandertreffens der Flüsse entfernt an einer Pier in Manaus. Sie ist die Hauptstadt Amazoniens mit zwei Millionen Einwohnern, mitten im Urwald gelegen und 1700 km von der Mündung des Flusses entfernt. Am Ende des 19. Jahrhunderts bescherte ein Kautschuk-Boom der Stadt großen Reichtum, der sich noch heute in dem  berühmten Operngebäude widerspiegelt. Für unsere Gäste werden vielfältige Ausflüge und Aktivitäten von einer Besichtigung des Opernhauses bis hin zu einem Rundflug über die Stadt angeboten. Das sonnige Wetter hält gottlob den gesamten Tag über an und als wir am Abend die Leinen loswerfen, reflektiert das Licht des nahezu vollen Mondes auf dem Wasser des Rio Negros, das träge, wie Öl, dahinfließt. Hoch über uns am Himmel steht der rötliche Planet Mars, das Sternenbild des Orion nähert sich dem westlichen Horizont, und die fünf Sterne des Kreuzes des Südens sowie dessen „Zeigesterne“ sind deutlich mit dem bloßen Auge sichtbar.

Während unsere Gäste das Abendessen genießen, verlassen wir den Rio Negro und fahren auf dem Amazonas weiter nach Westen. Diejenigen, die den Filmklassiker „Fitzcarraldo“ nicht sehen mochten, haben den Tag bestimmt an Deck ausklingen lassen.

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8. TAG

Ort: Amazonas, Brasilien +++ Position: 03°52‘ S 062°02‘W +++ Wetter: Regen am Morgen und später bedeckt, 1009 hpa; 26° Luft; 29° Wasser, 88% Luftfeuchte; unterschiedlich bft. 1

Wer heute Früh aus dem Fenster schaute, hat sich vermutlich mit dem Aufstehen Zeit gelassen, es regnete heftig und war gänzlich „grau in grau“. Doch schließlich befahren wir den Amazonas während der Regenzeit und der Wasserstand ist in diesem Jahr besonders hoch. In wissenschaftlichen Untersuchungen wurde festgestellt, dass während der Regenzeit die unglaubliche Fläche von ca. 600.000 Quadratkilometern des Amazonasbeckens überflutet wird; das ist weit mehr, als das deutsche Staatsgebiet und etwa elf Prozent der Fläche ganz Brasiliens. Passenderweise hatte unsere Expeditionsleiterin Claudia keine Anlandung am Vormittag geplant, sondern es wurden Vorträge unserer Lektoren angeboten. Am späten Vormittag hörte es auf zu regnen, und die tiefen Wolken verschwanden.

Weißwasser gegen Schwarzwasser

Als wir wenig später den Anker in der Mündung des Rio Badajos fallen ließen, hatten wir gutes Ausflugswetter. Der Rio Badajos ist an sich ein Schwarzwasserflussgebiet. Auf Grund des derzeitigen Hochwassers drückt das Weißwasser des Amazonas allerdings tief in den Badajos hinein, deshalb sahen wir heute kein reines Schwarzwasser.

Canacari_e0f618c635Auf der zweiten Ausflugs-Runde, die wiederum zehn Zodiacs absolvierten, gab es dann doch noch einen kurzen kräftigen Regenschauer, so dass die Bootsführer versuchten, unter dem Blätterdach der überfluteten Wälder ein bisschen Schutz zu finden. Die Tiersichtungen beschränkten sich an diesem Nachmittag auf Brüll- und Totenkopfaffen sowie ein Faultier; bei den Vögeln war die große Anzahl von Rabengeiern auffällig. Die wenigen Menschen, die verstreut in dem dünn besiedelten Schwemmland ihre Behausungen haben, leben von Landwirtschaft und Fischfang. Nach dem abendlichen „Recap“, der Aufarbeitung von Fragen und Beobachtungen, die sich während des Tages ergeben haben und der Vorschau auf den morgigen Tag, werden wir zum „Chef’s Dinner“ entlassen.

Jeder der Köche darf heute einen Gang zubereiten, der zu den persönlichen Lieblingsgerichten zählt; ich habe alle gewählten Gänge sehr genossen. Unsere Hoteldirektorin Tiziana hat charmant die jungen Damen und Herren des Services und die Küchenbrigade unter der Leitung von Yvonne vorgestellt. Über den verdienten Applaus für die Crew habe ich mich sehr gefreut. Während der Nacht wollen wir weitere 135 Meilen flussaufwärts fahren und wieder früh in die Boote einsteigen.

9. TAG

Ort: Amazonas, Brasilien +++ Position:   03° 31’ S   064° 25’ W +++ Wetter: Am Morgen bedeckt, später wolkig und viel Sonne am Nachmittag, 1009 hpa; 27° Luft; 29° Wasser, 78% Luftfeuchte; umlaufend bft. 1

Ein neuer Tag erwacht am großen Fluss, dessen gewaltige Ausmaße wir langsam zu begreifen beginnen. Hunderte Meilen und Tag für Tag fahren wir an den Ufern entlang und bekommen ein Gefühl für die Dimensionen und das vielfältige Leben am Strom, für die Vegetation, die Tiere und Menschen sowie deren unbeschreibliche Vielfältigkeit.

Am frühen Morgen unternehmen wir eine Zodiac-Tour in einen Seitenarm des Rio Solimoes zu einer Stelle, die Jutica genannt wird. Das „hautnahe“ Erleben dessen, was diese größte Flusslandschaft der Erde ausmacht, unterscheidet sich gravierend von anderen Ansätzen, dieses Land zu bereisen. Ein bisschen fühlen wir uns auf den Spuren der großen naturwissenschaftlichen Entdecker, die eine neue Welt erforschen wollen. Am späten Vormittag sind alle Boote mit unseren Gästen zurück an Bord der BREMEN, und weiter geht die Reise.

