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11/04/2015 Tech · Design

Erste Werftzeit: EUROPA 2 im Dock Nummer 10

Werftheader_aktualisiert

von Matthias Lambrecht (Text und Bild)

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EUROPA 2 im Dock. Um 8.51 Uhr ist es geschafft. „Job done!“, verkündet Kapitän Ulf Wolter auf der Brücke. Das zwei Jahre alte Schiff liegt zur ersten, turnusmäßigen Inspektion in Dock 10 der Hamburger Werft Blohm+Voss. In den nächsten 13 Tagen wird das Luxusschiff von Hapag-Lloyd Kreuzfahrten auf Herz und Nieren untersucht.

„Wir machen die Wartungsarbeiten, zu denen wir bei laufendem Betrieb nicht kommen“, sagt der Kapitän. Der Rumpf des Schiffes wird auf Algenbewuchs geprüft, gereinigt und gestrichen. Anker und Ketten, Schrauben und Ruder werden inspiziert, Rettungsboote und -inseln kontrolliert. Außerdem wird unter Deck renoviert und umgebaut: Wände werden gestrichen, Teppichböden ausgetauscht, Teile des Parketts erneuert. Die Familiensuiten sollen noch familientauglicher werden. Die Sansibar und das japanische Restaurant Sakura werden neu gestaltet (zu den weiteren Arbeiten in einem späteren Beitrag mehr). Kapitän Wolter: „Am 24. April wollen wir in neuem Glanz in die Nordsaison starten.“

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Früh am morgen haben die letzten Gäste das Schiff verlassen, das direkt aus New York nach Hamburg gekommen ist. Bei herrlichem Frühlingswetter hatte die EUROPA 2 am Freitagnachmittag die Elbmündung erreicht. „Die Fahrt von Cuxhaven nach Hamburg gestern Abend war sensationell“, sagt Wolter, „überall am Strand, von Blankenese bis Oevelgönne, haben uns die Menschen begrüßt.“ Am Morgen hat sich die Stimmung geändert. Statt erwartungsvoller Reisender checkten im Kreuzfahrtcenter am Grasbrook rund 120 Handwerker ein, Blaumänner statt Polohemden, Werkzeugkisten statt Handgepäck. Und schon während das Schiff Kurs auf das Dock nimmt, ertönen an Bord andere Geräusche als das Klingeln von Champagnergläsern.

Eine Seemeile geht es im Rückwärtsgang vom Grasbrook bis zum Dock 10. Wolter kontrolliert das Ablegemanöver von der Backbordnock aus. Die Leinen sind los. Langsam schiebt sich das Schiff mit dem Heck in den Strom. Unten winken die Gäste, der Kapitän winkt zurück. Dann wechselt Wolter auf die andere Seite der Brücke. Von hier steuert er mit dem 1. Offizier Alex Sokacic und dem Elblotsen die EUROPA 2 in das Trockendock.

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Ein Manöver, das viel Fingerspitzengefühl erfordert: Rückwärts einparken für Profis – vor den St. Pauli-Landungsbrücken, mit einem 225 Meter langen und knapp 27 Meter breiten Schiff in ein Dock, in dem an Steuer- und Backbord jeweils nur ein paar Meter Platz bleiben. Wolter und Sokacic sind ein eingespieltes Team. Immer wieder wechselt der 1. Offizier von der Steuerbordnock auf die Backbordnock, um die Abstände zu kontrollieren. Meter für Meter schiebt sich die EUROPA 2 ins Dock. Maßarbeit auf der Brücke. „Ich geb’ mal einen kleinen Schub“, sagt Wolter schließlich, bevor das Schiff zum Stehen kommt. Und dann die Bestätigung von der Werft: „Okay Gentlemen, we are in Position.“

Während das Schiff noch mit Leinen nachjustiert wird, damit es passgenau auf den Pallen landet, wenn das Dock aus dem Elbwasser aufsteigt, haben unter Deck die Umbauarbeiten schon begonnen. An vielen Stellen im Schiff gibt es Markierungen mit roten Klebepunkten und gelben Zetteln, an denen der Fußboden oder die Wandvertäfelung ausgebessert werden muss. Folien werden ausgerollt, um die Teppiche zu schützen, Wände mit sorgfältig verklebten Kunststoffmatten verkleidet. „Wir müssen das Schiff auch vor den Handwerkern schützen, die es schöner machen sollen“, sagt Julian Pfitzner, Leiter Produktmanagement EUROPA 2. „Wir haben wertvolle Kunst in den Fluren, Sandstein an den Wänden und handgewebte Teppiche. Das alles soll während der Bauarbeiten nicht beschädigt werden. Zugleich dürfen aber die Arbeiten an Bord nicht behindert werden. Da müssen wir einen ziemlicher Spagat hinbekommen.“

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(©Fotos Werftarbeiter in Gondel und Heck mit Antrieb: Felix Hummer, Cruise Vision)

Anderswo rattern bereits die Pressluftmeißel, Parketthölzer und Teppiche werden herausgerissen, Arbeiter tragen Schränke, Stühle und Tische durch die Gänge. Knapp 500 Handwerker kommen an Bord. Und die Crew packt auch mit an, repariert, räumt um und hilft beim Reinigen. Für das Küchenteam heißt es, sie müssen bis zu 700 Menschen an Bord versorgen. Die Ruhezeit ist für den Großteil der 370-köpfigen Mannschaft keine Urlaubszeit. Auch Kapitän Wolter bleibt an Bord, der Hamburger wird in den kommenden Tagen sogar auf dem Schiff übernachten. Er trägt auch in der Werft die Verantwortung. „Da tausche ich die Uniform mit dem Overall“, sagt er, „jetzt bin ich Diplomat, Vermittler, im Dialog mit allen Gewerken und der Werft. Dabei muss ich immer darauf achten, dass wir den Zeitplan einhalten. Wir können uns keine Verspätung leisten!“

Selbst die Crewmitglieder, die das Schiff verlassen, nutzen die Gelegenheit, in Hamburg dazu zu lernen. Die Köche aus dem für die Qualität seines Sushi von vielen Gästen sehr geschätzten Restaurants Sakura treten in einen Austausch mit einem der Top-Sushi-Restaurants der Stadt. Und die Souschefs des Hauptrestaurants Weltmeere hospitieren auf dem Süllberg beim Zwei-Sterne-Koch Karlheinz Hauser. Denn nur wer sich ständig an anderen misst, kann noch besser werden. Schließlich soll nicht bloß ein Schiff mit neuem Glanz in die Nord-Saison starten. Das beste Kreuzfahrtschiff der Welt macht sich bereit für seine Gäste.


Hier finden Sie weitere Informationen zur EUROPA 2 und den nächsten Reisen mit dem Fünf-Sterne-plus-Schiff. Und dieser Link führt zur zweiten Reportage über die Werftzeit der EUROPA 2.

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