Wo das Licht niemals schläft. Mit der HANSEATIC nature nach Island und Spitzbergen
Expeditionen in die Arktis gehören zu jenen Reisen, die lange nachhallen. Mit unseren kleinen Expeditionsschiffen erkunden wir eindrückliche Landschaften, erleben eine faszinierende Tierwelt und kehren demütig und bereichert zurück. Ein Reisetagebuch.


1. Tag | Aufbruch in den Norden – Reykjavik
Funkelnd spiegelt sich das Licht der tief stehenden Sonne in der Fassade des Konzerthauses Harpa als unsere HANSEATIC nature gegen 21 Uhr den Hafen von Reykjavik verlässt. Die Auslauf-Musik spielt aus den Lautsprechern, der Kapitän lässt das Typhon erklingen. Drei Mal lang. Schon die Ausfahrt fühlt sich nach Expedition an. Vor uns der Nordatlantik, Möwen kreischen. Der Bug, an dem die kleine rot-weiße Hamburg-Flagge flattert, dreht nach Norden.
Auf dem Pooldeck wird die Expeditionskleidung verteilt. Und an Bord entsteht jenes besondere Gefühl, das diese Reisen prägt: Vorfreude auf das Unbekannte. Die Gäste haben ihre Kabinen bezogen, auf ersten Rundgängen das Schiff erkundet. Nur 130 Meter lang ist die HANSEATIC nature, nur vier der acht Decks dienen als Passagierdecks. Ein perfekter Rahmen für intensive Reisemomente. Im Tagesprogramm werden die Vorträge angekündigt. Der Himmel über dem Meer leuchtet. Plötzlich klingt ein Rufen über die Lautsprecher: Wale, Wale, Wale! Eine Schule Buckelwale lässt ihren Blas aufsteigen. Überall sind die Tiere, Backbord, Steuerbord, einige nähern sich neugierig. Was ein Auftakt!
2. Tag | Europas größte Vogelfelsen – Látrabjarg
Die Westfjorde Islands empfangen ihre Gäste mit dramatischen Küstenlinien. Über den Klippen von Látrabjarg kreisen Abertausende Seevögel, Papageitaucher verschwinden mit schnellen Flügelschlägen in ihren Bruthöhlen.
Die romantische Lovestory der Papageitaucher
Wer hier an Land geht, spürt sofort die Kraft dieses Ortes. Wind fegt über die Grashänge, tief unten brandet der Atlantik gegen schwarzen Fels. Die Vogelwelt wirkt überwältigend nah. Die Experten an Bord haben uns schon einiges mitgegeben, so dass wir das Gewusel am Fels ganz anders sehen: etwa dass Papageitaucher saison-monogam leben, beim Partner bleiben, mit dem die Brut aufgezogen wird. Und in den meisten Fällen ist das auch der Partner des vorherigen Jahres. Millionen Seevögel leben an diesem Ort. Das Papageitaucher-Paar erkennt sich am Ruf und findet immer zueinander.
4. Tag | Akureyri und der Norden Islands
Es hat eine fast hypnotische Wirkung, an Deck zu sein und auf die faszinierende Küste zu schauen. Vereinzelte Häuser, endlos wirkende Straßen, eine alte Fischfabrik, eine Siedlung und dann wieder Weite. Wasserfälle stürzen von den Bergen, Nebel zieht durch die Täler. Island wirkt ursprünglich, fast entrückt.
Der Eyjafjord gehört zu den schönsten Fjorden. Schneefelder leuchten auf den Bergen, während das Schiff langsam Richtung Akureyri gleitet. Die kleine Stadt am Fjord verbindet nordische Gelassenheit mit einer überraschend lebendiger Kulturszene. Nicht weit entfernt donnern die Wassermassen des Goðafoss in die Tiefe. Der „Wasserfall der Götter“ zählt zu den eindrucksvollsten Naturbildern des Landes. Die letzten heidnischen Götterbilder sollen hier versenkt worden sein. Wir verlassen Akureyri – und damit auch Island.




Die Arktis erleben – mit unseren kleinen Expeditionsschiffen
Die Wunder der weißen Welt: Die Arktis ist ein einzigartiger Lebensraum voller Kontraste – Heimat von Eisbären, Polarfüchsen, Walen, Robben und Moschusochsen. Mit unseren kleinen, robusten Zodiacs (Schlauchbote) und mit unseren erfahrenen Expertinnen und Experten wird die Expeditionsreise in die Arktis zu einem Erlebnis, das man nicht so schnell vergisst.
Anbei der Link zu unseren Arktis-Expedition!