Die Augen der Kaimane leuchten

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Schon früh am Nachmittag erreichen wir Boca de Cuxiu Muni, ein sehr schönes Natur- und Seengebiet, an dem das idyllische Dorf Caboclo liegt, dessen etwa 300 Einwohner uns freundlich empfangen. Besonderer Beliebtheit erfreuen sich auch unsere Angelboote, die in unserem einheimischen Lektor Mo einen versierten Fischermann mit entsprechender Ausrüstung haben. Die Ausbeute an gefangenen Fischen ist deutlich größer, als erwartet und deshalb schenken wir den Dorfbewohnern alle größeren Fische und nehmen nur ein paar kleine zur Anschauung für alle Gäste mit an Bord. Die Show der Amazonasfische ist eindrucksvoll, wobei ein jeder gern die Schärfe der spitzen Piranha-Zähne vorsichtig berührt hat.

Die anberaumte Nachtausfahrt startet für die erste Gruppe gegen 1900h. Mückenschutz, lange Ärmel und Hosen werden sicherheitshalber empfohlen. Sehr schnell tauchen unsere Boote in das nächtliche Konzert des Regenwaldes ein und wir lauschen den Grillen, Zikaden und Fröschen, während die Fledermäuse über unseren Köpfen durch die warme Nachtluft sausen. Zudem haben wir Glück und entdecken mehrere Kaimane, deren Augen, angeleuchtet von unseren Taschenlampen, leicht in der Dunkelheit zu entdecken sind. Solange sie sich im Scheinwerferlicht befinden, verharren die kleinen Krokodilkaimane in Bewegungslosigkeit und lassen sich mit der Hand greifen. Auch die Faultiere zeigen sich neugierig in den Bäumen am Flussufer und eine Baumboa schlängelte sich gemächlich durch das Wasser. – In einer fast klaren Nacht steht der Vollmond nahezu senkrecht über uns, als wir wieder zum Schiff zurückkehren. Zum Abschluss des Tages werden die fein zubereiteten „Late Night Snacks“ (u.a. Currywurst und Pommes) gerne im Club probiert und ein kleines Getränk darf vor der Nachtruhe auch nicht fehlen

10. TAG

Ort: Amazonas, Brasilien +++ Position: 02° 40’ S   065° 35’ W +++ Wetter: Am Morgen wolkig; später ein Mix aus Wolken, Sonne und Schauern, 28° Luft; 29° Wasser, 82% Luftfeuchte; schwach umlaufend

Uara, ein interessantes Schwarzwassergebiet, ist unser vormittäglicher Anlaufort. Dicht am Ufer, nahe der Flussgabelung, an der eine auffällige grüne Hütte steht, ankern wir die BREMEN auf 25 Meter Wassertiefe. Wegen der starken Strömung von fast vier Knoten müssen wir etwa 150 Meter Ankerkette ausstecken, damit der Anker hält. Die Boote sind unter der Leitung unseres 1. Offiziers Petra schnell im Wasser, und die Zodiac-Kapitäne vermelden Einsatzbereitschaft.

Wir planen unsere Gäste ein Stück weit den Schwarzwasserfluß aufwärts auszubooten und eine gut einstündige Dschungelwanderung anzubieten. Einheimische aus dem kleinen Dorf und unsere Lektoren führen jeweils kleine Gruppen und erklären die Botanik. Für die Wanderung hatte unsere Kreuzfahrtdirektorin Gordana als Ausrüstung Gummistiefel und die „3 goldenen Amazonas-Sachen“ empfohlen: Sonnen-, Regen- und Insektenschutz. Dazu können wir diesmal auch Badesachen unter die Oberbekleidung anziehen, denn nach der Wanderung besteht die Möglichkeit zum Schwimmen. Dafür haben wir ein Badefloss in Stellung gebracht und geschätzte 50 Gäste nutzen die Gelegenheit in dem heilsamen, dunklen Wasser zu baden. Eine wirkliche Abkühlung ist mit dem Eintauchen in das Gewässer jedoch nicht verbunden, denn die Temperatur im Fluss liegt durchgängig bei 29°C.

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Um die Mittagszeit verlassen wir diesen gastlichen Ort Uara mit den freundlichen Menschen wieder, denen unser Besuch offenbar auch viel Freude gemacht hat. Besonders die Kinder genossen eine Bootsfahrt mit unserem Ausflugsleiter Fritzi-Frederik, der alle 36 Kinder des Dorfes zu einer Rundfahrt einlud. Nach der Mittagsruhe wurden uns zwei Vorträge unserer Lektoren in der Panorama-Lounge angeboten. Das Interesse ist immer sehr groß, möglichst viel Information über das Gesehene zu erhalten und die bereisten Gebiete der Welt verstehen zu lernen. Die Arbeit unserer Lektoren kann mithin auch als ein vollendender oder abschließender Teil einer Expeditionsreise verstanden werden.

Am Abend hatte unser ideenreiches Hotelteam in Anlehnung an das bekannte Volksfest „Bremer Freimarkt“ zum „MS BREMEN Freimarkt“ eingeladen, dass wegen der unsicheren Witterungslage leider nicht auf dem Pooldeck stattfinden konnte. Die MS Bremen-Variante des Freimarkts hatte Caipirinha, Wein, Bier und Korn im Angebot und natürlich viele schöne Sachen vom Grill, leckere Beilagen, Salate und Süßspeisen, wie frisch gebackene Waffeln mit Kirschen und Eis. Am späteren Abend, als die BREMEN in den Rio Jutai steuerte, öffneten sich die Wolken und die Himmelskörper strahlten und blinkten zu uns herunter. Auch der noch nahezu volle Mond beleuchtete sanft die Wälder und das Wasser. Es ist genau der selbe Mond, den unsere Lieben daheim viele tausend Kilometer entfernt in Mitteleuropa einige Stunden zuvor sahen und vielleicht sind auch ein paar Gedanken zu uns in den Regenwald geschickt worden…

