Ein neuer Antrieb: E-Zodiacs für die Expeditionsschiffe

Ein neuer Antrieb: E-Zodiacs für die Expeditionsschiffe von Hapag-Lloyd Kreuzfahrten. BREMEN und HANSEATIC wurden mit einigen Hightech-Schlauchbooten ausgestattet. Karl J. Pojer, Vorsitzender der Geschäftsführung von Hapag-Lloyd Kreuzfahrten, spricht von einer „wichtigen Investition in die Zukunft unserer Umwelt“. Im PASSAGEN BLOG stellt HANSEATIC-Kapitän Thilo Natke die moderne Antriebstechnik vor

Datum: 15.12.2015
Tags: #expeditionen #mshanseatic
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Ein neuer Antrieb: E-Zodiacs für die Expeditionsschiffe. Die erste Rückmeldung war euphorisch. Ein Zodiac-Fahrer der BREMEN schrieb, dass man bereits seit einiger Zeit eines der mit Elektro-Antrieb ausgestatteten E-Zodiacs teste, und dass es sehr gut ankomme – besonders bei Walen. So habe zuletzt in der Antarktis, nahe Port Lockroy, ein Mink-Wal zwei Schlauchboote begleitet, ein konventionelles mit Diesel-Außenborder und eins mit Elektromotor. Dann habe sich der Wal dem Boot mit dem modernen Antrieb zugewandt, es eine halbe Stunde lang umspielt, tauchte davor auf und dahinter, kam ganz nah und prustete. Selbst das erfahrene Team an Bord war perplex und entzückt.

Hapag-Lloyd Kreuzfahrten macht einen weiteren Schritt in der ständigen Modernisierung seiner Flotte und hat die Expeditionsschiffe mit einigen modernen E-Zodiacs ausgestattet. Die robusten Schlauchboote der neuesten Generation werden angetrieben von den „Deep Blue“-Außenbordern des Starnberger Herstellers Torqeedo. Deren Leistung entspricht etwa der eines herkömmlichen 80-PS-Motors. Doch ohne Lärm zu erzeugen, ohne Abgase. „Es ist ein Elektro-Antriebssystem, das es mit einer solchen Leistung zuvor noch nicht gegeben hat“, sagt Christoph Ballin, CEO von Torqeedo. „Wir freuen uns sehr, mit Hapag-Lloyd Kreuzfahrten einen renommierten Partner gewonnen zu haben, der die Vorreiterrolle übernimmt und unsere Technologie bei seinen Expeditionsschlauchbooten einsetzt.“

Zu Beginn der einjährigen Testphase wurden MS BREMEN und MS HANSEATIC jeweils mit einzelnen E-Zodiacs bestückt. Die mussten sich im harten Expeditionsalltag bewähren, im Pendelverkehr zwischen Schiff und Anlandestelle genau so wie bei Exkursionsfahrten in der Antarktis oder auf dem Amazonas. Zum Abschluss ihres dreiwöchigen Werftaufenthalts im Oktober in Bremerhaven erhielt die HANSEATIC vier der neuen High Tech-Boote. Und obwohl das Wetter nicht besonders gut ist, nimmt sich Kapitän Thilo Natke Zeit, dem PASSAGEN BLOG eines und die seine Technik zu präsentieren. Besonders zwei Faktoren beeindrucken den Kapitän und sein Team – die enorme Beschleunigung und die Ruhe, fast geräuschlos, begleitet nur von einem Summen, braust das Boot über die Weser.


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Noch deutlicher spürbar ist die Ruhe, wenn der Kapitän das Boot treiben lässt. Verbrennungsmotoren knattern und spotzen im Leerlauf. Deep Blue ist tiefenentspannt. Still. Kein Geräusch. Was hier auf der Weser wenig Sinn macht, ist im Expeditionsalltag von enormer Bedeutung. Denn da kommt es oft vor, dass das Zodiac für Tier-Beobachtungen stoppt. Meist kann man den Motor nicht ganz abschalten, Strömungen oder plötzliche Gefahrenmomente gemahnen zu ständiger Bereitschaft. Der Elektro-Antrieb aber ist unhörbar und dennoch einsatzbereit. Aufrecht stehend lässt Kapitän Natke das Boot über die Wellen sausen. Demnächst also werden die Ausflüge der Gäste nur noch begleitet vom Säuseln des Windes, dem Gluckern des Wassers – und dem Klicken der Kameras.

Noch können nicht alle herkömmlichen Schlauchboote durch moderne ersetzt werden. Die E-Zodiacs mit ihrer Ladestation sind schwerer als herkömmliche, dieses Mehrgewicht kann nicht ohne weiteres kompensiert werden. Zudem beeinflussen starke Strömungen und niedrige Temperaturen die Akku-Leistung, den zu laden dauert mehrere Stunden. Ein Boot mit herkömmlichem Antrieb kann man einfach auftanken. Schon als Sicherheitsreserve ist es also wichtig, klassische Zodiacs an Bord zu haben. Es ist aber nur eine Frage der Zeit, so die Experten, bis man mit den neuen Antrieben so vertraut ist, dass man ganz auf sie setzen kann.

Mit den E-Zodiacs übernimmt Hapag-Lloyd Kreuzfahrten als führender Anbieter von Expeditions-Kreuzfahrten eine wichtige Funktion bei der Installation dieser zukunftsweisenden Bootstechnik. Und bleibt seinem Anspruch treu, ein Traditions-Unternehmen mit großem Innovations-Geist zu sein. „Unsere Schiffe setzen in sensiblen Fahrtgebieten wie der Arktis oder Antarktis seit Jahren abgasarmen Marinediesel ein. Die Ausstattung unserer Expeditions-Zodiacs mit Elektro-Motoren ist eine weitere Investition in die Zukunft unserer Umwelt“, so Karl J. Pojer, Vorsitzender der Geschäftsführung von Hapag-Lloyd Kreuzfahrten. „Unsere Reiseziele mit ihrer Natur und Tierwelt sind unser Kapital. Und wir wollen schützen, was uns fasziniert.“


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