MS HANSEATIC in der Nordostpassage

Wer die Polargegend mit Kälte und Dunkelheit verbindet, dürfte sich zu Beginn dieser Reise staunend die Augen gerieben haben. Die Passagiere der HANSEATIC wurden von einer strahlenden Sonne begrüßt, die über den Diomedes-Inseln in der Beringstraße stand. Und nicht nur die 148 Passagiere aus sechs Nationen genossen diesen wunderbaren Morgen: Am Ufer tümmelten sich zahlreiche Walrosse. Und die Vogelwelt präsentierte sich in ihrer ganzen Vielfalt: Hornlunden, Dickschnabellummen, Dreizehenmöwen und Rotschnabelalken kreisten über dem Schiff als es Aufbrach zu nichts weniger als zu einer Weltpremiere.

Der 13. August 2014 war nicht nur der Beginn einer besonderen Expeditionsreise, er war ein Meilenstein in der Geschichte der Kreuzfahrt. Einer von vielen in den Annalen von Hapag-Lloyd Cruises, in denen nicht nur die erste "Lustfahrt" in den Orient zu finden ist, sondern auch die erste "Nordland-Reise" nach Spitzbergen. Hapag-Lloyd Cruises setzt bis heute auf ein außergewöhnliches Routing - und wird dafür immer wieder ausgezeichnet.

Die Schiffsreise von der Beringstraße durchs Nordpolarmeer in die Barentsee, die Durchfahrung der so genannten Nordostpassage von Alaska nach Norwegen, ist ein maritimer Traum. Seefahrer hegen ihn seit dem 16. Jahrhundert. Und scheiterten allesamt. Bis im Jahr 1879 Adolf Erik Nordenskiøld, dem finnischen Wissenschaftler in schwedischen Diensten, die erste Passage gelang. Monatelang musste er in arktischer Einöde überwintern, bevor der Durchbruch möglich war.

Für die Gäste der HANSEATIC war die Reise sehr komfortabel, doch gleichermaßen ein Abenteuer. Eine Expedition durch Seelandschaften, die sonst kaum ein Mensch zu Augen bekommt. Und sie öffnete den Blick auf eine ganz besondere Tierwelt. Schon nach wenigen Tagen gellten Rufe über die Decks: "Eisbär, Eisbär!" Und tatsächlich: Auf einer Scholle sitzend, trieb ein Polarbär vorbei. Interessiert schaute er sich das Schiff an, und fasziniert starrten unzählige Augenpaare zurück. Die "Eisbär, Eisbär!"-Rufe prägten die ersten Tage.

Aufregende Ansichten boten sich aber auch an Land. Etwa - Achtung, Zungenbrecher! - Chetyryokhstolbovoy, was so viel heißt wie "Burg mit vier Zinnen". Die Gesteinsformation liegt 100 Kilometer vor der Kolyamündung auf den Medweschji-Inseln. Schon von weitem ragten die spitzen Felspfeiler empor - Verwitterungsreste eines Granitplutons. Ein Highlight für die Passagiere, die an Mineralogie interessiert waren und ein großartiger Anblick für alle anderen, die sich in eine zauberhafte Landschaft versetzt sehen - menschenleer, weit, faszinierend.

Neben spektakulären Gesteinsformen gab es auch bizarre Lebewesen zu entdecken, etwa den Wolly Bear. Es ist trotz des Namens nur ein Tierchen: eine Raupe. Während gewöhnliche Raupen zwei bis vier Wochen brauchen, um sich zu verpuppen, lässt sich Wolly Bear 14 Jahre Zeit. Er überlebt die eisigen Winter, weil er Antifroststoffe im Blut hat. Im 14. Sommer spinnt der Bär, der keiner ist, einen Kokon und wird zur Tiger-Motte.

Nach gut zwei Wochen kreuzte die HANSEATIC die Laptew-See. Auch dies ein menschenleerer Ort, bewohnt nur von Schwergewichten der Tierwelt: Walrossen. Die Passagiere entdeckten ein Pärchen. Die beiden massigen Tiere ließen sich vom Blitzlichtgewitter nicht stören, kratzten sich bloß gegenseitig mit ihren Hauern - wie ein altes Ehepaar. Später kuschelten sie am Strand, das eine Tier legte seine Flossen auf den Rücken des anderen. Wahre Walross-Liebe!

Als die HANSEATIC am 7. September in den russischen Hafen Murmansk einlief, war es geschafft: die erste Passage eines nicht-russischen Schiffes auf dem "Nördlichen Seeweg" quer durch die russische Arktis. Was aber wirklich zählt, sind die 5.500 Seemeilen durch nahezu unberührte Natur - die Begegnungen mit Landschaften und einer Tierwelt, die ihresgleichen sucht auf diesem Planeten.

Die HANSEATIC geht damit in die Geschichte ein als erstes nicht-russisches Passagierschiff, dass die Nordostpassage durchfährt.


Weltrekord für die HANSEATIC

"Es ist nicht ganz einfach, neue Rekorde in der Seefahrtsgeschichte zu schreiben", formulierte Kapitän Thilo Natke im Jahr 2014 in einer Nachricht, "aber durch einen glücklichen Umstand ist es der HANSEATIC am 27. August gelungen: Unser Expeditionsfahrplan ließ ein wenig Zeit, die wir zu einem Abstecher in den hohen Norden nutzten." Dabei erreichte die HANSEATIC "Phi max", die höchste geografische Breite, auf der ein Passagierschiff mit konventionellem Antrieb jemals gekreuzt ist.

Eine ungewöhnliche Eislage hatte diesen Rekord ermöglicht. Nördlich der Neusibirischen Inseln erstreckte sich eine große eisfreie Zone. Unter guten Wetterbedingungen, bei Temperaturen um null Grad, ging es hinein. Natke schrieb: "Erst auf 85 Grad trafen wir auf einzelne Packeisfelder. Mit  langsamer Fahrt tasteten wir uns, zeitweise im Nebel, voran. Bis auf der Breite von 85° 40,7' N nichts mehr ging: Polares Packeis mit einer Bedeckung von 9/10 erstreckte sich bis zum Horizont. Nur noch 479 Kilometer bis zum Nordpol!"

Die Passagiere unternahmen bei Temperaturen um den Gefrierpunkt eine Zodiac-Rundfahrt entlang der Packeiskante. Anschließend wurde dieses Ereignis bei einer Party an Deck gebührend gefeiert. Viele wollten auf der Brücke die Anzeige auf dem GPS-Gerät fotografieren. Denn das war der Beweis!


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