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30/04/2015 Tech · Design

Facelift EUROPA 2:
Das Luxusschiff wird ausgedockt

Werftheader_aktualisiert

von Susanne Baade (Fotos) und Dirk Lehmann (Text)

EUROPA2, Ausdocken 2015. ©Susanne Baade
EUROPA2, Ausdocken 2015. ©Susanne Baade

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EUROPA2, Ausdocken 2015. ©Susanne Baade

„Können wir los legen?“ fragt der Hafenlotse.

„Alles bereit“, antwortet Chief Officer Sokacic.

„Dann Leinen los“, sagt Kapitän Ulf Wolter. Er steht auf der Steuerbord-Nock, jenem Austritt neben der Brücke, schaut auf die Instrumente. Beide Nocks verfügen über voll funktionsfähige Steuerpulte. Und während sich der Kapitän um die Anzeigen und Schalter kümmert, gehen die Kommandos hin und her. „Backbord-Spring ab“, knistert es aus dem Funkgerät. „Backbord-Spring ab“, wiederholt der Lotse. „Steuerbord-Spring ab“, ordert Sokacic, der hier nur „Chief“ genannt wird. Und dann heißt es: „Alle Leinen los.“

Facelift EUROPA 2. Es ist 7:45 Uhr. Noch versteckt sich der Tag unter einer Hochnebeldecke. Ganz sachte löst sich das 5-Sterne-plus-Kreuzfahrtschiff aus dem Dock 10 von Blohm + Voss. Nachts gegen 3 Uhr begann man es zu fluten. Die Gangway wurde entfernt. Die Rettungsboote und Tender wurden in ihre Positionen gehoben. Auf den Decks werkelten die letzten Arbeiter quasi Rücken an Rücken mit den ersten Putzkräften. EUROPA 2 im Dock. Es war eine Nacht mit Hochbetrieb. Am Morgen kamen noch die Klavierstimmer an Bord, sie wurden im Korb von einem Kran auf Deck 9 abgesetzt.

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EUROPA2, Ausdocken 2015. ©Susanne Baade

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EUROPA2, Ausdocken 2015. ©Susanne Baade

„Wir haben jetzt 0,6“, sagt Kapitän Wolter. Gemeint ist die Geschwindigkeit in Knoten. Schon zu einem Drittel hat sich das Schiff in die Elbe geschoben. „Wo sitzt der Strom?“

„0,6 ist perfekt“, antwortet der Lotse und fügt hinzu: „Achtern sackt er leicht nach Backbord.“

„Kein Problem“, entgegnet Wolter und fragt: „Schiff aus dem Dock?“

„Schiff aus dem Dock antwortet der Lotse.“ Und jetzt schwimmt die EUROPA 2 frei auf der Elbe. An den Landungsbrücken sind einige Passanten stehen geblieben und schauen zu. Und hören das Dröhnen des Typhons. Drei mal. Die EUROPA 2 begrüßt die Stadt. 8.55 Uhr dreht das Schiff vor dem Amerikahöft und schmiegt sich an das Kreuzfahrtterminal am Grasbrook.

Es ist das Ende einer besonderen Zeit. Und der Beginn einer neuen. Das Schiff hat seinen ersten Werftbesuch hinter sich, der turnusmäßig alle zwei Jahre stattfindet. Neben den Wartungsarbeiten, so zeigte sich im Reisealltag, der im Frühjahr 2013 aufgenommen wurde, war auch einiges verbesserungswürdig: Die Sansibar dürfte ruhig uriger sein, das Restaurant Sakura etwas asiatischer und die Familiensuiten noch liebevoller. Und wie das so ist, wenn man mal Hand anlegt, kam noch die eine oder andere Kleinigkeit dazu. Am Ende waren es 700 Positionen, an die in der Werft Hand angelegt wurde. Einige davon tatsächlich nur kleine Punkte, etwa ein Schaden im Parkett, eine Macke in der Wand. Andere waren schon richtiggehend Gewerke. Und so wurden 2.000 Liter Farbe verarbeitet und 4.500 Quadratmeter Teppich gelegt. Es ist wie mit einer lieb gewordenen Wohnung. Es braucht eine gewisse Zeit, bis man sich eingelebt hat, bis man alles versteht. Doch dann wird es umso schöner. Eine Beziehung, die wächst.