6. Tag | Vulkaninsel im Nebel – Jan Mayen
Gestern hat die HANSEATIC nature Grimsey besucht, die kleine Insel liegt genau auf dem Polarkreis. Mit einer kleinen Zeremonie wurde die Überquerung gefeiert. Heute erhebt sich auf fast mystische Weise Jan Mayen aus dem Nordmeer. Nebel umhüllt die schwarze Vulkanlandschaft, aus der schneebedeckte Beerenberg ragt – der nördlichste aktive Vulkan der Erde.
Die Insel gehört zu den entlegensten Orten Europas. Nur wenige Forscher leben hier dauerhaft. Und bleiben meist unter sich. Denn die Anlandungen sind selten möglich. Auch wir schaffen es nicht. Ein Voraus-Zodiac mit Expeditionsleiter Torsten „Toddo“ Prietz kehrt zurück mit der Nachricht, der Swell sei zu stark. Und so lädt General Expedition Manager Nadine Armbrust die Gäste auf eine Zodiac Cruise rund um die eindrückliche, archaisch anmutende Landschaft.
7. Tag | Richtung Spitzbergen
Die Tage auf See gehören zu den unterschätzten Höhepunkten einer Arktisreise. Vorträge über Eisbären, Gletscher und Vogelwelten wechseln sich ab mit Ruhepausen, Restaurant-Besuchen und vielen Begegnungen. Dreizehenmöwen begleiten das Schiff, Nebelbänke ziehen vorbei, das Licht verändert sich minütlich. Immer wieder tauchen Wale auf. Auch auf See wirkt die Arktis.
8. Tag | Begegnung mit dem Packeis – Prins Karls Forland
Vor Spitzbergen verdichtet sich die Stimmung an Bord. Erste kleinere und größere Brocken Treibeis rumpeln gegen den Schiffsrumpf. Der ist zum Glück so verstärkt, dass die HANSEATIC nature sogar 50 Zentimeter dickes Eis durchbrechen könnte. Noch liegt noch Nebel über dem Horizont. Spitzbergen verhüllt sich. Doch dann die ersten Walrosse. Aufgeregt laufen alle Gäste auf die offenen Decks.
Es zeigt sich: Die Königin der Arktis
Später zeigt sich sogar der König der Arktis: ein Eisbär. Besser gesagt: die Königin. Denn es handelt sich um ein Muttertier mit zwei Jungen. Wir beobachten die drei aus sicherer Entfernung. Niemand spricht laut. Durch unzählige Ferngläser sieht man die kleine Bärenfamilie tollen und spielen. Bis sie außer Sichtweite sind. Für viele Gäste wird dieser Moment unvergesslich bleiben. Dabei begleitet später noch ein Zwergwal für eine Weile unser Schiff.
11. Tag | Das Donnern des Eises – am Monaco-Gletscher
Der Liefdefjord öffnet sich zu einer Wand aus Eis. Haushoch erhebt sich der Monaco-Gletscher, türkisfarbenes Schmelzwasser umgibt ihn, weiße Eisbrocken treiben davor. Dann ein Geräusch wie Donnerhall. Krachend kalbt der Gletscher. Ein gewaltige Eiswand stürzt ins Wasser, Wellen rollen durch den Fjord. Die Arktis zeigt hier ihre ganze Dynamik.


12. Tag | Expedition an die Packeisgrenze
Nachdem vor ein paar Tagen einige Gäste ein Bad im Eiswasser gewagt haben und dafür mit der Polar Plunge-Urkunde ausgezeichnet wurden, erreicht heute unsere HANSEATIC nature die Packeisgrenze. Ab hier gibt es für uns kein Weiterkommen.
Die Arktis ist eine Welt, die berührt
Schollen in unzähligen Formen und Farben treiben vor dem Bug. Dahinter endloses Weiß. Und irgendwo der Nordpol, einer jener mythischen Orte unserer Welt. Die Stimmung an Bord verändert sich. Viele Gäste stehen schweigend an Deck, die Blicke gehen in die Ferne. Anders als der Südpol in der Antarktis umgibt kein Kontinent den Nordpol. Nur Weite. Und Ruhe. Mit Kurs zurück nach Spitzbergen beginnt der Farewell-Abend.
Letzter Tag | Abschied unter der Mitternachtssonne – Longyearbyen
Der Besuch in Ny-Ålesund, einer der nördlichsten Siedlungen der Erde, zeigte, wie sehr sich unser Umgang mit der Arktis geändert hat. Einst wurde an diesem Ort unter widrigsten Bedingungen Kohle abgebaut. Heute erforschen hier Wissenschaftler die Auswirkungen des Klimawandels. Und auch an Bord wird das Thema von den Expertinnen und Experten immer wieder angesprochen. Heute heißt es: Koffer packen.
Guten Morgen Longyearbyen. Bunte Häuser schmiegen sich an die karge Landschaft Spitzbergens. Wolkenfetzen ziehen darüber hinweg. Vor dem Hafenterminal mahnt ein Schild zur Vorsicht vor Eisbären. Beim letzten Blick zurück bleibt vor allem: das Gefühl, einem Teil der Welt begegnet zu sein, der viel Aufmerksamkeit verlangt. Dafür aber viele unvergessliche Momente schenkt.
Bye-bye, HANSEATIC nature.
Fotos: Archiv, Text: Redaktion