 

11. TAG

Ort: auf dem Amazonas, Brasilien +++ Wetter: 29 Grad Celsius

Still lag das Schiff über Nacht am Anker. Nur das Gurgeln des vorbeiströmenden Wassers am Rumpf, das gelegentliche Knacken der Ankerkette beim Schwojen des Schiffes und das rastlose Treiben der Insektenschwärme war zu hören. Es war eine ruhige Nacht, die für die ersten Zodiac-Gruppen mit dem Sonnenaufgang endete. Wir haben eine Ausfahrt in den Ipago Wald geplant. Dieses Waldgebiet am Rio Jutai ist während der Hochwasserzeit weithin überschwemmt und nur mit kleinen Booten zugänglich. Während des Morgens wird neben der Ausfahrt wiederum eine Badestelle mit ständigem Boot-Pendelverkehr angeboten. Später am Tag dürfen auch die Petri-Jünger ihr Glück versuchen, doch scheint das Anglerglück diesmal sehr übersichtlich gewesen zu sein. Unser einheimischer Mo wusste durch wortreiche Erklärungen dem geringen Fangergebnis dennoch etwas Gutes abzugewinnen, wofür man vielleicht ein besonderes Verhältnis zur Natur benötigt, wie einer unserer Gäste scherzhaft feststellt. Zum Mittagsbuffet hatte unsere Küchenchefin dennoch „Piranha vom Grill“ auf der Speisekarte notiert, der entgegen der Erwartung sehr zart und gut schmeckte; schließlich handelt es sich um einen räuberischen und mit schauerlichen Geschichten behafteten Fisch, ausgestattet mit sehr scharfen und spitzen Zahnreihen. Allerdings war für die Fischliebhaber unter den Mittagsgästen auch alternativ die heimische Regenbogenforelle im Angebot…

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In der Mittagspause verlegten wir unsere Ankerposition um ein paar Meilen und beginnen am frühen Nachmittag wiederum mit einer Ausfahrt in die überschwemmten Wälder. Hier erschließt sich uns eine phantastische Welt mit abgestorbenen, vielfach sehr hohen Baumstämmen, langstieligen Gräsern und unterschiedlichen Baumarten und Büschen. Von der nun tiefer stehenden Sonne wunderbar beschienen, versetzt diese urtümliche, naturbelassene Szenerie jeden Photographen in Entzücken. Anthurien, Philodendron, Helikonia (nicht zu verwechseln mit den Strelitzien) und wunderschöne Orchideen entdecken wir an den Baumstämmen. Termitenbauten, die während der Trockenperiode in großer Höhe an den Bäumen hängen, bewundern wir nun, zur Hochwasserzeit, in Augenhöhe und versuchen dem unaufhaltsam geschäftigen Treiben der kleinen Tiere zu folgen, die man angeblich sogar essen kann.

Aras, Kaziken und die Früchtekrähe

Panelas01_c843c804d2Auch die Vogelwelt lässt uns nicht im Stich: Grüne Papageien, die laut krakeelend auf sich aufmerksam machen, Aras, rot-, blau- oder goldfarben, die uns aus sicherer Distanz beobachten und schwarze Spechte mit roter Brust, die sich um ihre Höhlen und Nester in den abgestorbenen Bäumen sorgen. Schwalben sausen durch die Mückenschwärme, die Früchtekrähe sondierte die Lage von den hohen Baumwipfeln, ebenso wie der Brasilianische Falke, der offenbar genauso wenig mit uns Reisenden anfangen kann, wie die schwarzen Kaziken-Vögel. Es ist eine kleine urwüchsige Wunderwelt, die wir mit den Booten langsam, manchmal auch etwas mühsam, durchqueren, bevor wir wieder zum Schiff zurückkehren.

Vor dem Abendessen finden sich alle Gäste zum Recap, einer Nachlese, ein, auf die sich unsere Lektoren vorbereitet haben. Unser Ethnologe  Dietmar Neitzke klärt uns über die verschiedenen Theorien der Besiedelung des amerikanischen Kontinents auf. Die natürliche Kanal-Verbindung zwischen dem Rio Negro und dem Orinoco, die seinerzeit der deutsche Naturforscher Alexander von Humboldt entdeckte, ist das Thema von John Harwood. John lebt seit Jahrzehnten in Manaus und hat diese Gewässer, die in Venezuela liegen, selbst bereist. Abschließend spricht unser Brasilienexperte Wilson Marx über die Maniokpflanze, die schon den Ureinwohnern Südamerikas als Stärkelieferant, in der Form von sogenanntem Tapioka-Mehl, diente. Die Gewinnung des einzigen Mehls, das den Menschen im Amazonasbecken als Nahrung zur Verfügung steht, ist sehr aufwendig. Ich selbst erinnere aus früher Fahrenszeit, dass wir mit Stückgutfrachtern große Mengen Maniok-Wurzeln nach Europa transportiert haben, wo das geschmacklich recht fade Mehl oder die ganze Wurzel offenbar geschätzt wurden. In den Abendstunden geht unsere BREMEN anker-auf und verlässt den Schwarzwasserfluss Rio Jutai, um dem großen Amazonas weiter stromaufwärts zu folgen.

12. TAG

Ort: auf dem Amazonas/Brasilien +++ Wetter: 28 Grad Celsius

Ein mächtiger Baumriese, wohl über 100 Jahre alt, markiert den Eingang in einen Seitenarm des Flusses, an dem die BREMEN in Position gegangen ist und den Ankerball gesetzt hat. Panelas wird der Ort genannt und ist Ausgangspunkt für unsere morgendliche Ausfahrt. Seine Anziehungskraft ist groß, denn die mit unseren Gästen besetzten Boote steuern zunächst in die Richtung des riesigen Laubbaumes am Ufer, der alle anderen bei weitem überragt und dessen eindrucksvolle Brettwurzeln ihn stark und unantastbar wirken lassen.