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EUROPA2, Ausdocken 2015. ©Susanne Baade
EUROPA2, Ausdocken 2015. ©Susanne Baade

Jetzt begehen Karl J. Pojer, Leiter der Geschäftsführung von Hapag-Lloyd Kreuzfahrten, und Julian Pfitzner, Leiter Produktmanagement EUROPA 2, das strahlende Schiff, das noch nach frischer Farbe riecht, nach frisch verlegtem Teppich. Pojer und Pfitzner begutachten die Umbauten, bedanken sich beim Team, das in den vergangenen zwei Wochen sehr viel Engagement gezeigt hat, und begrüßen den Beginn eines neuen Abschnitts, der sich auch in Form einer hoch aufragenden Blondine präsentiert – Maria Höfl-Riesch.

Auf ihren Plateau-Turnschuhen wirkt die überragende Ski-Olympiasiegerin und -Weltmeisterin noch größer. Schlank und fit präsentiert sie ihr Fitnessprogramm: „Be.You.“ Es geht um Ausdauer und Kraft, um Selbstbewusstsein und Stabilität. „Be.You. ist für jeden geeignet“, sagt Maria Höfl-Riesch. Sie wolle, dass man sich wohl fühle mit ihrem Programm. Und man glaubt ihr, wenn sie sagt: „Ich bin froh, dass ich einige Sachen, die ich als Leistungssportlerin machen musste, nicht mehr machen muss.“

Be.You. wird ab sofort exklusiv auf der EUROPA 2 angeboten. Ohne Zuzahlung für die Gäste. Maria Höfl-Riesch bleibt an Bord, und für den PASSAGEN BLOG werden wir die Ausnahme-Athletin auf ihrer ersten Reise begleiten. Mit ihr schwitzen, sprechen, Spaß haben.

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Inzwischen ist die Sonne raus gekommen. Und die Atmosphäre, die bisher arbeitsreich und intensiv war, bekommt eine gewisse Heiterkeit. Wir schlendern in einer großen Gruppe in die neu gemachte Sansibar. Draußen leuchtet die Hafencity, ein Riesenrad wird aufgebaut. Und dann manifestiert sich eine lebende Legende: Udo Lindenberg ist an Bord, um der EUROPA 2 ein Bild zu schenken, eines seiner Likörelle. Ein ausgelassen heiterer Moment. Mehr oder minder spontan entscheidet sich der berühmte Sänger dem Schiff ein Ständchen zu bringen.

Wer diesen Mann kennt, der weiß, dass er nur einem Prinzip folgt – der Lust, das zu tun, wonach ihm der Sinn steht. Udo Lindenberg lebt noch immer in einem Hamburger Hotel, er liebt es, die Nacht zum Tag zu machen, sein Motto lautet: „Der frühe Vogel kann mich mal!“ Jetzt hat er das Bild übergeben, es hängt über dem Kamin. Er hat ein großes Glas Eierlikör bestellt, damit die Stimme geschmeidig wird. Nun beginnt er zu singen. Ein Vollblut-Rock’n’Roller sorgt für Gänsehaut-Momente in der Sansibar. „Aber sonst ist wieder alles klar, auf der EUROPA 2-lala…“

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Die Sonne scheint, die Elbe glitzert. Und am Abend beginnt die erste Reise des runderneuerten Schiffs. Die EUROPA 2 löst sich vom Cruise Terminal in der Hafencity und gleitet langsam die Elbe hinab. Es ist eine Parade durch die Stadt. Überall stehen Menschen und winken, das Typhon grüßt dreimal laaaaang. Ein April-Abend wie Samt und Seide. Die Sonne glitzert auf dem Fluss wie Gold. Die Luft schmeckt nach Sommer. Der Luxus dieses Moments verzaubert die Passagiere auf der Hafenfähre wie die auf der EUROPA 2.

Und dann das: Das Schiff passiert das Hotel Louis C. Jacob, und man bereitet einen wundervollen Abschied. Mit ungezählten weißen Tüchern und Laken wird aus Fenstern und von Balkonen gewunken. Darauf kann es nur eine Antwort geben: drei laaaaange Töne aus dem Typhon. Wenig später passiert die EUROPA 2 das Hotel Süllberg. Auch da winkt man mit weißen Tüchern und Laken. Und mit einer gewaltigen, orange-farbenen Hapag-Lloyd Kreuzfahrten Flagge! Der Kapitän antwortet mit drei laaaaangen Tönen aus dem Typhon. Danke. Danke. Danke.

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Hier finden Sie weitere Informationen zur EUROPA 2 und den nächsten Reisen mit dem Fünf-Sterne-plus-Schiff. Und dies ist der Link zum ersten Beitrag über das Facelift der EUROPA 2.

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