Weiß, dicht, unberechenbar: Kapitän Peter Rößler berichtet von der aktuellen Expedition durch die Nordwestpassage

Dichter Nebel, dichtes Packeis – in seinem Logbuch von Bord berichtet Kapitän Peter Rößler über zwei besondere Tage in der Nordwestpassage. Aktuell befindet sich unsere HANSEATIC inspiration auf dieser einzigartigen Expeditionsreise. Kapitän Rößler und sein Brückenteam meistern eine intensive Passage. Für die Gäste an Bord werden diese unvergesslich bleiben.

Datum: 01.09.2026
Tags: #hanseaticinspiration

Kurz vor 22 Uhr verändert sich das Wasser vor dem Bug der HANSEATIC inspiration. In der dunklen Dünung zeichnen sich immer mehr helle, gezackte Schollen ab, erst vereinzelt, dann dichter werdend. Die Beaufortsee zeigt ihr wahres Gesicht: einjähriges und mehrjähriges Packeis. Anfangs eher der Skala 5 bis 6 von 10 entsprechend. Auf der Brücke wird die Fahrt gedrosselt. Scheinwerfer tasten die Eiskanten ab. Die Nordwestpassage verlangt volle Konzentration.

Viel Erfahrung und Leidenschaft auf der Brücke

Seit vielen Jahren manövriert Kapitän Peter Rößler die kleinen, wendigen Expeditionsschiffe durch arktische und antarktische Gewässer. In ausführlichen Tagebucheinträgen berichtet er immer wieder über die besonderen und auch herausfordernden Momente dieser Reisen. In seinem Logbuch hält er fest: „Mit langsamer Fahrt suchen wir unseren Weg durch das Eis.“ Ein einfacher Satz für eine hochkonzentrierte Aufgabe, bei der jede Entscheidung auf der Brücke zählt.



Der nächste Morgen schenkt der HANSEATIC inspiration und ihren Gästen einen dieser magischen, stillen Arktis-Momente: Ein Sonnenaufgang taucht das Packeis, das inzwischen auf 7 von 10 zugenommen hat, in warmes Licht. Fast Windstille liegt über dem Schiff, das Eis glitzert, die Luft wirkt wie eingefroren. Viele Gäste bezeichnen diesen Tag später als unvergesslich. Am Nachmittag dann die Krönung: drei Eisbären werden gesichtet, souveräne Bewohner einer Landschaft, die für Menschen kaum zugänglich ist.

Nebel und Nullsicht: höchste Präzision bei der Navigation

Die Arktis kennt keine ruhigen Nächte. Gegen 2 Uhr morgens zieht dichter Nebel auf, die Sicht sinkt auf null. Immerhin hat die Packeiskonzentration auf 3 von 10 abgenommen, sodass die Fahrt mit äußerster Vorsicht und mithilfe des Radars fortgesetzt werden kann. Gegen 6 Uhr lichtet sich der Nebel für eine knappe Stunde, dann kehrt er zurück. Diesmal liegt die Sicht bei kaum 100 Metern. Erneut nimmt das Packeis zu auf 6 von 10. Für das gesamte Brückenteam eine der anspruchsvollsten Phasen der Reise. Kapitän Rößler schreibt: „Eine sehr große Herausforderung für das ganze Brückenteam." Erst gegen Mittag lässt der Nebel endgültig nach, der Himmel bleibt trüb, doch die Sicht kehrt zurück.

Offenes Wasser und ein cleverer Plan

Gegen Mitternacht erreicht die HANSEATIC inspiration wieder offenes Wasser. Zwei Tage und zwei Nächte hat das Schiff im Packeis verbracht, länger als ursprünglich geplant, es waren intensive, eindrückliche Momente. Noch während der Eisfahrt gelingt eine praktische Lösung: Die Einklarierung mit den kanadischen Behörden kann elektronisch erfolgen und wird am Nachmittag reibungslos abgeschlossen. „Dies ist dann am Nachmittag erfolgt und alles hat problemlos funktioniert", notiert der Kapitän zufrieden. Dieser kleine bürokratische Kniff hat große Folgen: Die HANSEATIC inspiration erreicht die Smoking Hills nun deutlich früher, und die Gäste gehen für eine Zodiac-Tour von Bord.

Der Blick voraus zeigt: Ruhe ist noch nicht eingekehrt. Im Amundsen Golf wartet ein weiteres großes Packeisfeld, mehrere Stunden Eisfahrt inklusive. Für Kapitän Rößler und sein Team ist das keine Hürde, sondern der nächste Abschnitt eines Abenteuers, das die Nordwestpassage seit jeher auszeichnet.

Fotos und Text: Peter Rößler 

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