Hapag-Lloyd Cruises Flotte fährt ohne Schweröl. Interview mit Karl J. Pojer zu einer wegweisenden Entscheidung

Ab Juli 2020 verwenden unsere Schiffe weltweit ausschließlich das schwefelarme Marine Gasöl 0,1%. Damit reduzieren wir die Emissionen unserer Schiffsflotte um 80 Prozent, es fallen bis zu 30 Prozent weniger Rußemissionen und Feinstaub an. Interview mit Karl J. Pojer, dem Vorsitzenden unserer Geschäftsführung, zu dieser Entscheidung.

Datum: 30.09.2019
Tags: #mseuropa2 #mseuropa #msbremen #hanseaticinspiration #hanseaticnature #hanseaticspirit #umweltmanagement
EUROPAs Beste 2019

Hapag-Lloyd Cruises Blog: Lieber Karl J. Pojer, Kreuzfahrten sind bei den Deutschen sehr beliebt. Zum Abschluss der Hamburg Cruise Days standen mehr als 300.000 Menschen an der Elbe und winkten unter anderem der EUROPA zu, die im Rahmen der Parade den Hafen verließ. Hapag-Lloyd Cruises hat viele langjährige Fans und Stammgäste. Reist das schlechte Gewissen dennoch mit?

Karl J. Pojer: Reisen ist ein hohes Gut und wichtig, um ein Verständnis von der Welt zu erlangen. Wir machen einen großen Fehler, wenn wir Reisen gegen Umweltschutz ausspielen. Es kommt darauf an, die richtige Balance zu finden. Reisen bei Hapag-Lloyd Cruises bedeutet, die Natur besser zu verstehen, sich mit ihr auseinander zu setzen und dabei auch Demut vor der Natur zu verspüren. Ich bin überzeugt, dass die Menschen nach einer Reise bei uns als bessere Menschen zurückkehren. Wir nehmen unsere Verantwortung beim Thema Nachhaltigkeit und Umweltschutz deutlich wahr. Und das wissen unsere Fans und Stammgäste.

Schon heute fahren die Schiffe von Hapag-Lloyd Cruises in vielen Regionen mit schwefelarmen Kraftstoffen. Was hat die Geschäftsführung dazu bewogen, freiwillig auch in anderen Regionen zukünftig Marine Gasöl einzusetzen?

Wir setzen Trends und Standards im Luxus- und Expeditionssegment. Das hört bei den Umweltstandards nicht auf. Wir investieren daher massiv in Umweltschutz und haben gerade entschieden, dass unsere gesamte Flotte ab Juli 2020 komplett auf Schweröl verzichten wird. Stattdessen werden wir alle unsere Schiffe auf jeder Route ausschließlich mit hochwertigem Marine Gasöl betreiben. Die erheblichen Mehrkosten sehen wir als Investition in unsere Zukunft. In vielen Regionen, in denen die Expeditionsschiffe verkehren, ist die Verwendung von Schweröl nicht erlaubt. Das gilt auch für viele Häfen im Mittelmeer, an Nord- und Ostsee. Und schon heute gehen wir weit über die gesetzlichen Vorschriften hinaus.

Die neueren Schiffe von Hapag-Lloyd Cruises verfügen nicht nur über moderne Umwelttechnologien. Es gibt ein ganzes Bündel weiterer Maßnahmen, mit denen Einsparungen beim Energiebedarf erzielt werden. Welche zählen dazu?

Das ist richtig. Wir setzen zusätzlich für alle unsere neuen Schiffe auf moderne Katalysatoren und statten sie konsequent mit Landstromanschlüssen aus. Einen enorm wichtigen Schritt in Sachen Nachhaltigkeit gehen wir aber bereits bei der Entstehung unserer Reisen: Wir planen unsere Routen so, dass wir grundsätzlich auf die letzten drei Knoten Geschwindigkeit verzichten können und somit 30 Prozent Treibstoff einsparen. Ein Schiff wie die EUROPA 2 oder die HANSEATIC nature ist zudem natürlich viel mehr als ein Fortbewegungsmittel, es ist auch Hotel, Restaurant, Gym, Bühne und Bar. Auch hier haben wir viele Ansätze: Wir vermeiden Müll und Lebensmittelabfälle, wir entwickeln grüne klimaneutrale Ausflüge, und wir beziehen unsere Waren soweit es möglich ist von lokalen Märkten. 

Die Schiffe von Hapag-Lloyd Cruises eint ihre Individualität – mit maximal 230, bzw. 500 Gästen bieten sie Kreuzfahrten als besondere Erfahrung, persönlich und authentisch. Was sind die Herausforderungen, um dieses Niveau zu halten?

Unsere Gäste sind reiseerfahren und qualitätsbewusst. Bei uns sind die Reiseziele ein wichtiges Entscheidungskriterium. Im Gegensatz zu den großen Schiffen, bei denen das Schiff selbst immer mehr zum Ziel der Reise wird und mit Superlativen aufwarten muss. Unsere Superlative sind die kleinen besonderen Häfen, die außergewöhnlichen Destinationen und die vielen Premierenziele, die die großen Schiffe gar nicht anfahren können. Diese Reiseziele, die uns und unsere Gäste faszinieren, gilt es heute mehr denn je zu schützen und zu bewahren.

Fotos: Archiv

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