Behind the Scenes: die erste Werftzeit für unsere HANSEATIC spirit
Alle fünf Jahre steht die Erneuerung der Klasse an, eine Art großer Schiffs-TÜV. Gleichzeitig wird der Aufenthalt im Trockendock genutzt für einen neuen Anstrich, für zahlreiche Upgrades, etwa an der Technik und im Interior Design. In diesem Beitrag gehen wir an Bord der HANSEATIC spirit in der Lloyd Werft in Bremerhaven. Für einen Blick hinter die Kulissen der Werftzeit.


„Schon aufregend“, sagt Claas Fischer. Er steht im Hoody mit dem Hashtag #ExpiStyle auf der Brücke seines Schiffs und blickt hinunter ins Dock. Für ihn ist es die erste große Werftzeit als Kapitän der HANSEATIC spirit. Die ruht auf Holzklötzen, den so genannten Pallen, im Dock. Noch wird gefühlt überall gearbeitet: Auf den Hebebühnen am Schiffsrumpf stehen die Lackierer, auf dem Pooldeck rumoren Stemmhämmer, Schweißgeräte britzeln, aus einer der Kabinen ertönt das Singen einer Nähmaschine. Fußböden fehlen, Kabel hängen herab, Sofas stehen nackt, einer der großen Stazilisatorenflügel ragt aus dem Rumpf, die Ankerkette wie hingeworfen. Das ganze Schiff, das sonst den Gästen die Welt zeigt, liegt offen da.
Mehr Handwerker als im Normalbetrieb Gäste und Crew
Einer, der im vermeintlichen Gewusel einer Werftzeit den Überblick behalten muss, ist Ulrich Voss, Director Ship Management. Für ihn beginnen die Arbeiten lange vor dem ersten Tag im Dock III der Lloyd Werft in Bremerhaven. Monate der Planung stecken hinter jeder einzelnen Maßnahme. In der Hochphase sind bis zu 450 Handwerker und Monteure auf den Decks beschäftigt, mehr Menschen als das kleine Schiff im Normalbetrieb je an Bord nimmt. „Wie ein Auto alle zwei Jahre zum TÜV muss, steht für ein Schiff alle fünf Jahre die Erneuerung der Klasse an“, erklärt er. Dazu gehören zahllose technische Prüfungen und Wartungsarbeiten. Fenster werden neu abgedichtet, Balkontüren eingestellt, Böden erneuert und Leitungen kontrolliert. Vieles davon bleibt später unsichtbar. Genau das ist das Ziel.




„Wir schonen das Schiff ja auch nicht so richtig“, sagt der Kapitän mit einem verschmitzten Lächeln. Die HANSEATIC spirit erkundet die Eiswelten von Arktis und Antarktis, die Südsee und den Amazonas. Dabei muss der Rumpf einiges aushalten. Unter Wasser hat der Rumpf einen neuen Spezialanstrich bekommen. In fünf Schichten ist die Farbe erneuert worden. Auch die Ankertaschen aus Edelstahl und die Schutzplatten für den Bug wurden wieder auf Hochglanz gebracht. Das gesamte Unterwasserschiff wie neu.
Frische Farbe und Teppich statt Fliesen für mehr Komfort
Auf Deck 4 arbeitet Nele Richter mit ihrem Team an den sichtbaren Veränderungen. Die Project Manager Hotel Interior koordiniert Teppichleger, Tischler, Maler und Polsterer gleichzeitig. Im Spezialitätenrestaurant l’esprit verschwindet der bisherige Fliesenboden. Stattdessen entsteht ein neuer Teppich im Stil des alten Designs – deutlich leiser, wärmer und angenehmer für den Raumklang. Auch die Observation Lounge, die Rezeption, Treppenhäuser und zahlreiche Suiten erhalten neue Teppiche oder überarbeitete Oberflächen.
Das Schiff verändert sich von Stunde zu Stunde
Besonders: An Bord wurde während der Werftzeit sogar eine kleine Polsterei eingerichtet. Hier werden Sofas, Kissen und Vorhänge überarbeitet, Reißverschlüsse ersetzt und Stoffe angepasst. Manche Möbelstücke wandern dafür nur wenige Meter weiter in den nächsten Raum. Andere verschwinden komplett unter Schutzfolien. Gleichzeitig schleifen Handwerker Holzböden in der Observation Lounge oder im SPA-Bereich ab, lackieren sie neu und montieren Möbel wieder zurück an ihren Platz. Das Schiff verändert sich Stunde für Stunde.




Während überall gebaut, geschliffen und montiert wird, kümmert sich Victoria Müller darum, dass möglichst wenig verloren geht. Die Sustainability Managerin organisiert die Trennung und Weiterverwertung vieler Materialien, die während der Werftzeit ausgebaut werden. Alte Teppiche, Möbelteile oder Ausstattungen erhalten – wenn möglich – ein zweites Leben. Dafür gibt es viele Abnehmer. Abfällen müssen sauber getrennt werden, denn viele Materialien lassen sich wieder verwerten. Nachhaltigkeit zeigt sich in der Werft nicht als großes Schlagwort, sondern als tägliche Detailarbeit.
Der Kapitän freut sich – auf die Neugier der Gäste
Und dann kommt irgendwann der Moment, in dem aus Baustelle wieder Schiff wird. Die Steiger verschwinden, die letzten Schutzfolien werden entfernt, Crewmitglieder tragen Möbel zurück an ihren Platz, die HANSEATIC spirit ist zurück in ihrem Element – dem Wasser. Die nächste Reise ist bereits gestartet. Kapitän Claas Fischer hat den weißen „Blaumann“ wieder in den Spind gehängt. „Unsere Gäste sind ja sehr neugierig, und ich freue mich schon darauf, wenn sie an Bord kommen, um Neuerungen zu entdecken.“


Fotos/Video: Team, Text: Dirk Lehmann