Panelas02_439c1cbdffAuffällig ist auch, dass keine Moose, Flechten, Lianen oder Epiphyten am Stamm oder den Ästen dieses Riesen auszumachen sind, wovon ansonsten viele Bäume im Regenwald, zumal im höheren Alter, befallen sind. Bei der Namensbestimmung diese Gewächses müssen unsere Experten jedoch passen; das ist ihnen sehr unangenehm und kommt höchst selten vor. Nun haben die „Lehrer“ ein neues Forschungsprojekt… Allerdings steht der „namenlose“ Baum sehr dicht am Ufer des Flusses, in der „Kampfzone“, wie Professor Lothar Staeck es formuliert. In der Trockenzeit wird das Ufer vielfach zu einer Steilküste, denn das Wasser fällt um viele Meter. Die Erde am Ufer trocknet aus und wird porös. Schwillt der Fluss während der nächsten Regenzeit wieder an, dann kommt es durch die starke Strömung häufig zu enormen Erosionen und die größten Bäume stürzen unterspült um. Im Laufe unserer Reise haben wir viele Stämme treibend im Wasser ausgemacht und während der Nachtfahrt sind wir gelegentlich mit dem Vorsteven gegen einige gestoßen. Dieses Aufeinandertreffen führt zu einer kleinen Erschütterung im Bugbereich unseres Schiffes, vergleichbar mit dem Anstoßen an Eisschollen. Für die Eisfahrt ist die BREMEN aber bestens verstärkt und somit brauchen wir uns nicht um eventuelle Schäden zu sorgen.

In der Nähe des Urwaldriesen entdecken wir auch ein viel-fotografiertes Faultier, dass wenig Neigung zeigt, sich stören zu lassen und seinem Namen Ehre macht, indem es sich nicht bewegt. Im Laufe der Zodiac-Fahrt zeigt sich wiederum ein aufgeregtes Gelbscheitelspechte-Paar sowie die lauthals kommunizierenden grünen Amazonen-Papageien. Eine andere interessante Entdeckung ist eine Gottesanbeterin, ein grünes Insekt aus der Ordnung der Fangschrecken. Ausreichend lange bleibt das Tier unbewegt, so dass alle Bootsinsassen die angewinkelten Vorderbeine der Anbeterin deutlich sehen können. Diese Stellung der Beine sieht aus, als würde das Insekt beten, was ihr den Namen gab. Des Weiteren beobachten wir einen, in der Spannweite über 10 Zentimeter messenden, Schmetterlingsfalter mit einer wunderschönen Zeichnung seiner Flügel. Unterschiedliche geometrische Formen und Farben von weiß, braun, lila und schwarz machen dieses Insekt zu einem äußerst begehrten Fotomodel.

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Am Nachmittag werden diverse Vorträge unserer Lektoren angeboten, unterbrochen von der Tee- und Kaffeezeit. Der Abend beginnt mit Rückblick und Vorschau auf den morgigen Tag. Prof. Staeck gibt uns diesmal kurze Informationen zu den Deckeltopfpflanzen, die wir schon mehrfach sehen konnten: der Kanonenkugelbaum, der Paradiesnussbaum sowie der Paranussbaum mit seiner vielfach beachtlichen Größe von 40 bis 50 Metern. Sehr interessant ist der Bestäubungsprozess der Blüten der Paranuss durch die Prachtbiene, die sich nur paart, wenn die Bienen-Damen zuvor an einer bestimmten Orchideenart „geschnuppert“ haben. Die gegenseitigen Abhängigkeiten aller Lebewesen in diesem Ökosystem sind offenbar weit komplexer, als den Forschern bisher bekannt ist. Alles hängt mit allem zusammen!

Der Abend an Bord klingt mit einem „sing-along“ im Club aus, den unser Lektor und Gitarrist Dr. John Harwood gestaltet. Bevor wir alle gemeinsam internationale Lieder, Kanons und Evergreen singen, gibt John 7 musikalische Beispiele aus den umliegenden südamerikanischen Ländern in portugiesischer, spanischer und englischer Sprache zum Besten. Musik verbindet! Das ist an diesem Abend spätestens der Fall, als wir abschließend zusammen das Lied von Reinhardt Mey anstimmen: „Gute Nacht Freunde…“

Libertad

13. TAG

Ort: auf dem Amazonas/Kolumbien +++ Wetter: 26 Grad Celsius

Das Dreiländereck „Tres Fronteras“ im Amazonasbecken stellt besondere Anforderungen an unser Schiff und das fängt mit der Ankerposition an, die haargenau auf der Grenze zwischen Brasilien, Kolumbien und Peru liegen muss. Nur so ist zu gewährleisten, dass die Abfertigungsbehörden aller drei Länder gleichzeitig an Bord der BREMEN kommen. Selbstverständlich darf es unter den offiziellen Vertretern der jeweiligen Länder keine Kommunikation geben. Dementsprechend haben wir in jeder Ecke unserer Panorama Lounge einen großen Tisch mit der entsprechenden Nationalflagge darauf aufgestellt, damit das unabhängige Arbeiten gewährleistet ist. Sandwiches und Getränke werden gleichmäßig und in ausreichendem Maße zur Verfügung gestellt und unser Zahlmeister Tobias und andere Offiziere versuchen ihre Aufmerksamkeit den Offiziellen gegenüber so zu verteilen, dass sich niemand benachteiligt fühlt. Zugegeben war es schon komisch, wie die Pässe und andere Dokumente von uns Offizieren von Tisch zu Tisch getragen wurden. Jedenfalls konnten wir die etwa 50 Damen und Herren zufrieden stellen, was nicht zuletzt durch diverse Schiffsführungen und Fototermine vereinfacht wurde. Immerhin (und fairerweise) wurde unseren Gästen behördlicherseits erlaubt, bereits ab 0900h die kolumbianische Stadt Leticia zu besuchen, obwohl das Ein- und Ausklarierungsprocedere noch nicht beendet war.

