Die Geschichte beginnt hier: Expedition 1.0 – die erste Nordlandfahrt 1894

Die Geschichte beginnt hier. Als im Jahr 1894 die AUGUSTA VICTORIA zur ersten Nordlandreise zum Nordkapp aufbricht, bereitet der Erfinder der Kreuzfahrt einer weiteren Innovation den Weg – der Expedition. Zum 125-jährigen Jubiläum der Kreuzfahrt berichtet der PASSAGEN BLOG von Hapag-Lloyd Cruises über einige Meilensteine in der Entwicklung der Kreuzfahrthistorie

Datum: 18.03.2016
Tags: #125jahrekreuzfahrten #hapaglloydcruises #1891diegeschichtebeginnthier
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EUROPA 2, Gespräch mit Kapitän Ulf Wolter. ©Susanne Baade, E2MAG.

von Lisa Schönemann


Die Geschichte beginnt hier: Expedition Eins-Punkt-Null. Sieben Meere und nur ein Leben. „Wer einmal gegen Mittag von Hamburg abdampfend, nach dem Diner an Helgoland vorbeizieht, während er behaglich an Deck seinen Kaffee schlürft, und nach einer wohldurchschlafenen Nacht im Angesicht der norwegischen Küste erwacht, der wird zum Apostel der Seereisen“, heißt es Ende des 19. Jahrhunderts in einem Prospekt der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Actien-Gesellschaft (Hapag). „Ein Stubenhocker“, wer angesichts der Weite des Ozeans daheim und ohne Vorstellung von der Welt bleibe.

Frühjahr 1894, Hapag-Direktor Albert Ballin hatte mit der Erfindung einer Vergnügungsreise in den Orient die ganze Branche hellhörig werden lassen, nun landete er den nächsten Coup: Der Luxusdampfer AUGUSTA VICTORIA sollte im Sommer, statt die Hamburg-Amerika Linie der Reederei zu bedienen, zur ersten Kreuzfahrt nach Norwegen aufbrechen. Mit der Idee von einer „Excursion“ ins Nordmeer traf Ballin den Geschmack des wilhelminischen Reisepublikums, das sich an den Vorlieben des Kaiser für das Nordmeer orientierte: Wilhelm II. steuerte mit der gesamten Entourage regelmäßig das Nordkap an, ließ die Staatsyacht HOHENZOLLERN Kurs auf dramatische, wolkenverhangene Fjordlandschaften nehmen.


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Am 10. Juli 1894 war die AUGUSTA VICTORIA startklar für die Premiere der Nordlandfahrten. Der erste Offizier, in Gala-Uniform, begrüßte die mitreisenden Damen und Herren, ließ die Fallreepstreppe einholen, wenig später mehrten sich die Umdrehungen der Schiffsschrauben. Wir kennen nicht alle Details der See-Tage auf dem Luxusdampfer der Hapag, wohl aber einige Tagebucheinträge wie den des Passagiers Wilhelm Hörmann über die Stunden auf dem Sonnendeck: „Man wird bekannt, auch mit Damen, und fängt an zu poussieren.“ Auch sollen die Reisenden äußerst beliebte „Spiele und Kissenschlachten“ initiiert haben. Schließlich zeigten sich am 30. Juli 1894 vor der norwegischen Küste einige Segel, die See hob das Schiff in leiser Dünung auf und nieder.


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Die Stadt Haugesund an Steuerbord passierend, lief die AUGUSTA VICTORIA in den von grünen Bergen und Tälern umschlossenen Hardangerfjord und den in der Dämmerung märchenhaft beleuchteten Sørfjord ein. Nach vier Tagen und herrlichen Ausflügen, etwa zum Gletscher bei Odda und den Wasserfällen bei Romsdal, erreichte das Schiff die Krönungsstadt Trondheim. Am folgenden Nachmittag kam nach schnaubender Fahrt der steil aus dem Wasser aufragende Felsenrücken des Nordkaps in Sicht. Der Bug der AUGUSTA VICTORIA schob sich auf die tiefschwarzblauen Fluten des offenen Eismeeres. Die großartige Natur hatte es allen angetan, obwohl es hier „keine einzige Erdbeere“ gab und „man den Rock auch im Sommer hübsch“ anließ.

Von Tromsø ging es nach Abstechern in die atemberaubenden Fjorde wie den Nordfjord bei Alesund, den berühmten Geirangerfjord und Sognfjord sowie schließlich durch den majestätischen Nærøyfjord (an der engsten Stelle nur 25 Meter breit, an beiden Seiten ragen die Berge fast tausend Meter senkrecht in die Höhe) bis Gudvangen. Namen, die bei den Daheimgebliebenen schnell die Runde machten, so dass die Reederei die Nordlandfahrten ab 1895 bis in die dreißiger Jahre ins Programm nahm und ab 1896 bis hinauf nach Spitzbergen fuhr. Eine 19-tägige Kreuzfahrt kostete anfangs pro Koje in der Zweierkabine zwischen 800 und 1500 Mark –  deutlich mehr als das Monatseinkommen eines einfachen Arbeiterhaushaltes.


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Nach dem Krieg sank die Bedeutung der Schiffe als Urlaubsverkehrsmittel zugunsten des zunehmenden Flugverkehrs. Erst in den 1980er Jahren ließ Hapag-Lloyd die Tradition der Expeditionsreisen wieder aufleben: Seit 1993 fährt die BREMEN mit dem Zertifikat „Höchste Eisklasse“ für Passagierschiffe auf entlegenen Routen am Nord- und Südpol, 1996 umrundete die BREMEN als erstes Passagierschiff die Inseln und Schären von Spitzbergen. Das zweite Expeditionsschiff, die HANSEATIC, steuert ebenfalls entlegene Regionen wie die Arktis, die Antarktis oder den Amazonas an. Sie ist das einzige 5-Sterne-Expeditionsschiff der Welt und bewältigte 2012 als erstes nicht russisches Passagierschiff die Nordostpassage.

„Was ist dem Stubenhocker das Weltbild?“ lautet eine Frage im eingangs zitierten Prospekt der Hapag. Und die Antwort: nicht mehr als ein Globus oder eine Karte. Und weiter heißt es im Duktus der Jahrhundertwende: Erst durch „persönliche Begegnung macht man die Bekanntschaft der weiten Welt, die früher nur wenigen Berufs- oder Forschungsreisenden vergönnt war“. Das mag pathetisch klingen, vielleicht ein wenig altbacken (ist es doch auch mehr als 100 Jahre alt), und doch: Es ist immer noch wahr.


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Fotos: Archiv, Hapag-Lloyd AG, Susanne Baade


 

Die Geschichte beginnt hier. Die Themen-Seite zum Jubiläum 125 Jahren Kreuzfahrten sammelt Berichte über die Innovationen von Hapag-Lloyd Cruises, zudem werden über einen Zeitraum von mehreren Monaten einige Reisen mit einem Jubiläumsrabatt von 12,5 Prozent angeboten.

Die erste Kreuzfahrt mit der AUGUSTA VICTORIA startete am 21. Januar 1891. Lesen Sie hier den Bericht im PASSAGEN BLOG über die „Lustreise in den Orient“. Diese Reise war nicht nur eine Premiere, sie bildete auch den Auftakt der Kreuzfahrt-Branche – und bei der Ausstattung der Schiffe setzte man fortan nicht mehr nur auf Geschwindigkeit, sondern auch auf Komfort.

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