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15/11/2015 Fashion · Beauty

E2MAG Style-Guide – das Gespräch:
Perret Schaad

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EINS: PERRET SCHAAD Johanna Perret und Tutia Schaad. ZWEI: Perret Schaad Frühjahr-Sommerkollektion 2016. Gestreifte Bluse Jérôme, Rock Dany. Das kühle Blau des Ozeans, reflektierende Häuserfassaden und Stahl dienten Perret Schaad als Inspiration

Auf Kreuzfahrten umgeben wir uns mit Menschen, die wir nicht missen wollen. Zu einer perfekten Reise mit der EUROPA 2 zählen aber auch Lieblingsbegleiter, die ganz und gar materieller Natur sind. Gemeint sind Dinge, bei denen die Grenze zwischen nützlich und nicht unbedingt nötig oft verschwimmen. Dafür aber sind sie schön. Lieblings-Styles. Und so außergewöhnlich wie diese Produkte – sind oft die Menschen dahinter.

Im Style-Guide des E2MAG wollen wir in loser Folge einige dieser Kreativen vorstellen. Sie sind innovativ wie das Schiff, zudem haben viele von ihnen nicht nur eine große Leidenschaft für ihr Tun, sondern auch für das Reisen. Etwa Johanna Perret und Tutia Schaad, mit denen wir die Interviewreihe fortsetzen. Kennengelernt haben sich die beiden bei Givenchy in Paris, wo die Designerinnen vor Jahren ihre Karriere starteten. Mittlerweile ist ihr Label Perret Schaad in der Modewelt längst erfolgreich. Ihr Stil? Sleek, aber nicht schnörkellos, dank der für die Berlinerinnen typischen Drapierungen und Raffungen. Ihre Frühjahr-Sommerkollektion für 2016 ist eine Hommage an das Meer. Ein Spiel mit Licht und Schatten und mit einer mediterranen Farbpalette. 

E2Mag Style-Guide: Johanna Perret, wie haben Sie und Tutia Schaad zusammengefunden?

Johanna Perret: Wir lernten uns bei Givenchy kennen, wo wir beide vor rund neun Jahren gearbeitet haben. Es war eine verrückte Zeit, kurz vor den Schauen der Fashion Week in der Modemetropole. Ein gemeinsamer Freund gab mir den Tipp mit dem Job, und so landete ich bei dem renommierten Modehaus, wo Tutia ein Praktikum machte. Wir haben viele Nächte durchgearbeitet und in dieser extrem stressigen Phase festgestellt, dass wir sehr gut zusammen passen.

Sie sprechen auch heute, in Ihrem Berliner Atelier, französisch miteinander?

Ja, denn ich bin Halbfranzösin und Tutia ist in der französischen Schweiz aufgewachsen – daher klappt unsere Verständigung auf Französisch einfach perfekt. Und in Paris war die gemeinsame Sprache für uns beide die Basis, um im Business klarzukommen.

Liegen Sie mit ihren Vorstellungen von Design auch auf einer Wellenlänge?

Unbedingt, denn was die Details, die Verarbeitung und vor allem unsere Ansprüche an Qualität angeht, sind wir eigentlich immer einer Meinung. Und meist entwerfen wir auch gemeinsam.

Wie dürfen wir uns den Designprozess bei Perret Schaad vorstellen?

Wir arbeiten sehr frei und legen erst einmal ein Farb- und Materialkonzept fest. Für die Frühjahr Sommer-Kollektion haben wir mediterrane Töne wie Smaragdgrün, Pistazie und dunkle Olive gewählt, dazu Magenta und kühles Meerblau. Die Stoffe sind für uns ebenso wichtig, denn wir drapieren viel und das funktioniert nur mit hervorragenden Materialien. Wir entwerfen im Atelier oft direkt an der Schneiderpuppe. Der Stoff wird um den Körper gelegt und so fixiert, wie er sitzen soll. Auf diese Art Schnitte zu entwickeln ist sehr kreativ, denn beim Ausprobieren entstehen überraschende Varianten.

Und wo produziert Perret Schaad?

Alle Kollektionsteile werden in Deutschland hergestellt. Unsere Strickgarne kommen aus Italien und die Baumwollstoffe ausschließlich aus der Schweiz. Es ist interessant, dass die Schweizer einfach die schönsten Stoffe machen: Baumwollsatin, transparente Jerseys, luftige Seidenstoffe – die sind fantastisch.