Leticia

Leticia ist mit dem brasilianischen Tabatinga zusammen gewachsen und zwischen den beiden Stadtteilen finden heutzutage keine Grenzkontrollen statt. Unsere Boote bringen uns an eine kleine Landungsbrücke, so dass wir schnell in das überaus geschäftige Treiben der Stadt eintauchen können. Das Leben auf der Straße wird von vielen kleinen Geschäften, eiligen Menschen, Motorrädern und Mopeds als Hauptverkehrsmittel und auffallend vielen Kindern bestimmt. In der Stadt selbst stoßen wir immer wieder auf Denkmäler und Bauten, die auf die Gründung der Stadt mit dem alten Namen „San Antonio“ und den Kautschukboom des 19. und 20. Jahrhunderts hinweisen. Heutzutage sind die größten Arbeitgeber die Wirtschaftszweige Fischfang, Holzfällerei und Tourismus. Der Fischmarkt bietet eine große Vielfalt an exotischen Fluss-Fischen, die man allerdings nicht auf dem Hamburger Fischmarkt findet. Der reich bestückte Obst- und Gemüsemarkt unterscheidet sich mit seinem Angebot von dem unsrigen in Mitteleuropa hauptsächlich darin, dass die Früchte nicht „wie gemalt“ aussehen, sondern auch Druckstellen haben. Die etwa 100.000 Einwohner der 3 Stadtteile, Tabatinga, Leticia und des peruanischen Santa Rosa, scheinen über die Grenzen hinweg regen Austausch und gute nachbarschaftliche Beziehungen zu pflegen. Auch der früher bekannte Drogenschmuggel ist durch eine starke und allgegenwärtige Präsenz von Polizei und Armee deutlich eingedämmt worden, wie man uns versichert. Unser Stadtrundgang zeigt uns allemal eine neue und interessante Seite des Lebens am großen Amazonas-Strom; wobei auch die Möglichkeit genutzt wird, dem Shopping zu frönen.

Anakonda, Wickelbär, Zwergseidenäffchen und Fußbälle

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Während der Mittagszeit verlegen wir unseren Ankerplatz 26 Meilen flussaufwärts zur Siedlung Libertad; nunmehr unter der Beratung zweier peruanischer Lotsen in weißer Uniform. An der Anlegestelle des Dorfes, ein überdachter Ponton, werden wir von den Yagua Indianern begrüßt und zu ihrem Dorf, hoch auf der Steilküste gelegen, geführt, wo zunächst ein Früchtebüffet auf uns wartet. Einerseits bedauerlich, aber andererseits für die Yagua normal, haben diese mehrere Tiere des Urwaldes gefangen, so dass wir die Wildtiere aus nächster Nähe sehen oder auch berühren könnten. Aras, Sperlingspapageien und Amazonen sind genauso vertreten, wie Faultier, Wickelbär, Totenkopf- und Zwergseidenäffchen (das kleinste Äffchen überhaupt, mit maximal 16 cm Länge und nur 78 gram schwer), Schildkröten, eine 1,5 m lange Königsboa und eine Anakonda-Schlange, die größte Boa der Welt, die in diesem Fall etwa 2,5 m misst. Der Erwerb kleiner Handarbeit und Souvenirs (wobei wir streng auf die Einhaltung der Gesetze des Artenschutzes achten), eine Tanzvorführung der Yagua und die Möglichkeit, ein paar Fotos mit den freundlichen Einheimischen zu machen, rundet unseren Aufenthalt ab. Es ist für uns eine traditionelle Verpflichtung auf unseren Expeditionsschiffe, uns mit Gastgeschenken, wie Schul- oder Sportmaterialien zu bedanken und diese dem Häuptling zu übergeben. Das löst viel mehr Freude aus, als individuelle Gaben und, wen wundert es: Schulmaterial kann es mit der Beliebtheit von Fußbällen nicht aufnehmen! Bei unseren Gästen an Bord, die zu den Präsenten freigiebig beigetragen haben, bedanke ich mich sehr herzlich!

Gegen 18 Uhr verabschieden wir uns von Libertad und den winkenden Menschen am Ufer und fahren mit unserem Schiff, auf dem wir inzwischen heimisch geworden sind, in die schnell hereinbrechende Nacht, die bald mild und klar über Fluss und Land liegt.

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14. TAG

Ort: auf dem Amazonas/Kolumbien +++ Wetter: 28 Grad Celsius

Mit einer kleinen Verspätung, bedingt durch die zeitweise sehr starke Gegenströmung während der Nacht, laufen wir in den Rio Ampiyacu ein und ankern in der Mitte des kleinen Flusses, wenige Meter von den Ufern entfernt. Dies ist das erste Mal, dass wir wegen des sehr hohen Wasserstands in diesen Schwarzwasserfluss einfahren können. In früheren Jahren ging die BREMEN draußen im Strom in Ankerposition. Das hatte längere Wege zur Folge sowie ständige Aufmerksamkeit an der Seitenpforte, da der Fluss große Mengen Treibgut bis hin zu Baumstämmen mitreißt, welche unsere Plattform leicht beschädigen können.

