Die BREMEN und der hungrige Eisbär

von Dr. Hans-Joachim Spitzenberger


Expedition Spitzbergen: In den Mittagsstunden erreicht die BREMEN, von Tromsø kommend, den Eingang zum Isfjorden im Südwesten Spitzbergens. Als Einstieg in das „Expeditionsabenteuer Spitzbergen“ ist für den Nachmittag eine Premierenanlandung in der Trygghamna, einem kleinen Nebenfjord des Isfjorden geplant. Die Region wird vom 610 Meter hohen Berg Alkhornet beherrscht. An seiner fast senkrecht abfallenden Südflanke brüten einige zehntausend Dickschnabellummen und Dreizehenmöwen.

Im 17. Jahrhundert hatten Walfänger hier einen Stützpunkt errichtet. Im 18. Jahrhundert kamen Pomoren, Jäger und Fallensteller aus Russland, bauten hier ihre Jagdhütten. Letzte Zeugnisse ihrer Anwesenheit sind mehrere Gräber. Auch später war die „Sichere Bucht“ – so die Übersetzung für Trygghamna – bei Trappern ein beliebter Ort. In den 1980er Jahren des 20. Jahrhunderts ließ der Sysselmann, der Gouverneur von Spitzbergen, eine Hütte für sein Ranger errichten. Wir sind schon sehr neugierig auf diesen Ort.

Wie geplant setzt sich das Scoutboot um 15 Uhr in Richtung auf die Sysselmannhütte in Bewegung. Doch plötzlich erscheint ein junger männlicher Eisbär neben der Hütte. Er versucht, in die Hütte einzudringen. Eine andere Tür scheint er bereits aufgebrochen und sogar etwas Essbares gefunden zu haben, denn nach einigen vergeblichen Versuchen an der Vordertür, geht er zurück, legt sich neben die Hütte und frisst etwas. Wir können es aber nicht identifizieren.

An eine Anlandung ist unter diesen Umständen nicht zu denken. Gerade die jungen, etwa vier bis fünf Jahre alten, männlichen Eisbären sind besonders gefährlich. Man nennt sie auch crazy bears. Denn sie sind sehr hungrig. Aus Angst vor den alten, starken Männchen, die auch vor Kannibalismus nicht zurückschrecken und mit dem Packeis nach Norden ziehen, bleiben die Jungen an Land zurück. Da finden sie aber kaum Nahrung, denn ihre Beute, vorwiegend Ringelrobben, zieht ebenfalls mit dem Eis. Bis zu drei Monate müssen die jungen Eisbären hungern, bis der ewige Winter zurückkehrt.

Also beobachten wir den Eisbären aus sicherer Distanz. Gerade als wir abdrehen wollen, nähert sich der Helikopter des Sysselmanns. Vielleicht hat der Bär bei seinen Einbruchsversuchen eine Alarmanlage ausgelöst oder er ist von einer Webcam beobachtet worden. Jetzt flüchtet das Tier in wilder Panik vor dem knatternden Ungetüm, zunächst in Richtung auf das Fjordinnere, später sehen wir ihn durch das Wasser schwimmen. Inzwischen ist der Hubschrauber gelandet und die Besatzung inspiziert die Hütte. Endgültig Zeit für die Bremen abzudrehen und die Fahrt fortzusetzen.


Eisbär_Trygghamna_2



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