Künstlerin
Minjung Kim
Minjung Kim (*1962, Gwangju, Republik Korea) ist eine zeitgenössische koreanische Künstlerin, bekannt für ihre transparenten Tuschearbeiten und subtilen Kompositionen auf geschichtetem Maulbeer-Hanji-Papier. Ihr Werk verbindet traditionelle koreanische Ästhetik mit einer prozesshaften, meditativen Arbeitsweise. Durch das wiederholte Schichten und vorsichtige Brennen des Papiers thematisiert sie Zeit, Erinnerung und emotionale Heilung. Bewegung, Farbe und Rhythmus versteht sie als unmittelbaren Ausdruck ihres inneren Zustands. Früh von ihrer Familie gefördert, studierte Kim bereits als Jugendliche orientalische Kalligrafie sowie Malerei bei verschiedenen Lehrern, darunter die Aquarellmalerin Yeongyun Kang. Diese Ausbildung vermittelte ihr ein tiefes Verständnis der asiatischen Denktradition, in der Kontinuität und Energiefluss zentral sind – Aspekte, die auch Jean-Christophe Ammann als wesentlich für die östliche Kunst beschreibt. Der kontrollierte, konzentrierte Pinselstrich wurde für Kim zu einem Mittel, Energie gezielt zu kanalisieren. 1980 begann sie ihr Studium an der Hongik-Universität in Seoul, das sie 1985 abschloss und dort mit einem Master über die vier Grundmaterialien der Tuschemalerei vertiefte. Aus Interesse an der westlichen Kunst zog sie anschließend nach Mailand und absolvierte 1991 die Accademia di Brera. Die Auseinandersetzung mit Künstlern wie Paul Klee und Franz Kline führte sie schrittweise von der figurativen Tradition zu einer abstrakten Zeichensprache. Seit 1998 arbeitet Kim bevorzugt mit übereinandergelegten Papierlagen, die sie partiell einbrennt, um räumliche und zeitliche Dimensionen sichtbar zu machen. Ihre Werke wurden weltweit ausgestellt, unter anderem auf der Biennale von Venedig 2015, und befinden sich in zahlreichen internationalen Museums- und Privatsammlungen. Heute lebt und arbeitet Minjung Kim in Frankreich und den USA.