Sobald wir unser Schiff stromrecht ausgerichtet haben, kommt der kleine lokale Dampfer, die „Amazon Queen“, längsseits an die Außenpforte und unsere Gäste wechseln das Schiff. Die Ausflugsziele des Vormittags sind zwei Dörfer, nämlich die der Bora und der Huitoto Indianer. Wiederum freuen sich die Menschen in diesen Siedlungen über unseren Besuch und die Kinder sind aufgeregt und suchen den Kontakt mit uns. Wir dürfen ausdrücklich die Versammlungshäuser, also den zentralen Gemeinschaftsraum der Bewohner, betreten, wo auch kleine Tanzvorführungen stattfinden. Bereitwillig lässt man uns auch in die Wohnhäuser schauen, wo wir Einblick in die traditionellen Lebensumstände der Menschen nehmen dürfen. Das selbstverständliche Zuvorkommen der Indianer, ihre Gelassenheit und Freundlichkeit empfinden wir stets als erstaunlich und entwaffnend. Zu Hause, in unseren Ländern, lassen wir nicht so leicht fremde Menschen in unser Privates Leben Einblick nehmen. Zwischen den Dörfern sind eine Krankenstation und ein Schulgebäude errichtet, welche von beiderlei Gruppen genutzt werden. Unsere kleinen Geschenke sind dort sehr willkommen und gut investiert.

Fitzcarraldo und die Amazon Queen

Zum Mittagessen fährt uns die „Amazon Queen, die zweifellos ein „Fitzcarraldo-Gefühl“ vermittelt (vermutlich hat jeder Mitreiseende an Bord den Film-Klassiker von Werner Herzog mit Klaus Kinski in der Hauptrolle gesehen), zurück zur BREMEN. Dort ist in der Zwischenzeit eine Armada kleiner Einbäume und Holzboote an unserem Heck vertäut. Familien mit „Kind und Kegel“ preisen verschiedenste Souvenirs und Früchte zum Kauf und Tausch an oder sind einfach nur neugierig auf die fremden Besucher. Leider werden auch kleine, ursprünglich wilde Tiere angeboten, was wir überhaupt nicht gern sehen und auch nicht tolerieren möchten. Dennoch freuen wir uns sehr, diese sympathischen Menschen bei uns zu haben.

El_Toucan01Am Nachmittag übernehmen wieder unsere Zodiacs das Übersetzen der Gäste in die kleine und sehr gepflegte Ortschaft Pevas. Besonderer Anziehungspunkt des Ortes ist das große, über der Siedlung thronende Haus mit Ausstellungsräumen des weit über Peru hinaus bekannten Malers Francisco Grippa. Der inzwischen ältere Herr bewohnt mit seiner 7. Frau und den Kindern diesen großen Holzbau und ist herzlich gerührt, uns zu sehen und ein paar seiner Bilder, die vorwiegend Eindrücke des Amazonas reflektieren, verkaufen zu können. Es wird gesagt, dass die Grippa-Bilder durch den internationalen Bekanntheitsgrad des Künstlers eine steigende Wertanlage darstellen; Kreditkarten sind willkommen. Mancher von uns Besuchern hat auch den Weg in die eindrucksvolle Kirche gefunden, deren Raum einige hundert Personen fasst. Das Gotteshaus ist sehr schlicht, aber liebevoll eingerichtet und mit tropischen Blumensträußen im Altarraum geschmückt. Ja richtig, heute feiern Christen in aller Welt das Osterfest! Der Vollmond nach Frühlingsanfang, der noch vor wenigen Tagen über uns im Zenit stand, hat uns bereits auf das hohe Fest hingewiesen. Frohe Ostern wünschen wir einander – Feliz Pascua!

Gegen 17 Uhr müssen wir diesen schönen und wiederum ganz anderen Ort Pevas am Gestade des Amazonas verlassen. Unsere peruanischen Lotsen bestehen auf dem Tageslicht für unsere Abfahrt. Rückwärts, denn der Platz reicht nicht aus die BREMEN zu drehen, manövrieren wir aus dem kleinen Nebenfluss zurück in den großen Strom. Der Sonnenuntergang, der an jedem Tag anders, aber in diesem Land immer spektakulär ist, lässt uns noch eine Zeitlang an Deck verweilen und über unsere Erlebnisse sinnieren. Beim anschließenden Oster-Gala-Abendessen erfreut uns Küchenchefin Yvonne wieder mit köstlichen Speisen und unser Barchef Tom mit feinen Getränken; gute Gespräche und eine freudige Stimmung lassen diesen Ostersonntag harmonisch ausklingen.

15. TAG

Ort: auf dem Amazonas/Peru +++ Wetter: 24 Grad Celsius

Das Konzert der Vögel im nahen Uferwald beginnt mit vereinzelten Stimmen, die sich schnell mehren und verdichten und schließlich in einem langen energischen Crescendo den neuen Tag willkommen heißen. Der Ostermontag beginnt auf der BREMEN wiederum früh um 6.15 Uhr mit einem Besuch der Isla de los Monos. Die Insel ist ein Schutz- und Auswilderungsgebiet für Affen, das vor über 10 Jahren durch private Initiative auf dieser peruanischen Fluss-Insel etabliert wurde. Viele der dortigen Affen sind jung als Haustiere auf Märkten, wie beispielsweise in Belem, verkauft worden. Sie gewöhnten sich an Menschen, wurden aber von den Besitzern als „Halbwüchsige mit zu viel Energie“ wieder abgegeben. Diese Tiere wieder im Regenwald auszuwildern, ist das Ziel des Projektes, das wir besuchen. Das Füttern der Tiere ist deshalb natürlich untersagt. Zur Anlandung empfehlen wir heute das Tragen von Gummistiefeln, denn Regen und hoher Wasserstand haben den Boden aufgeweicht. Zudem wird geraten, auf das Tragen von Schmuck zu verzichten, denn die Affen stibitzen gern Ohrringe, Ketten, Mützen oder Kameras und tragen ihre Beute in die Bäume.