Perret-Schaad-Joseph
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DREI: Der Klassiker: Die Bluse Joseph aus Woll-Georgette ist eines der am besten verkauften Teile aus den Perret Schaad Kollektionen und längst Kult. Unifarben oder mit Print, die Bluse passt besonders zum drapierten – VIER – asymmetrischen Rock Armin aus tiefblau eingefärbter Baumwolle. FÜNF: gut aufgeräumt: Das Atelier der Designerinnen in der Berliner Torstraße ist ihr Kreativzentrum 

Die Perret Schaad Frühjahr-Sommer-Kollektion 2016 ist von 3-D Prints geprägt, die zarte, maritime Streifendessins zeigen. Perfekte Entwürfe für eine Kreuzfahrt…

(Lacht) Das stimmt, wir haben uns diesmal sehr vom Meer und von der licht- und luftdurchfluteten Stimmung am Wasser inspirieren lassen. Die gestreifte Bluse Jérôme zum Beispiel und ein Rock passen abends sehr gut zum Cocktail. Mit einem leichten Hemdblusenkleid ist frau tagsüber an Bord casual, und dennoch stilvoll angezogen. Kurze Hose und Oberteil sind ideal für die Stunden am Pool oder bei einem Landgang.

Jérôme, Joseph, Marlon – so etwa lauten die Namen der Kollektionsteile. Wie kamen Sie auf die Idee, jeden einzelnen Style mit einem Männernamen zu kennzeichnen?

Es ist eine Art Spiel, denn wir haben Klassiker wie die Bluse Jérôme oder Joseph, die in jeder Kollektion in Variation auftauchen. Deshalb haben wir uns angewöhnt, Männernamen zu vergeben. So weiß jede im Team sofort von welchem Teil die andere spricht. Jeder Name gehört übrigens gehört zu einer Person, die wir kennen und mögen. Manchmal sind es Freunde von Freunden, denn es werden ja immer mehr Teile (lacht).

Wir können also davon ausgehen, dass Joseph ein besonders guter Bekannter ist?

Ja, das stimmt. Manchmal ist diese Tradition auch etwas schwierig für unser Umfeld, denn wir wissen ja nie, wie erfolgreich ein Teil ist. Manche Namen, bei denen die dazugehörigen Styles nicht so gut laufen, verschwinden im Archiv. Joseph jedenfalls hat Glück gehabt.

Sie arbeiten selbständig, haben jeweils eine kleine Tochter, und sind dennoch sehr erfolgreich. Bleibt da noch Zeit für Reisen?

Wir finden unsere Inspirationen auf den Fernreisen, deshalb ist es uns so wichtig, das auch weiterhin zu tun. Wir sind beide gern in Asien unterwegs, wo die Einflüsse wie Farbe oder Licht sehr intensiv sind. Und ich war gerade in Marokko. Wir saugen auf, was wir erleben und setzen es in unseren Kollektionen um. Nur mit den Dessins sind wir zurückhaltend. Da haben wir eben unseren ganz eigenen Stil.

Liebe Johanna Perret, was packen Sie immer ein, wenn es auf Reise geht?

Meinen Fotoapparat, Sonnencreme und mein Kleid Frank.

Missoni
Heidi-Klein
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Dries-van-Noten

Wir haben Perret Schaad gebeten, uns maritime Stücke von anderen Designern zu empfehlen. SECHS: Mit dem charakteristischen Strickmuster drängt sich dieser Poncho von Missoni Mare in den Vordergrund. Zarte Pastell- und Meerestöne bestimmen das wellenförmige Dessin. Ottavio »Tai« Missoni, Leichtathlet und Olympiateilnehmer, stellte ursprünglich Sportanzüge aus Wolle her, 1953 gründete er mit seiner Frau Rosita eine Strickwarenfabrik. Das Familienimperium wird von Tochter Angela Missoni und Kreativchefin Rossella Jardini geführt. SIEBEN: Das Londoner Designer-Duo Heidi Gosman und Penny Klein launcht unter dem Namen Heidi Klein eine eigene Kollektion für schicke Urlaubsessentials, wie diesen Bandeau-Bikini. ACHT: Slip-ons sind das Must-have für entspannte Traveller. Einfach hinein schlüpfen, und auf bequemen Sohlen die Welt entdecken. Dieses Paar stammt von Stardesigner Dries van Noten, der bekannt ist für seinen künstlerischen Anspruch. Seine letzte Show inszenierte er auf einem gewebten Runwayteppich, der wie Moos aussah. »Ich wollte keinen normalen Catwalk. Ich wollte, dass die Models darüber schweben und davon träumen, barfuß durch einen zauberhaften Wald zu laufen« sagte der Designer im Interview mit der deutschen Vogue. Wir versprechen: Traumhaft ist auch der Effekt beim Tragen dieser Slip-ons aus weichem Veloursleder

Fotos: Juliane Eirich, Daniel Buchard, Katrin Greiling, Archiv.


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Kerstin Walker, freie Journalistin aus Hamburg, hat Modedesign studiert, für einen Trendforscher gearbeitet und für große Modekonzerne. Sie schreibt für diverse Online-Magazine und Printprodukte. Im E2MAG führt sie durch die Fashion-Welt.

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