Expedition Antarktis, Teil 4: Naturwunder Südgeorgien

Seereise ins Ewige Eis: mit der MS BREMEN in die Antarktis, von Südamerika über die Falklands und Südgeorgien bis an den Rand des einzigen Kontinents ohne Ureinwohner. Fotografin Susanne Baade und Autor Dirk Lehmann waren in der Saison 2012/2013 auf dem Expeditionsschiff. Teil 4: Südgeorgien zeigt sich als Reich der Pinguine und Robben – und präsentiert uns den ersten Eisberg

Datum: 29.07.2014
Tags: #expeditionen

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Tag der Grauwerte: Nur die Rettungswesten der Zodiac-Fahrer setzen schwache Farbakzente an diesem nebeligen Morgen vor Südgeorgien. Teile der Inselgruppe im Südatlantik liegt unter einer dicken Wolkendecke

Eine Reisereportage von Susanne Baade (Fotos) und Dirk Lehmann (Text)

„Wer will morgen Sonne haben, bitte den Arm heben.“ Kapitän Mark Behrend steht in der Panorama Lounge vor den großen Scheiben, durch die man normalerweise einen tollen Blick auf das Meer hat. Doch jetzt sind die Vorhänge zugezogen. Expeditionsleiter Stefan Kredel hat in die Lounge gebeten, um die Passagiere mit den „Bio-Security“-Vorkehrungen für Südgeorgien vertraut zu machen. Besucher dürfen absolut kein Saatgut auf die Insel bringen. Um zu vermeiden, dass das zufällig geschieht, müssen Taschen, Schuhe, Mützen, Kamerastative, ja sogar Jackenklettverschlüsse und die Profilsohlen der Gummistiefel gereinigt werden (es gibt an Bord extra eine Stiefelwaschanlage). Doch bevor der Expeditionsleiter zu Wort kommt, droht der Kapitän angesichts der vielen erhobenen Arme mit gespielt vorwurfsvoller Stimme: „Das habe ich mir gedacht. Deshalb will ich Ihnen zeigen, warum Sie sich besser kein schönes Wetter wünschen sollten.“

Die katabatischen Winde

Auf die Leinwand – die Panorama Lounge dient auch als Vortragssaal – hinter dem Kapitän wird ein Bild projiziert, es zeigt unser Schiff in einer Bucht liegend. Das Wasser ist ruhig. Nächstes Bild. Dieselbe Bucht. Wieder erkennen wir die BREMEN. Doch diesmal ist die See aufgewühlt, weiße Schaumkronen auf den Wellen. „Nur zehn Minuten liegen zwischen beiden Aufnahmen“, sagt der Kapitän. Und erklärt den Grund für die dramatische Änderung der Wetterlage: Die Luft über einem Gletscher ist nicht nur kalt, sondern auch schwer. Kommt die Sonne heraus, steigt die erwärmte Luft über dem Meer schnell auf. Als Druckausgleichsströmung stürzen die Luftmassen mit großem Tempo vom Gletscher herab. Diese katabatischen Winde können Geschwindigkeiten von mehr als 200 Km/h erreichen. „Es versteht sich von selbst, dass wir die Anlandung sofort abbrechen müssen. Also hoffen Sie mit uns, dass es nicht zu sonnig wird.“

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Happy Feet: Mehr als 500.000 Königspinguine leben auf der von Gras und Eis überzogenen Salisbury Plain 

Am nächsten Morgen zeigt sich, der Kapitän ist erhört worden. Schwer hängen graue Wolken auf einer Landschaft aus schwarzen Bergen mit weißen Schneefeldern, wie eine Bleiplatte liegt das Meer. Die Natur als Schwarz-Weiß-Aufnahme. Die Zodiacs werden abgelassen und verschwinden auf eine Probefahrt, kommen zurück. Es kann los gehen. Zwar sind die Bedingungen nicht ideal für eine Anlandung. Aber völlig unproblematisch.

Maulige Seebären

Wir erreichen mit dem ersten Boot die Salisbury Plain. Schwimmweste ablegen, Kamera rausholen, auf Pirsch gehen. Einige Seebären liegen am Strand. Der Expeditionsleiter hatte uns geraten, vorsichtig zu sein. Wir sollen uns von den manchmal „mauligen Tieren“ besonders fern halten. Wenn uns eines zu nahe komme, nicht weglaufen – „die sind schneller als Sie“ – sondern groß machen. „Und laut um Hilfe rufen. Die Lektoren wissen, wie sich die Situation lösen lässt.“ Und, keine Sorge, bisher sei noch nie etwas passiert.

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Neugierige Frackträger: Meist sind die Pinguine neugieriger als es die Menschen sein dürften, die sich durchweg an die vorgeschriebenen Abstände halten – und gegebenenfalls erst stehen bleiben und sich dann zurück ziehen 

Als sich die Nebel langsam lichten, zeigt sich die Salisbury Plain in ihrer ganzen Dimension: Rund 50.000 Königspinguine nisten auf der weiten Ebene, die in weichen Hügeln ansteigt. Ohrenbetäubendes Kreischen liegt in der Luft. Wir streifen durch den abgesteckten Bereich, der den Besuchern zugänglich ist, und beobachten die Tiere. Wir genießen die Szenerie. Und sind nach einer Stunde so durchgefroren, dass wir uns auf den Rückweg machen. Eine Gruppe Pinguine watschelt als Abschiedsparade über den schwarzen Strand.

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Heiß erwartet: Den ersten Eisberg umrundet die BREMEN, damit ihn die Passagiere von allen Seiten fotografieren können

Während wir ein leichtes Mittagessen zu uns nehmen, lichten sich die Wolken. Die Sonne kommt raus. Mit Kurs auf die nächste Landestelle passiert die BREMEN den ersten Eisberg dieser Reise. Groß wie ein kleiner Flugzeugträger erhebt er sich auf der Backbordseite aus dem Wasser. Ein Kunstwerk der Natur, es zeigt wie viel Kraft in den Farben Weiß und Türkis steckt. Ein Vogelschwarm hat sich auf der glatten Eisfläche nieder gelassen.

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Da glühen die Kameras – angesichts des Eisriesens, der kaum kleiner ist als unser Schiff

Es ist bekannt, dass die Strömung immer wieder Eisberge aus der Antarktis nach Südgeorgien treibt. Vor einiger Zeit lief hier ein kilometerlanger Gigant auf Grund und zerbröckelte über Jahre. Auch unser Eisberg ist bereits älter. Der antarktische Sommer beginnt gerade erst, vor allem wenn es warm ist, brechen vom Schelfeis solche Stücke ab, die groß genug sind, die weite Reise bis nach Südgeorgien zu überstehen – ohne dahinzuschmelzen.

Eine Runde um den Eisberg

Die Passagiere an Bord der BREMEN sind ganz hingerissen vom Anblick des kalten Klotzes und klicken mit ihren Kameras bis die Speicherkarten glühen. Unser Kapitän, den gestern noch die Sorge über die katabatischen Winde sehr vorsichtig gestimmt hat, lässt den Eisberg umrunden. Selbstverständlich in gehörigem Sicherheitsabstand.

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Eisbergfriedhof: Die Strömung treibt die frostigen Riesen aus der Antarktis nach Südgeorgien, wo sie stranden und über Jahre zerbröseln. Auch dieser Eisberg wird bereits seit seit einigen Jahren in diesen Gewässern schwimmen und schwinden

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