20-Isla_de_los_Monos015_e76d618377Nach wenigen Stunden Aufenthalt in Los Monos sind wir wieder auf der Weiterreise und befahren nach dem Passieren der Stadt Iquitos neues und uns bislang unbekanntes Terrain. Wir müssen uns auf unsere Lotsen verlassen, denn die letztmalig aktualisierten Seekarten sind schon ein paar Jahre alt und der Fluss verändert sich alljährlich in erheblichem Maße. Ebenso wenig können wir Außenstehende die Pegelstände des Flusses einschätzen, die ohnehin nicht offiziell publiziert werden. Zunächst versuchen die beiden Flusslotsen einen hinreichend tiefen Weg für unser Schiff im breiten Flussbett zu finden, indem sie auszumachen, wie der Strom mäandert und wo die höchste Fließgeschwindigkeit anzutreffen ist; sie versuchen den Fluss „zu lesen“, wie man sagt. Doch die Wassertiefe unter dem Kiel fällt auf diesem Streckenabschnitt immer weiter und ein Umkehren auf die vormals befahrene Route, die wir aufgezeichnet haben, ist notwendig geworden. Etwas enttäuscht von dem fehlgeschlagenen Versuch, wollen wir aber nicht resignieren und navigieren vorsichtig in einen Nebenarm. Dieser Weg wird offenbar regelmäßig von größeren Flussschiffen befahren, deren Tiefgang allerdings 3 Meter geringer ist als der der BREMEN.

Diesmal haben unsere Pilots glücklicherweise die richtige Entscheidung getroffen und wir erreichen wohlbehalten größere Wassertiefen von 20 Meter und mehr und kommen gut voran. Vor Erreichen eines Fluss-Bereiches, der als Tageslichtpassage ausgewiesen ist, ankern wir und befinden uns nur noch ganze zwei Meilen vor dem offiziellen Ende des großen Flusses, der „Amazonas“ heißt. Inzwischen bricht auch die Nacht herein und der traditionelle Kapitäns Abschiedscocktail steht auf dem Programm, gefolgt vom festlichen Abschiedsessen. Zwar ist es noch ein bisschen früh, „Auf Wiedersehen“ zu unseren lieben Gästen zu sagen, doch das weitere Programm bietet keinen günstigen Termin.

Seit Jahrzehnten werden auf den Hapag Lloyd Kreuzfahrtschiffen malerisch verschönerte Seekarten für einen guten Zweck versteigert oder verlost. Die Karte dieser Reise, die den Amazonasfluss in seiner ganzen Länge zeigt, wurde von unserem Besatzungsmitglied Elron Olatan wahrhaft künstlerisch ausgestaltet. Der Erlös der Verlosung geht zum einen als Sachspende an die von uns besuchten Amazonasdörfer und zum anderen in den Besatzungsfond, einer Sport, Gemeinschafts- und Ausflugskasse. Im Rahmen des Gesangsauftritts unseres berühmten Besatzungschores der BREMEN, wird der glückliche Gewinner, der schönerweise ein treuer Gast und Freund des Schiffes ist, ermittelt. Als unser Chor das letzte Lied des kleinen Seemannslieder-Programms anstimmt, werden wir ein bisschen wehmütig; eine so schöne und ereignisreiche Reise möchte nie zu Ende gehen: „I am sailing, I am sailing home again, across the sea…“

16. TAG

Ort: auf dem Amazonas/Peru +++ Wetter: 28 Grad Celsius

Mit Spannung erwarten wir den Morgen, der uns das nötige Licht für die Weiterreise schenkt. Es geht wieder Anker-auf und unsere BREMEN verlässt bald den Amazonas und steuert an der Gabelung des Stromes in den Rio Maranon. Durch die Flüsse Maranon, Huallaga und Ucayali entsteht an dem von uns passierten Knotenpunkt der Amazonas. Der über 1900 Kilometer lange Maranon ist der größere der beiden Quellflüsse des Amazonas und damit hydrologisch die Hauptquelle. Relativ zügig und mit durchgehend zufriedenstellenden Wassertiefen, erreichen wir den westlichsten Punkt dieser Reise bei El Toucan und ankern das Schiff. Unsere Gäste fahren mit den Zodiac-Booten weitere 1,5 Meilen flussaufwärts, um eine kleine Wanderung durch den Regenwald zu machen, der hier, fast unglaublich, noch üppiger und grüner zu sein scheint als im Unterlauf des Flusses.

Nauta01Das Erreichen von El Toucan ist für unsere stolze BREMEN die Verwirklichung eines ambitionierten Zieles, an dem lange gearbeitet wurde. Insbesondere ist es unserer Expeditionsleiterin Claudia Roedel zu verdanken, dass der Plan nunmehr Wirklichkeit geworden ist, denn Claudia hat das Gebiet zuvor bereist und alle Verfügbaren Informationen gesammelt und bewertet. Unseres Wissens hat bislang kein seegehender Kreuzfahrer den Fluss bis zu diesem Längengrad befahren. MS Bremen hat einmal mehr ein neues Kapitel in der Expeditionsfahrt geschrieben und dies ist ihrer Besatzung und den fleißigen Helfern an Land zu verdanken! Natürlich und mit ein bisschen Stolz, ist auch unsere (dem Vernehmen nach diesmal etwas aufgeregte) Chefin in Hamburg informiert worden, der vielleicht ein kleiner Stein vom Herzen gekullert ist… die Verwirklichung von Ideen und Visionen bedingt, dass man für eine Sache wirklich „brennt“, mit Herz und Verstand!

Am frühen Nachmittag verholen wir das Schiff zum Ort Nauta, der 5 Meilen (nun) stromabwärts liegt. Unsere Boote bringen uns an Land, wo eine Rundfahrt mit den motorisierten Rikschas geplant ist. Begeistert haben unsere Gäste diese Fahrt aufgenommen  und einen entlegenen Ort mit seinen Besonderheiten bereist, den nicht viele Touristen gesehen haben dürften. Es ist anzumerken, dass Nauta das historisch bedeutsame Zentrum der Region Loreta ist, in dem sich auch das größte Naturschutzgebiet Perus befindet, das Pacaya-Sanira.

Die Nacht verbringen wir, gut verankert, vor diese kleinen Stadt Nauta mit ihren etwa 10.000 Einwohnern. Mit einer gewissen Zufriedenheit machen wir uns deutlich, dass wir vom Atlantik aus tausende Meilen auf dem gewaltigen Amazonas nach Westen gefahren sind und an unserem Wendepunkt nur noch 686 Kilometer Luftlinie vom Pazifik entfernt waren. Dieses wunderbare Erlebnis wird noch lange in uns nachklingen.

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17. TAG

Ort: auf dem Amazonas/Peru +++ Wetter: 28 Grad Celsius

Es regnet heftig, als wir am früheren Morgen den Anker vor Nauta hieven wollen. Auf der Brücke schauen wir uns gegenseitig betrübt an, denn ein herrlicher Sonnenaufgang, so wie wir ihn in den vergangenen Tagen immer wieder erlebten, ist uns nicht vergönnt. Die Weiterreise wird davon natürlich nicht beeinflusst und die Maschine gestartet, als der Zimmermann vorne auf der Back vermeldet, dass sich zwei Baumstämme an unserer Ankerkette verhakt haben. Nach kurzer Beratung werden zwei unserer Booten mit jeweils drei Besatzungsmitgliedern und Ausrüstung unter der Leitung unseres 1. Offiziers heruntergelassen, um die Kette in dem starken Strom von den Hindernissen zu befreien. Nach einigen Minuten Arbeit wird der Vollzug der Mission gemeldet und die Boote wieder aufgenommen. Während der Regen etwas nachlässt, drehen wir unsere BREMEN flussabwärts und erreichen nach einer Stunde Puerto Grau, wo eine Anlandung mit einem Spaziergang zu einem Aussichtsturm geplant ist. Vermutlich wegen des Regens fällt die Beteiligung nicht, wie sonst üblich, 100-prozentig aus und mancher Gast genießt ein längeres Frühstück. Nachdem wir auf dieser Reise so viel Glück mit dem Wetter hatten, darf es auch einmal regnen, ist der allgemeine Tenor; schließlich muss das viele Wasser irgendwo herkommen.

Amazonas4_01Im Laufe des späteren Vormittags verabschiedet sich der Regen gänzlich, und wir genießen noch einmal die Fahrt entlang der Wälder an den Ufern des großen Flusses. Gegen 16 Uhr kommt die Stadt Iquitos, unser Zielhafen, langsam in Sicht. Es gibt bei der Einfahrt in den See, an dem die Stadt liegt, viele Fluss-Schiffe, Boote, Werften, Holzfabriken und vielerlei Aktivitäten zu sehen. Iquitos ist die größte Stadt im tropischen Regenwald Perus und ein Knotenpunkt für den Umschlag von Waren, aber durch keine Straße mit der übrigen Welt verbunden; nur Boote bzw. Schiffe und Flugzeuge können die um 1750 von Jesuiten gegründete Stadt erreichen. Wir müssen noch ein bisschen auf das Freiwerden unseres Liegeplatzes warten, bevor wir schließlich um 18 Uhr sicher am Pier vertäut sind.

Das glückliche Erreichen des Endhafens einer Reise ist immer ein schöner und manchmal auch ein erhebender Augenblick. Wir blicken gerne zurück auf die viel zu schnell vergangenen Tage, in denen wir eines der großen Abenteuer erleben und den gewaltigsten Strom dieser Erde bis zu seinem Namensende befahren durften – den unglaublichen und einmaligen Amazonas! So vieles haben wir über diesen Strom gelernt und selbst erfahren, dass wir einen umfassenden Eindruck von einem wahren und enorm vielfältigen Naturwunder bekommen haben. Zudem haben wir der Abenteuer- und Reisebiographie der BREMEN mit dieser Reise eine weitere Seite hinzufügen können, indem wir uns bis über den Amazonas hinaus nach Westen gewagt haben. In der familiären Geborgenheit eines von einer engagierten Besatzung liebevoll betriebenen Schiffes, unserer BREMEN, haben wir uns wohl und wie zu Hause gefühlt; es sind die Menschen, Gäste und Besatzung, die den Unterschied ausmachen!

Ich bin dankbar, dass ich diese einzigartige Reise auf MS BREMEN erleben und Zeuge dieser faszinierenden und bunten Welt an dem großen Strom sein durfte! Mögen die Menschen sich der Fragilität des Regenwaldes bewusst sein und sein Überleben sichern. Von Herzen möchte ich einer wunderbaren Besatzung „danke“ sagen, mit der ich zusammen arbeiten, zusammen leben und zusammen viel Freude haben durfte. Genauso sehr danke ich auch unseren lieben Gästen, die unser Bemühen angenommen und uns mit viel Sympathie und Offenheit herzlich unterstützt haben. Das ist nicht selbstverständlich! Wir wünschen allen Gästen einen guten und sicheren Weg, wohin auch immer sie reisen mögen.

Auf ein Wiedersehen freuen wir uns sehr, doch bleiben Sie vor allem gesund!

Kapitän Olaf Hartmann ist quasi ein Hapag-Lloyd-Urgestein, hat bei der Reederei seine Ausbildung gemacht und ist in den 1980er Jahren auf die EUROPA gekommen. Seither fährt er auf Kreuzfahrtschiffen – und liebt es. Mehr zu den Autoren und Fotografen dieses Blogs: hier

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